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20.01.2003

07:48 Uhr

Quartalsergebnisse

Kommentar: Entzaubert

VonUlf Sommer

Wer darauf setzt, dass die Unternehmensergebnisse die Börsen zumindest für einen Moment aus ihrer Golfkriegs-Szenarien-Lethargie reißen, wird enttäuscht. Investoren ziehen aus den Quartalsberichten ein ebenso düsteres Fazit wie aus den Kriegsvorbereitungen.

Ulf Sommer

Ulf Sommer

Dass die Aktienkurse dabei nicht abstürzen, ist das eigentlich Bemerkenswerte. Doch Luft nach oben bleibt angesichts der Tristesse natürlich nicht.

Obwohl beinahe täglich eine Hand voll renommierter Firmen höhere Gewinne ausweist als erwartet, weicht die Hoffnung der Enttäuschung: Mit ihren Ausblicken signalisieren Microsoft, Intel und Co., dass sie keine Belebung erkennen. Viele Konzernchefs drosseln die Investitionen. Schlimmer noch: Immer mehr wissen nicht, wie sie in den nächsten Quartalen dastehen. Nicht einmal in den schlimmsten Monaten der Absturzjahre 2001 und 2002 haben so viele Firmen wie jetzt einen Ausblick verweigert.

Schuld daran ist nicht nur der drohende IrakKrieg, der Risikobereitschaft und Innovationen lähmt. Kaufzurückhaltung und sinkende Investitionen vor Augen, ist es schließlich nur folgerichtig, in dieser schwierigen Situation auf detaillierte Prognosen zu verzichten. Doch abseits der Politik bestehen die Ungleichgewichte in den Industrienationen fort. Maßlos übertriebene Investitionen in der Vergangenheit vor allem in der Technologiebranche führen zu Überkapazitäten und Preisdruck, was auf Kosten der Gewinne geht. Kaschiert wird das durch Kostensenkungen, die sich aber nicht ewig fortsetzen lassen.

Weil niemand weiß, wie lange die Schwierigkeiten noch dauern, reagiert die Börse so angstvoll. Erstens kennt kein Firmenboss die Entscheidung am Golf. Zweitens können Unternehmen wie beispielsweise die Chiphersteller Samsung, Intel oder Infineon nicht kalkulieren, ob der südkoreanische Konkurrent Hynix auch in Zukunft Milliarden-Subventionen erhält, um Chips unter dem Herstellungspreis zu verkaufen.

Die meisten Anleger haben aus der Misere Lehren gezogen und Aktien trotz guter Gewinnerwartungen verkauft. Deshalb erscheinen die Börsen billig. Das wären sie auch, wenn die optimistischen Prognosen zutreffen würden. Doch an Gewinnzuwächse von 30 Prozent und mehr glaubt an der Börse schon lange niemand mehr - hinter vorgehaltener Hand nicht einmal die optimistischen Analysten. Realistisch erscheinen eher zehn oder vielleicht sieben Prozent, wie es dem langjährigen Durchschnitt entspricht.

Müssen die Hoffnungen auf eine Trendwende tatsächlich begraben werden, wofür die Ausblicke sprechen, dann sind Aktien nicht billig. Doch der Risikoabschlag wegen des fehlenden Vertrauens in die Gewinnentwicklung ist so hoch, dass selbst ein Mini- Wachstum keinen Kursrutsch auslösen wird. Dieser droht aus einer ganz anderen Richtung: wenn Investoren sich unabhängig von den Firmenerträgen frustriert von der Börse abwenden. Darauf weist selbst nach dem trüben Start im Jahr vier nach drei Horror-Jahren nichts hin. In Deutschland gibt es sogar mehr Anleger als ein Jahr zuvor. Doch irgendwann will jeder Aktionär sein Geld vermehren.

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