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10.01.2002

19:00 Uhr

Provider geben Kostensenkungen nicht weiter

Höhere Internetpreise 2002 wahrscheinlich

VonThomas Nonnast

Zwar sind die Zugangspreise für die Internetnutzung im vergangenen Jahr um 19,1 % gesunken. Doch dieser Durchschnittswert läuft der tatsächlichen Preisentwicklung mehrere Monate hinterher.

HB FRANKFURT/M. "Seit rund vier Monaten verändern sich die Preise im Vergleich zum Vormonat kaum mehr nach unten", bestätigt ein Sprecher des Statistischen Bundesamtes. In der ersten Jahreshälfte 2001 war es dagegen noch zu massiven Preissenkungen gekommen. Damit soll nun Schluss sein: Keiner der großen Internetanbieter will die Kosteneinsparungen, die durch die seit 1.1.2000 geltenden niedrigeren Zuleitungstarife im Netz der Deutschen Telekom (EBC) entstehen, an die Kunden weitergeben.

Im Gegenteil: Bereits im Oktober hat der Internetanbieter Tiscali die Preise für die Call-By-Call-Internetnutzung in Deutschland um 12,5 % erhöht. "Kann die Regulierungsbehörde die neuen Zuleitungstarife dauerhaft durchsetzen, werden wir die Preise zunächst einmal stabil halten", sagt Tiscali-Deutschland - Chef Carl Mühlner. "Kommt es anders, müssen wir über weitere Preiserhöhungen nachdenken."

Auch bei AOL Deutschland will man Preiserhöhungen nicht ausschließen: "Wir gehen davon aus, dass es sehr schwierig ist, mit Internet-Bezahldiensten zusätzlichen Umsatz zu gewinnen", sagt ein Unternehmenssprecher. "Daher ist aus unserer Sicht davon auszugehen, dass die Marktentwicklung im Laufe des Jahres Preiserhöhungen der großen Anbieter erforderlich machen könnte."

Auch Branchenführer T-Online lässt sich bei der Preisgestaltung eine Hintertür offen: "Preismaßnahmen stehen bei uns momentan nicht auf der Agenda", so T-Online - Chef Thomas Holtrop. "In einem dynamischen Marktumfeld wie der Internetbranche kann man jedoch nie ausschließen, relativ kurzfristig auf Bewegungen des Marktes reagieren zu müssen."

Lediglich die Mobilcom-Tochter Freenet wird laut Vorstandschef Eckhard Spoerr "die Preise für die Endverbraucher nicht erhöhen". "Allerdings", so Spoerr weiter, "werden wir die Kosteneinsparungen aus den niedrigeren EBC-Zuleitungstarifen auch nicht an die Kunden weitergeben." Nach den notwendigen Investitionen in Netztechnik erwartet Freenet durch die neuen Tarife Kosteneinsparungen im zweistelligen Millionenbereich.

Mehreinnahmen aus dem Zugangsgeschäft mit den rund 27 Mill. deutschen Internnetnutzern könnte den rote Zahlen schreibenden Zugangsanbietern helfen, schneller den Sprung aus der Verlustzone zu schaffen. Denn der überwiegende Teil der Umsätze kommt aus dem Zugangsgeschäft. Anders als in den USA, wo Online-Dienste im Zugangsgeschäft profitabel arbeiten, da keine Leitungsgebühren im Ortsnetz anfallen, müssen die Internetanbieter in Deutschland neben den Kosten des Internet-Datennetzes auch für die Nutzung des Netzes der Deutschen Telekom bezahlen.

Durch den starken Wettbewerb der Anbieter waren die Preise für den Internetzugang in den vergangen drei Jahren drastisch gefallen.

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