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22.01.2001

14:50 Uhr

Radioaktive Munition soll Krebserkrankungen begünstigen

EU-Außenminister beraten über Uran-Munition

Außenminister Fischer fordert "volle Aufklärung der Fakten". Vor allem seien dabei die Militärs und die Nato gefragt.

dpa/Reuters BRÜSSEL. In der Debatte um mögliche Gesundheitsgefahren durch Uran-Munition hat Bundesaußenminister Joschka Fischer eine "volle Aufklärung der Fakten" verlangt. Dabei seien aber vor allem die Militärs und die Nato gefordert, wohl weniger der EU- Außenministerrat, sagte Fischer am Montag in Brüssel am Rande des Treffens mit seinen EU-Amtskollegen.

Zur Informationspolitik der USA bei diesem Streitthema sagte Fischer: "Ich habe da keine neue Bewertung vorzunehmen." Sein Kabinettskollege, Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, habe die USA nicht gerügt. Scharping komme hingegen seiner Aufklärungspflicht nach. Von einer deutsch-amerikanischen Verstimmung könne keine Rede sein, sagte Fischer. Scharping hatte am Wochenende der amerikanischen Seite mangelhafte Informationspolitik vorgeworfen.

EU-Außenminister beraten in Brüssel über Uran-Munition

Die Außenminister der Europäischen Union (EU) sind am Montag in Brüssel zu Beratungen über die von der Nato in den Balkan-Kriegen eingesetzte Uran-Munition zusammengekommen. Unter den 19 Nato-Staaten ist eine heftige Kontroverse um den Einsatz von mit abgereichertem Uran bestückter Munition entbrannt, die für Krebserkrankungen von Nato-Soldaten verantwortlich gemacht wird. Bundesaußenminister Joschka Fischer sagte, zwar sei das Thema vorrangig Sache der Nato, der Verteidigungsminister und der Uno. Doch wollten die Außenminister erörtern, wie die EU "ergänzend tätig" werden könne.

Am Donnerstag hatte die Nato die mögliche Verunreinigung der Munition mit Spuren des radioaktiven Uran 236 und Plutonium eingeräumt, zugleich aber erklärt, dies stelle kein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. Die Uran-Munition wird von den Streitkräften der USA, Großbritanniens und Frankreichs verwendet. Forderungen Deutschlands und Italiens, den Gebrauch der Munition vorläufig auszusetzen, hatten die drei Länder in der Nato abgelehnt. Im Bosnien-Krieg 1994 und 1995 sowie im Kosovo-Krieg 1999 waren etwa 40 000 der Uran-Geschosse abgefeuert worden.

Fischer trifft US-Regierung voraussichtlich im Februar

Fischer sagte, es gebe wegen der Munition aber keine Verstimmungen mit den USA. Er hoffe auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung. Deutschland verdanke den USA "sehr, sehr viel". Auf dieser Grundlage wolle er mit der neuen US-Regierung unter Präsident George W. Bush zusammenarbeiten. Ein erstes Treffen mit US-Vertretern werde es voraussichtlich im Februar geben. Neben der Uran-Kontroverse stand bei den EU-Außenministern auch die politische Lage in Jugoslawien nach den Parlamentswahlen in der Teilrepublik Serbien auf der Tagesordnung. Die Wahl hatte das reformorientierte Parteienbündnis DOS mit seinem Spitzenkandidaten Zoran Djindjic klar gewonnen.

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