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06.03.2004

17:56 Uhr

Rangnicks Ultimatum ist abgelaufen

Werder Bremens Verfolger punkten

Bayern München und der VfB Stuttgart bleiben Bundesliga-Tabellenführer Werder Bremen auf den Fersen. Hannovers Trainer Ralf Rangnick muss nach dem 23. Spieltag mit seinem Rauswurf rechnen.

HB BERLIN. Die Verfolger von Bundesliga-Spitzenreiter Werder Bremen haben sich am 23. Spieltag keine Blöße gegeben. Fußball-Meister Bayern München erkämpfte sich beim 3:0 bei Bayer Leverkusen am Samstag drei Punkte und weist nunmehr 48 Zähler auf. Der VfB Stuttgart war mit 2:0 bei Borussia Dortmund erfolgreich und erhöhte sein Punktekonto auf 43.

Auf seine Kündigung muss sich Hannovers Trainer Ralf Rangnick gefasst machen. Nach der 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach gilt das Ultimatum von 96-Präsident Martin Kind als abgelaufen. Während Hannover auf Tabellenplatz 15 abrutschte, entrannen die Mönchengladbacher der Abstiegszone.

Dortmund wurde derweil in der Tabelle von Revier-Rivale Schalke 04 überflügelt. Ein 3:0-Heimsieg über den SC Freiburg beförderte die Gelsenkirchner auf Platz sechs vor die Borussia. Der lange Zeit erfolglose Ebbe Sand war für zwei der drei Treffer verantwortlich.

Auch Hansa Rostock gelang ein Heimsieg im Nordderby gegen den Hamburger SV (3:0). Die Rostocker kletterten nach dem Erfolg auf Tabellenrang acht. Abstiegskandidat Hertha BSC konnte sich beim 1:1 gegen den VfL Bochum nicht recht über den einen Punkt freuen. Denn die Berliner fielen wieder zurück auf den 17. Platz. Daran hatte auch der 1. FC Kaiserslautern seinen Anteil. Der 1:0-Sieg über Eintracht Frankfurt (in der Nachspielzeit durch Stefan Malz) ließ die Pfälzer auf Platz 14 klettern und Frankfurt auf den 16. Platz stürzen.

Borussia Mönchengladbach - Hannover 96 1:0 (1:0)

Kurz vor dem Anpfiff täuschte der unter Druck geratene 96-Trainer Ralf Rangnick noch Gelassenheit vor. «Ich konzentriere mich nur auf die Arbeit. Diese Situation ist in Hannover nicht neu für mich», sagte der Coach, dem Hannovers Klubchef Martin Kind nach zwei Niederlagen zuletzt ein Ultimatum gesetzt hatte. Das Spiel in Gladbach müsse gewonnen werden oder Rangnick werde gekündigt. Gladbachs Trainer Holger Fach hatte derweil andere Sorgen. Er bot Claus Reitmaier gut eine Woche vor seinem 40. Geburtstag im Tor auf, denn der Schweizer Nationalkeeper Jörg Stiel hatte in den letzten beiden Partien schlecht gehalten. Sein Schützling Igor Demo war es dann auch, der das einzige und für Rangnicks Zukunft wohl entscheidende Tor erzielte: in der 25. Minute per Kopf.

FC Schalke 04 - SC Freiburg 3:0 (1:0)

Weil Frank Rost verletzt ist, gab Volkan Ünlü sein Bundesliga-Debüt im Schalker Tor. Mehr zu tun als der erst 20-Jährige hatte aber dessen Gegenüber Richard Golz. Bis zur 43. Minute ließ er sich nichts zu Schulden kommen, dann erst konnte der Freiburger den Kopfballtreffer zum 1:0 durch Ebbe Sand nicht verhindern. Nach der Pause erzielte Sand sein drittes Saisontor nach Doppelpass mit Jörg Böhme (52.). Der Österreicher Edi Glieder erhöhte zehn Minuten darauf auf 3:0.

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 0:2 (0:1)

Es dauerte keine fünf Minuten, da sorgte Stuttgarts Alexander Hleb nach Vorarbeit von Cacau für die 1:0-Führung der Schwaben. In der Folgezeit bemühte sich Dortmund redlich, den Ausgleich vor eigenem Publikum zu erzielen. Aber Torwart Guilaume Warmuz foulte einen Stuttgarter Spieler. Den folgenden Elfmeter verwandelte Horst Heldt zum 2:0. Den erst zweiten Sieg in den letzten 13 Pflichtspielen mussten die Stuttgarter danach nur noch sichern.

Bayer Leverkusen - Bayern München 1:3 (0:1)

Roy Makaay unterstrich seine Konstanz als Torjäger, als er in der 39. Minute, nachdem er bis dahin kaum aufgefallen war, zur Bayern-Führung einköpfte. Die «Bogenlampe» konnte Leverkusens Torwart Jörg Butt aufgrund ihrer Flugbahn nicht halten. Seinen zweiten Treffer erzielte der Niederländer in 79. Minute - ebenfalls per Kopf. Zwischenzeitlich hatten sich die Gäste über das 2:0 durch Michael Ballack gefreut. Der Mittelfeldregisseur hatte von der Strafraumgrenze aus abgezogen. Erst danach wachten die Leverkusener auf und drängten auf den Anschluss. Aber Bernd Schneiders Treffer zum 1:3 (90.) kam zu spät.

