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07.01.2003

08:39 Uhr

Psychologisches Fingerspitzengefühl der „Alten Hasen“ zahlt sich aus

"Opas" in der Finanzbranche gefragt

VonKathrin Quandt

Ältere Menschen setzen ihr Vertrauen lieber in lebens- und berufserfahrene Finanzberater. Alte Hasen jenseits der 55 sollen eine Ausbildung zum "Opa" (old people advisor) bekommen.

FRANKFURT/M. "Oft sind psychologische Fähigkeiten gefragt: Wir müssen den Senioren angesichts der vielen schlechten Börsennachrichten erst einmal ihre Zukunftsangst nehmen, um dann über Vermögensfragen reden zu können." Für Joachim Schwer, Geschäftsführer bei der Frankfurter Senioren Alte Hasen GmbH, -Finanzberatung brachten die ersten sechs Monate der Geschäftstätigkeit interessante Erkenntnisse. So haben die Banker im Ruhe- oder Vorruhestand, die ältere Menschen in Finanzfragen beraten, zwei Probleme unterschätzt: "Die Honorarberatung hat sich noch nicht so ganz durchgesetzt", sagt Schwer. Offenbar hätten viele Anleger hier zu Lande die Vorteile einer bankunabhängigen Beratung nicht erkannt.

Dazu kommt, dass die "Alten Hasen" langsamer wie geplant Berater rekrutieren. Nach Schwers Angaben erfüllten die wenigsten der vielen Bewerber die geforderten fachlichen und ethischen Kriterien; dazu zähle neben der Altersuntergrenze von 55 Jahren und der Mindest-Berufserfahrung von 20 Jahren auch "die Fähigkeit, zuzuhören". Statt der geplanten 25 Berater arbeiten die "Alten Hasen" bislang mit 15 Beratern und zwei Geschäftsführern. Es ist ihnen aber trotzdem gelungen, ein bundesweites Netzwerk aufzubauen, das von Hamburg bis Würzburg reicht.

Demnächst sollen die Berater eine Ausbildung zum "old people advisor" ("Opa") erhalten, bei der neben Fach- auch soziale Kompetenzen vermittelt werden. Dieses Gütesiegel werde in Zusammenarbeit mit einem Verband entworfen, erklärt Schwer.

Der ehemalige Commerzbank-Direktor ist überzeugt, dass das Geschäftsmodell Zukunft hat. Viele ältere Menschen seien unzufrieden damit, in Banken ständig neuen Beratern an Stelle einer Orientierungsperson gegenüberzusitzen. Und sie verständen oft die Fachsprache der Banker nicht. Die "Alten Hasen" stellten sich auf die Bedürfnisse der Senioren ein, übersetzten Finanzpläne anderer Institute und seien in Fragen zum betreuten Wohnen oder zur Erstellung eines Testaments geschult. Die Beratung koste im Durchschnitt 250 Euro pro Stunde. Schwer: "Wir bieten Vermögensstruktur- und Depotberatung, aber wir geben keine Einzeltipps." Einen Vermögensverwalter sparen Kunden also durch die Beratung der "Alten Hasen" nicht ein.

Auch Vermögensverwalter seien auf ältere Kunden eingestellt, kommentiert Lutz Gebser, Vorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. Diese Kunden hielten ja meist die großen Vermögen in ihren Händen. Die Hilfestellung der "Alten Hasen" gehe aber über die Bankberatung hinaus, betont er.

Quelle: Handelsblatt

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