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28.04.2003

08:19 Uhr

Puma bricht alle Rekorde

Analysten loben Sportartikelhersteller

Mit großen Augen stehen ganze Trauben von Teenies vor den Regalen der Münchener Footlocker-Filiale. Ziel der Begierde sind federleichte Schühchen der Marke Puma, das Paar für 99,90 Euro. Die Kunden kümmert es wenig, dass die Schönwettertreter außer dem unverzichtbaren Marken-Streifen an der Außenseite kaum noch etwas mit Sportschuhen gemein haben. Von Konsumflaute ist in dem Geschäft auf Münchens Einkaufsmeile an diesem normalen Werktag keine Spur.

Jochen Zeitz hat Puma auf Erfolg getrimmt. Foto: dpa

Jochen Zeitz hat Puma auf Erfolg getrimmt. Foto: dpa

mwb MÜNCHEN. Die Marke Puma ist angesagt - auch bei Analysten. Als Vorstandschef Jochen Zeitz vergangene Woche das beste Quartalsergebnis der Firmengeschichte verkündete und die Gewinnprognose von 30 % auf 50 % erhöhte, brach an der Börse ein wahres Kursfeuerwerk los. "Viel höher als die wildesten Erwartungen", jubelte Jörg Frey vom Bankhaus Oppenheim. Der Analyst empfiehlt die Aktie weiter dringend zum Kauf ("strong buy"), vor allem weil das Auftragspolster der Raubtiermarke um 58 % dicker geworden ist.

Jochen Zeitz hat Puma in den vergangenen drei Jahren konsequent auf den Trend zu mehr Mode und Lifestyle getrimmt. Dahinter steht die Erkenntnis der Marktforschung, dass 80 % der Sportschuhe nicht mehr beim Sport, sondern auf der Straße angezogen werden. Das eröffnet modischeren Farbkollektionen Erfolgschancen, auf die Puma schneller als jede andere Firma der Branche gesetzt hat. Und nach über zwei Jahren Wachstum kann Sport-Lifestyle langsam auch nicht mehr als Trend abgetan werden.

Der kleine Puma spurtet den drei Großen der Branche - Nike, Adidas und Reebok - derzeit davon. Das von der Hypo-Vereinsbank Anfang März ausgegebene Kursziel von 88 Euro hat Puma bereits übersprungen. Seit Januar hat die Aktie die Hälfte an Wert gewonnen und notiert bei 90 Euro . Fast alle Analysten empfehlen das Papier weiterhin zum Kauf. Morgan Stanley erhöhte das Kursziel am vergangenen Donnerstag sogar auf 100 Euro.

Auch der große Bruder Adidas-Salomon wird nach Meinung der Analysten am kommenden Mittwoch wohl mit positiven Zahlen aufwarten. In den beiden vergangenen Jahren war Adidas Sieger im Dax. Zwar schwimmt die Marke mit den drei Streifen nicht ganz so offensichtlich auf der Mode-Welle. Aber Adidas setzte 2002 in seiner Lifestyle-Sparte immer noch mehr um als Puma mit 910 Mill. Euro insgesamt. Im ersten Quartal 2003 hat Adidas-Salomon Gewinn und Umsatz nach Einschätzung von Analysten weiter gesteigert. Die Branchenkenner rechnen im Schnitt damit, dass der weltweit zweitgrößte Sportartikelhersteller seinen Überschuss in den ersten drei Monaten auf 52 (Vorjahr: 43) Mill. Euro steigern konnte. Der Umsatz legte demnach leicht auf 1,7 (1,63) Mrd. Euro zu.

Ein Sorgenkind dürfte nach dem vermutlich schwachen Ski-Geschäft des warmen Winters allerdings Salomon sein. Die Hypo-Vereinsbank hält das Kurspotenzial der Adidas-Aktie daher auch für ausgeschöpft und stufte die Aktie von "outperform" auf "neutral" zurück.

Die Analysten erhoffen sich am Mittwoch vor allem Aussagen zur Entwicklung auf dem schwierigen US-Markt, wo Marktführer Nike zuletzt mit Stagnation kämpfte. Der weltgrößte Sportschuhhersteller konnte den Umsatz in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres von Juni 2002 bis Ende Februar um 7 % auf 7,7 Mrd. Dollar steigern. Allerdings schwächelt der Gewinn, der sich auf 227,8 Mill. Dollar halbierte. Analysten sehen für die hoch bewertete Nike-Aktie derzeit nur wenig Potenzial nach oben.

Besser sieht es für Reebok aus: Die Nummer zwei in den USA hat nach überstandener Schwächeperiode im ersten Quartal 2003 auf dem Heimatmarkt ihren Gewinn auf 41 Mill. Dollar gesteigert. Der Umsatz stieg binnen Jahresfrist um 8,5 % auf 798 Mill. Dollar.

Insgesamt ist das Branchenumfeld aber positiv: Die Sportartikelbranche schafft derzeit das Kunststück, trotz Einzelhandelskrise und Irak-Krieg zu wachsen. Mit sportlicher Freizeitmode haben die großen Sportartikelhersteller sich ein neues Standbein zum klassischen Sportartikelgeschäft aufgebaut. In Krisenzeiten legen Menschen offensichtlich Wert darauf, sich sportlich, dynamisch und fit zu fühlen und das nach außen auch zu zeigen. Zudem erlebt die Outdoor-Branche eine Sonderkonjunktur, was das Wachstum auch kleinerer Hersteller wie Timberland, Schöffel, Meindl oder Deuter belegt.

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