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25.01.2001

15:33 Uhr

Profis setzen auf moderates Aktienjahr

Wettrennen der Fonds

Der Jahrgang 2001 dürfte für Aktien ein besserer werden als der vergangene. Die erfolgreichsten Fondsmanager des Jahres 2000 erwarten, dass die Kurse am europäischen Aktienmarkt im Durchschnitt um zehn bis 15 Prozent klettern. Deutsche Aktien findet Dan Ison vom britischen Fondshaus Baring sogar überdurchschnittlich attraktiv. Die meisten Fondsprofis sehen eine Renaissance der Technologiewerte voraus.

pk/rez FRANKFURT "Die Aktien, die im vergangenen Jahr früh gefallen sind, dürften sich nun erholen", sagt Klaus Kaldemorgen, verantwortlich für internationale Aktienfonds bei der Deutsche-Bank- Tochter DWS. Kaldemorgen, dessen DWS Vermögensbildungsfonds I mit einem jährlichen Ertrag von 37,93 Prozent in den vergangenen drei Jahren die Riege der internationalen Aktienfonds anführt (Tabelle unten), kauft nun langsam wieder große Tech-Titel wie Microsoft, Intel und Halbleiterwerte - zum Teil über Nasdaq - und Dax-Futures. Wachstumsaktien dürften bald von einer sich bessernden Konjunkturentwicklung profitieren. Die Börse nehme typischerweise die Wirtschaftsentwicklung vorweg, meint er. Während die Kurse schon im Frühjahr einbrachen, revidieren die Ökonomen ihre Wachstumsschätzungen erst seit Herbst.

Für Bernd Vorbeck, Fondsmanager des Acatis Aktien Global UI von Universal Investment, hat das Jahr 2000 gezeigt, dass "Gewinne wieder zählen". Vorbeck, der im vergangenen Jahr mit 11,3 Prozent eine sehr gute Rendite im Vergleich zu anderen internationalen Aktienfonds erzielte, bleibt daher bei seiner Strategie, den Wert einzelner Titel nach dem Barwert künftiger Gewinne zu ermitteln. Er geht nach Kennzahlen vor: Für 2001 steuert er ein mittleres Kurs-Gewinn-Verhältnis im Fonds von 20 an. Und die ausgewählten Unternehmen sollen im Durchschnitt um 25 Prozent wachsen. Zum Fondsportfolio gehören sowohl schnell wachsende Firmen mit geringem Gewinn wie E- Trade als auch langsam wachsende mit hohem Gewinn wie Südzucker, Nucor oder Syngenta.

Hoher Anteil von US-Firmen

US-Firmen haben in beiden Fonds einen recht hohen Anteil: Erstens hätten viele globale Firmen ihren Sitz in den USA, meint Vorbeck. Zweitens könne man US-Unternehmen besser verfolgen als europäische und asiatische, weil sie besser über ihre Geschäfte berichteten.

Auch Dirk Ropers von der Dresdner Bank-Tochter - DIT hat einige Technologiesektoren wieder übergewichtet, allerdings bleibt er skeptisch gegenüber Halbleiteraktien. Ihm gefallen außerdem Finanzwerte. Zu teuer erscheinen ihm dagegen Nahrungsmittelhersteller wie Danone und Nestlé.

Klaus Breil, Senior Fund Manager bei der Anlagegesellschaft Adig, glaubt ebenfalls an gute Aussichten für global investierende Fonds in diesem Jahr. "Ankerpositionen" sind für ihn beim "Fondamerika" und "Fondis" unter anderem General Electric, Bombardier und Siemens. Außerdem setzt Adig auf Standardwerte aus dem Technologiesektor, darunter Intel, IBM und Microsoft.

Während die meisten Fondsmanager bei Technologieaktien ein Comeback erwarten, sind die Meinungen über zyklische Papiere gespalten. Hintergrund sind unterschiedliche Erwartungen darüber, wie stark sich die Konjunktur in den USA abkühlt und Europa davon betroffen sein wird.

Risikostreuung mit gemischten Fonds

Recht glimpflich kamen die Anleger davon, die auf gemischte Fonds setzten. Da diese Anlageklasse mit ihrem Renditemix aus Renten und Aktien die Idee der Risikostreuung idealtypisch ausfüllt, kamen die Investoren meist mit einem blauen Auge davon oder konnten sogar noch ein - in der Regel einstelliges - Plus verzeichnen. Einsamer Spitzenreiter war hier der MMWI-Defensiv-Fonds von Warburg Invest mit einer Jahresperformance von 62 Prozent.

Geschäftsführer und Fondsmanager Rudy Pomper hatte ein glückliches Händchen, da er nach dem ersten Quartal aus den bis dahin stark gewichteten Technologietiteln ausgestiegen war und in der Abschwächung auf Liquidität und Transaktionen mit Dax-Futures setzte. In diesem Jahr ist er aktuell mit 60 Prozent Aktien überwiegend in Euroland engagiert, zehn Prozent entfallen im Rentenanteil auf lang laufende Staatsanleihen und 30 Prozent auf Liquidität, wobei Dax-Futures wieder einen "beachtlichen Anteil an der Gesamtperformance" sichern sollten, erläutert Pomper. Innerhalb des Aktienanteils werde eine Beimischung von fünf bis zehn Prozent Neuer-Markt-Titel toleriert. Pomper ist sich der Risiken, die er damit eingeht, bewusst, aber: "Ohne dass man hier und da ins kalte Wasser springt, kann man keine Outperformance darstellen."

Auch Rentenfonds müssen keine spröde Anlagealternative sein. Im vergangenen Jahr liefen sie den bis dahin favorisierten Aktienprodukten den Rang ab. "Renten werden nicht durch die Bank glorreich abschneiden, aber wieder solide Erträge abliefern", sagt Rüdiger Brauel vom Management der Anlagegesellschaft Union Investment mit Blick auf 2001.

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