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15.01.2002

12:00 Uhr

Prozess fortgesetzt

Wolf verlangte Beweise für Auftragsmord an seiner Frau

Der frühere Brandenburger Bauminister Jochen Wolf wollte von einem Killer Beweise für den Tod seiner Ehefrau. Das geht aus mitgeschnittenen Telefonaten zwischen dem ehemaligen Politiker und dem von ihm mit dem Mord Beauftragten hervor, die am Dienstag im Prozess gegen den 60-Jährige vor dem Landgericht Potsdam gehört wurden.

ap POTSADAM. In der Aufzeichnung vom 27.Juli 2001 hatte der mit den Ermittlern zusammenarbeitende Killer zuvor zum Schein erklärt: "Hör zu, ich habe Deine Frau erledigt."

Kurz darauf war Wolf am Berliner Bahnhof Zoo festgenommen worden. Wegen des Komplotts wird ihm zweifache versuchte Anstiftung zum Mord vorgeworfen. Er soll 1997 und im Jahr 2001 versucht haben, einen Killer auf seine Frau anzusetzen. Damit habe er finanziellen Forderungen aus der bevorstehenden Scheidung entgehen wollen, heißt es in der Anklage. Laut Staatsanwalt gestand er das Verbrechen bei der Polizei bereits. Wolf selbst verweigerte auch am zweiten Prozesstag die Aussage.

Der mit dem Mord Beauftragte Ralf M. hatte sich der Polizei offenbart, nachdem er wegen einer anderen Straftat verhaftet worden war. Danach hörten die Ermittler sechs Gespräche zwischen ihm und Wolf mit. Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass M. dem früheren SPD-Politiker am 23. Juli 2001 ankündigte: "In den nächsten Tagen schicke ich Deine Frau auf die Reise." Wolf erwiderte, er sei auf Dienstreise in der Ukraine.

Nach der Rückkehr des Angeklagten meldete der vermeintliche Killer am 27. Juli den Vollzug der Tat und verlangte das restliche Geld, nachdem er 10 000 Mark (rund 5100 Euro) der vereinbarten 15 000 Mark (rund 7700 Euro) bereits erhalten hatte. Beide verabredeten ein Treffen am Berliner Bahnhof Zoo. Dort wurde Wolf festgenommen. Ein Video dieses Polizeieinsatzes wurde am Dienstag ebenfalls vor Gericht angesehen.

Wolf gehörte zu den Mitbegründern der brandenburgischen SPD und war ab 1990 in der ersten Landesregierung Bauminister. 1993 musste er jedoch wegen eines Immobilienskandals zurücktreten. Bis zu seiner Festnahme war er im brandenburgischen Wirtschaftsministerium für Kontakte nach Osteuropa zuständig.

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