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31.01.2003

08:36 Uhr

Rabattpolitik wird ausgeweitet

Rosige Zeiten für Autokäufer

Mit einer Flut neuer Modelle buhlen die Autokonzerne um die Gunst der deutschen Käufer. Doch die Kundschaft zögert, der Markt stagniert. Der Kampf um Marktanteile wird also härter. Geführt wird er mit sinkenden Preisen, steigenden Rabatten, günstigen Finanzierungen und billigen Ausstattungspaketen.

hof/hz FRANKFURT/M. Die Autokonzerne müssen sich im laufenden Jahr auf verschärften Rabattwettbewerb einstellen. Mit reduzierten Preisen, günstigen Finanzierungsangeboten oder Prämien versuchen immer mehr Hersteller, die ausbleibende Kundschaft in die Autohäuser zu locken. Denn eine Erholung auf dem deutschen Markt ist weiter nicht in Sicht.

"Auch der Januar hat keinen Sturm auf die Schauräume der Autohändler ausgelöst", sagt Bernd Gottschalk, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Im Gegenteil, der Besucherstrom sei deutlich abgeebbt. Nach Rückgängen bei den Neuzulassungen seit der Jahrtausendwende rechnet der VDA in diesem Jahr mit einer Stagnation bei 3,25 Mill. Fahrzeugen. Den Herstellern bleibt nur der Versuch, die kaufunwillige Kundschaft mit attraktiven Sonderangeboten zu locken: "Der Kunde ist derzeit nicht nur König, sondern Kaiser", sagte Gottschalk.

Ein Ende der Preisschlacht, die sich auf dem deutschen Automarkt schon gegen Ende des vergangenen Jahres verschärft hat, ist nicht abzusehen. Nach einer Umfrage der Fachzeitschrift Auto Motor Sport hat sich die Zahl der Unternehmen, die 2003 auf Kaufanreize setzen, gegenüber dem Vorjahr vervierfacht. Die Palette reicht von Listenpreissenkungen über kostenlose Ausstattungspakete und Null-Zins-Finanzierungen bis zu überhöhten Preisen für den Gebrauchten. Das wichtigste sei, dass die Maßnahmen nur vorübergehend seien, heißt es beim VDA.

Genau darauf hatte die Branche allerdings auch in den USA gehofft, als nach den Anschlägen des 11. September die ersten Incentive-Pakete geschnürt wurden. Doch seither ist es keinem der großen Konzerne gelungen, die Spirale der Vergünstigungen beim Autokauf deutlich zurückzudrehen. So lange die Kaufunlust der Kunden anhält, besteht dazu auch in Deutschland keine Chance. Und der Käuferstreik könnte sich nach Meinung des VDA sogar noch ausweiten: Zur konjunkturellen Schwäche sowie zu den Steuer- und Abgabenerhöhungen käme nun noch die Verunsicherung durch den Irak-Konflikt hinzu.

Lars Ziehn, Autoanalyst bei der Deutschen Bank, nennt es aus Sicht der Hersteller einen "bösen Cocktail", Preisnachlässe bei einem stagnierenden Markt geben zu müssen. Generell könne man sagen, dass ein Prozent Preisrabatt den Gewinn aus drei Prozent Umsatzanstieg wieder zunichte mache, so der Autoanalyst. Ziehn erwartet darum, dass der Ertragsdruck 2003 steigt. Deshalb werde VW in diesem Jahr wegen der vergleichsweise älteren Modellpalette deutlich stärker unter der Rabattschlacht leiden als etwa die französischen Konkurrenten Renault und PSA.

Die Zahl der Hersteller, die mit Rabatten und Gebrauchtwagen-Eintauschprämien werben, wächst von Monat zu Monat. Der angeschlagene Autobauer Fiat wirbt mit einem zinslosen Kredit über vier Jahre, Opel vergibt großzügige Steuergutschriften auf Benzin und Volkswagen lockt mit kostenloser Mehrausstattung. Europas drittgrößter Autobauer Ford und die Volkswagentochter Seat gingen sogar einen Schritt weiter und senkten die Listenpreise für einige Modelle. "Die nächsten sechs Monate sind eine gute Zeit für Schnäppchen", prognostizierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

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