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04.02.2002

12:45 Uhr

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Psychologe: Karneval ist "kontrollierte Auflehnung"

Als "kontrollierte Auflehnung gegen weltliche und kirchliche Autoritäten" deutet der Mainzer Psychologe Prof. Peter Glanzmann das Karnevalstreiben. "Fastnacht ist eine Gelegenheit, seine Triebe auszuleben", sagte Glanzmann.

dpa MAINZ. Es sei kein Zufall, dass sich Karneval gerade in katholischen Gegenden entwickelt habe und dort bis heute zu Hause sei. "Der Katholik muss das ganze Jahr gut sein. Im Fasching ist dieses Gebot aufgehoben", erklärte der Psychologe, der selbst in einer Faschingskapelle Tuschs und Narhalla-Märsche spielt. "Da darf der Katholik mal die Sau rauslassen."

Neben der Auflehnung gegen die Regeln der Religion sei Karneval auch ein Protest gegen die politische Obrigkeit. In Mainz sei das Fest in der Zeit der französischen Besatzung geprägt worden. Aus dieser Zeit stamme bis heute die Vorliebe der Fastnachter für Uniformen. Damit seien die Herrscher parodiert worden - ein befreiender Akt für den Untergebenen.

Das Verkleiden begünstige die Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen. Die Maskierung erfülle dabei eine Schutzfunktion. "Wer über die Stränge schlagen will, tut das nicht als Herr Meier, sondern möglichst unerkannt." Der Verkleidete signalisiere mit seiner Maske: Ich bin das nicht selber, das ist ein anderer, der sich betrinkt oder sexuelle Abenteuer sucht.

Auch wenn er Karneval als Befreiung deutet, will Glanzmann Faschingsmuffeln keineswegs unterstellen, sie unterbänden ihre Triebe. Der Umkehrschluss gelte keineswegs: "Man kann seine Triebe auch in anderer Form und dosiert über das ganze Jahr ausleben."

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