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28.03.2003

13:15 Uhr

Profit aus striktem Anti-Kriegs-Kurs

SPD macht Boden gut

Die SPD und Bundeskanzler Gerhard Schröder profitieren von ihrem strikten Nein zum Irak-Krieg. Nach 22 und 24 % im Februar und 27 % vor zwei Wochen sprachen sich laut Politbarometer in der ersten Kriegswoche 30 % der Wähler für die Sozialdemokraten aus. Das teilte das ZDF am Freitag mit.

HB/dpa BERLIN. Auf der Liste der zehn wichtigsten Politiker rückte Schröder von Platz sieben auf Platz vier vor. Eine breite Mehrheit (75 %) ist mit der Irak-Politik von Rot-Grün einverstanden. Auch mehr als die Hälfte - 57 % - der Unionsanhänger stimmen ihr zu.

Mit der Haltung der Union zum Irak-Krieg sind 68 % der Befragten nicht einverstanden - darunter sogar 49 % unionsnahe Wähler. Eine überwältigende Mehrheit der Menschen (84 %) ist weiterhin gegen den Krieg im Irak. Nur 13 % finden ihn richtig. 62 % glauben, dass der Militäreinsatz ein Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt. Nur sechs Prozent meinen das nicht.

Die Hauptschuld am Krieg sehen fast die Hälfte der Befragten (49 %) bei US-Präsident George W. Bush und den USA. 26 % nennen den Diktator Saddam Hussein und den Irak als Hauptschuldigen. 64 % der SPD-Anhänger sehen die USA als die Schuldigen an, von den unionsnahen Wählern sagen das nur 36 %. 69 % aller Befragten rechnen zwar mit einem militärischen Sieg der USA, aber nur 11 % glauben, dass es danach zu einer dauerhaften Befriedung der Region kommt.

Für die Unionsparteien sprachen sich laut Politbarometer jetzt 50 % der Wähler aus. Vor zwei Wochen waren es noch 54 %. Die Grünen und die FDP kommen auf fast unverändert elf beziehungsweise fünf Prozent, die PDS auf drei Prozent. Auf die Entscheidung an der Wahlurne hätte das aber weiterhin nur geringen Einfluss. So käme die SPD bei der so genannten "Sonntagsfrage", bei der längerfristige Bindungen an die jeweiligen Parteien berücksichtigt werden, auf 32 % (plus ein Punkt), die Union auf 47 % (minus ein Punkt). Grüne, FDP und PDS erreichen unverändert neun, fünf beziehungsweise vier Prozent.

Bei der Beurteilung der zehn wichtigsten Politiker erhalten alle Regierungspolitiker mit Ausnahme von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bessere Werte. Die Unionspolitiker schneiden hingegen schlechter ab als vor zwei Wochen. Schröder verbesserte sich auf der Skala von minus fünf bis plus fünf von minus 0,6 auf 0,1. Angeführt wird die Liste weiter von Außenminister Joschka Fischer (Grüne) mit 2,4 (2,1), gefolgt von Arbeitsminister Wolfgang Clement mit 0,8 (0,6) und Verteidigungsminister Peter Struck (beide SPD) mit 0,5 (0,1). Weit hinter Schröder (Platz vier) liegen CSU-Chef Edmund Stoiber auf Platz sechs und die CDU-Vorsitzende Angela Merkel auf Platz sieben. Schlusslicht bildet Gesundheitsministerin Schmidt mit einem Wert von unverändert minus 0,8.

Mehr als die Hälfte (56 %) der Befragten trauen Schröder laut Politbarometer weiterhin nicht zu, die von ihm angekündigten Reformen umzusetzen. Vor seiner Regierungserklärung Mitte März trauten es ihm allerdings noch 64 % nicht zu. Nach einer Umfrage des Möllner Meinungsforschungsinstituts Inra für die "Financial Times Deutschland" (Freitag) lehnt die Mehrheit der Befragten die Reformvorschläge Schröders ab. 69 % sind gegen die Pläne zur Reform der Krankenversicherung ab, 56 % sind unzufrieden mit den Ideen zum Arbeitsmarkt, 54 % mit den Plänen zur Rentenversicherung.

Für das Politbarometer befragte die Forschungsgruppe Wahlen in der Zeit vom 24. bis 27. März 1274 zufällig ausgesuchte Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz beträgt bei den großen Parteien 2,7 %punkte, bei den kleineren Parteien 1,4 Punkte. Inra befragte vom 19. bis 25. März rund 1000 Menschen.

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