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06.01.2003

07:28 Uhr

PROFIL Roberto Colaninno ist einer der großen Finanzjongleure Italiens

Der Mann für schwierige Fälle

VonRegina Krieger

Roberto Colaninno kommt aus der Provinz aus einfachen Verhältnissen. Colaninno ist mutig, ideenreich und vermögend. Jetzt soll er dazu beitragen, dass Fiat in Italien weiter Autos bauen kann.

Er ist der Einzige, der seine Weihnachtsferien genießt und schweigt. Während Manager, Banker, Analysten, Politiker und Gewerkschafter seinen Namen täglich lauter als Retter für den angeschlagenen Fiat-Konzern rufen, gibt es von Roberto Colaninno selbst keinen Kommentar. Aber am Dienstag enden die Ferien in Italien. Und dann wird der Manager, der im Sommer 60 Jahre alt wird, die Aktionäre über seinen Rettungsplan informieren, der längst in allen Details in den Medien verbreitet wurde.

Das abwartende Schweigen passt zu dem zurückhaltenden Mann aus der Provinz, der auf eine steile Karriere als Manager und Unternehmer zurückblickt, die allerdings vor anderthalb Jahren ziemlich brüsk endete. Da musste er auf Drängen des damaligen Pirelli-Chefs Marco Tronchetti Provera seinen Job an der Spitze von Telecom Italia aufgeben und sich mit seiner Finanzholding Bell zurückziehen. Doch der Abschied wurde ihm vergoldet, so dass er jetzt problemlos aus seiner Privatschatulle bei Fiat investieren kann.

Die finanzielle Großzügigkeit von Telecom Italia war der Dank dafür, dass ihm 1999 etwas Unglaubliches geglückt war: die größte feindliche Übernahme Europas. Als Chef der Olivetti, die er vom erfolglosen Computer-Hersteller zur Finanzholding für Informationstechnik und Telekommunikation geformt hatte, schluckte Colaninno die sechsmal größere Telecom Italia, die nach dem Börsengang 1997 zum Übernahmekandidaten geworden war. So durchkreuzte er die Übernahmepläne des damaligen Chefs der Deutschen Telekom, Ron Sommer.

Roberto Colaninno gehört zur italienischen Finanz-Elite - und auch nicht. Er ist erfolgreich, hartnäckig und ideenreich, ihm fehlt es aber nach Aussagen von Managerkollegen an der Fähigkeit, langfristige Strategien zu entwickeln. In seinen zwei Jahren bei Telecom Italia hat er zwar die Schulden verringert, aber falsche strategische Entscheidungen getroffen, wie die, sich auf Italien zu konzentrieren. Andererseits ist er so mutig, sich an scheinbar unlösbare Aufgaben zu wagen. Der Nobody aus der Provinz schaffte es, den maroden Olivetti-Konzern zu sanieren.

Widersprüche scheinen charakteristisch für den stillen Finanzjongleur, der jetzt das Kunststück vollbringen soll, im Einklang mit der Familie Agnelli und den Gläubigerbanken die Fiat-Autosparte in Italien zu halten. Bevor sein Name gehandelt wurde, waren die Mailänder Finanzkreise davon ausgegangen, dass die Sparte an General Motors verkauft werden würde, um den Schuldenberg des Konzerns abzutragen. Die Amerikaner haben für 2004 eine Vorkaufsoption.

Doch Colaninnos Engagement für die Turiner gilt in Italien mittlerweile als sicher. Für den neuen Job bringt er einen zusätzlichen Joker mit: Er hat gute Beziehungen zur Politik, vor allem zu Premierminister Silvio Berlusconi, der die Fiat-Krise mit größtem Interesse verfolgt.

Der milliardenschwere Colaninno stammt anders als die anderen Finanzjongleure des Landes weder aus aristokratischen noch aus steinreichen Verhältnissen, sondern hat sich hochgearbeitet. Er besitzt keinen Privatjet, ist nicht mondän und erzählt gern Witze. Sein Epi-Zentrum ist die Provinz, die 55 000-Einwohner-Stadt Mantua in Norditalien.

Seiner Heimat bleibt er weiter verbunden. Soeben hat er für 14,5 Millionen Euro einen Geschäfts- und Bürokomplex in Mantua gekauft. "Sein neues Hauptquartier, sein Trampolin für die Aktienmärkte", wie die Lokalzeitung kommentiert.

Vita T A Roberto Colaninno

Er wird am 16. August 1943 in Mantua/Norditalien geboren. Sein Vater ist Berufssoldat, seine Mutter Schneiderin. Er wird Buchhalter und Rechnungsprüfer und arbeitet bei einem Kfz-Zulieferer, studiert nebenbei Wirtschaft. 1980 gründet er seine erste eigene Firma. Ab 1996 der Aufstieg: Er wird Olivetti-Chef, saniert das Unternehmen und übernimmt 1999 die Telecom Italia, wo er bis Sommer 2001 bleibt.

Quelle: Handelsblatt

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