Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.01.2003

08:22 Uhr

Quotenrutsch für RTL am letzten Tag

Satt ist man beim DSV nicht

VonBenedikt Voigt (Handelsblatt)

Der Deutsche Skiverband war bei der Vierschanzentournee nur mit dem Abschneiden von Sven Hannawald und Georg Späth zufrieden.

Sven Hannawald ist die unumstrittene Nummer Eins im DSV-Team. Foto: dpa

Sven Hannawald ist die unumstrittene Nummer Eins im DSV-Team. Foto: dpa

BISCHOFSHOFEN. Während sich die Aufmerksamkeit bei der abschließenden Pressekonferenz der Vierschanzentournee noch auf den Österreicher Andreas Kofler richtete, widmete sich Sven Hannawald seiner Ernährung. Mal nippte der Skispringer auf dem Podium an einer blauen Wasserflasche, mal kratzte er hingebungsvoll auch den letzten Krümel von einem Pappteller, auf dem zuvor ein Kuchen Platz gefunden hatte. Als Hannawald schließlich über seine körperliche Verfassung Auskunft geben sollte, antwortete er: "Der erste Hunger ist gestillt."

Das gilt auch für die Abteilung Skispringen im Deutschen Skiverband (DSV). Die 51. Vierschanzentournee hat den ersten Hunger nach Erfolgen gestillt, satt aber machte sie niemanden. Der zweite Platz von Sven Hannawald hinter Janne Ahonen täuscht darüber hinweg, dass sich alle anderen deutschen Skispringer in dieser Saison schwer tun. "Die Zielsetzung unserer Mannschaft wurde nicht erfüllt", sagte Bundestrainer Reinhard Heß, "wir haben es nicht geschafft, zwei weitere Athleten unter den ersten 15 zu platzieren." Neben Hannawald rutschte nur Georg Späth mit Rang 14 in jene Zone des Gesamtklassements, die den Bundestrainer glücklich macht. "Der Späthi hat gezeigt, dass er absolut dazugehört", sagte Heß.

Folglich gehört Martin Schmitt momentan nicht dazu. Das wird auch die Meldeliste für das Weltcupspringen am kommenden Wochenende in Liberec, Tschechien, demonstrieren. Schmitt wird dort nicht starten, sondern stattdessen ein zweiwöchiges Aufbautraining absolvieren. Schmitt erreichte im Gesamtklassement nur Platz 20, er war im Sommer lange verletzt.

"Wir sind das Risiko bewusst eingegangen, ihn zu bringen", sagte Heß, "aber es ist nicht aufgegangen". Bis zur Nordischen Ski-WM in Val di Fiemme soll er wieder zu Spitzenleistungen fähig sein. Zwei Medaillen gibt Reinhard Heß als Ziel für die WM vor: Eine mit der Mannschaft und eine in den beiden Einzelspringen. Gold in der Mannschaft dürfte bei der WM jedoch nur schwer gelingen, zu deutlich dominierte das österreichische Team bislang diesen Winter. Unter den besten zehn Springern der Vierschanzentournee befinden sich fünf Österreicher. Ohnehin ist manches anders als im vergangenen Jahr. Mannschaftsolympiasieger Stephan Hocke sprang bei der Tournee so schwach, dass er sie vorzeitig beenden musste. Michael Uhrmann belegte insgesamt Platz 18. "Ein Formknick", kommentierte Heß.

Auch mit dem Skiweltverband Fis war Heß nicht zufrieden. "Was in der Athletenzone für fremde Leute rumgelaufen sind, war für die Springer nicht förderlich." Er dürfte die RTL-Mitarbeiter gemeint haben, die in diesem Jahr selbst in Holzhütten und Container filmten, in denen sich die Springer vorbereiteten. Schon vor der Tournee hatte Heß zugegeben, dass ihm der neue Medienrummel nicht liegt.

Trotz dieses Rummels verpasste RTL den Quoten-Rekord vom Vorjahr. 7,96 Millionen Zuschauer sahen das letzte Springen der Tournee, 2002 waren es noch 13,39 Millionen - allerdings damals an einem Sonntag. Und "da schauen immer mehr zu", sagt RTL-Informationsdirektor Hans Mahr. Daher bemüht er sich um mehr Springen an Sonn- und Feiertagen. Ansonsten waren die Quoten gut: Das Springen in Oberstdorf sahen 8,78 Millionen TV-Zuschauer (Vorjahr 8,11), in Garmisch-Patenkirchen 10,46 (9,4) und in Innsbruck 8,55 (6,8).

Doch finanziell lohnt es sich nicht. RTL macht auch in dieser Saison mit dem Gesamtpaket Skisport ein Minus. "Auf Grund des schwierigen Werbemarktes hat sich das nicht geändert", bestätigte Mahr.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×