Hansa Rostock - Hamburger SV 3:0 (2:0)

Rene Rydlewicz setzte bereits in der fünften Minute Gabriel Melkam in Szene, der HSV-Keeper Martin Pieckenhagen beim 1:0 keine Chance ließ. Keine Viertelstunde später erhöhte Magnus Arvidsson nach einem Konter der Rostocker auf 2:0 (19.). Hamburgs Tomas Ujfalusi machte dabei als Gegenspieler des Schweden keine gute Figur. Hamburg hatte den Rostockern auch im zweiten Durchgang kaum etwas entgegen zu setzen. Antonio di Salvo nutzte die Schwächen der HSV-Abwehr eiskalt aus und besorgte Treffer Nummer drei.

Kaiserslautern - Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0)

Mehr als 90 Minuten mussten die Fans des 1. FC Kaiserslautern warten. Dann erst erzielte Stefan Malz das 1:0 für die Hausherren. Bis dahin hatte Miroslav Klose, der vor wenigen Tagen seinen Wechsel zu Werder Bremen perfekt gemacht hatte, den Pfälzern nicht weiterhelfen können. Und auch Eintracht Frankfurt hatte die letzte Konsequenz vermissen lassen. Malz' Treffer war für den 1. FCK Gold wert. Denn während seine Mannschaft aus der Abstiegszone hinauskletterte, rutschten die Frankfurter hinein.

Hertha BSC - VfL Bochum 1:1 (1:0)

Bochum lief in Berlin mit einem Notsturm auf, da Vahid Hashemian mit gebrochener Nase nicht spielen konnte und Sunday Oliseh wegen des Nasenbruchs suspendiert worden war. Berlins Marcelinho kehrte derweil endgültig zu alter Form zurück. Nach Kopfballvorlage von Fredi Bobic gewann der Brasilianer das Duell mit Raymond Kalla und brachte die Hertha in der 20. Minute in Front.

Ein Freistoßtor von Marcelinho in der 22. Minute gab der Schiedsrichter nicht, weil Andreas Neuendorf in der Mauer geschoben hatte. Diese vergebene Chacne sollte sich in der 57. Minute rächen, als Bochums Frank Fahrenhorst den Ausgleich erzielte und sich Berlin wieder in der Abstiegsregion wiederfand.

1860 München - Werder Bremen

Auch auf 1860 München lastet großer Druck. Das 3:1 in Köln am letzten Wochenende war ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Denn nur fünf Zähler trennen die «Löwen» weiterhin von einem Abstiegsplatz. Die große Frage wird sein, wer Bremens Ailton ausschalten soll. Marco Kurz und Rodrigo Costa spielten zuletzt, nun wird aber wohl auch Fernando Santos (Knochenödem) wieder dabei sein können. Zudem hat auch Torben Hoffmann seine Grippe auskuriert. Würden Ferando und Costa auf den Brasilianer angesetzt, wäre für Kurz kein Platz mehr. Trainer Falko Götz ist also gefordert, eine gute Lösung zu finden.

In Bremen weiß man nur zu gut, dass mit einer Niederlage gegen die 60er der Abstand zu Bayern München (deren Sieg gegen Leverkusen vorausgesetzt) auf vier Punkte schmelzen würde. Dass der Transfer von Klose unter Dach und Fach ist, sollte bei den Hanseaten für Ruhe gesorgt haben. So gut wie ausgeschlossen ist der Einsatz des türkischen Fußball-Nationalspielers Ümit Davala, der zur Behandlung seiner schmerzhaften Leistenbeschwerden in Zürich weilte. Dem Rechtsverteidiger droht sogar eine längere Zwangspause. Davala spielte schon seit mehreren Wochen nur mit Schmerzmitteln.

VfL Wolfsburg - 1. FC Köln (beide Sonntag, 17.30 Uhr)

Die Wolfsburger sind gegen den Tabellenletzten auf den neunten Heimsieg aus. Mitte der Woche sprach auch noch vieles dafür. Denn die Kölner gaben bis Donnerstag neuerlich das Bild eines Karnevals-Vereins ab. Dann aber stand plötzlich fest: Weltmeister Wolfgang Overath greift nun doch aktiv in die Arbeit beim 1. FC Köln ein. Der 60-Jährige fungiert ab sofort als «Partner des Präsidiums» und wird dieses in «allen Belangen beraten». Nach Beendigung der Präsidentschaft von Albert Caspers wäre für Overath sogar der Präsidentenposten möglich.

Ob das die FC-Spieler auch sportlich motiviert, wird sich in Wolfsburg zeigen. Die Gerüchte jedenfalls, dass FC-Trainer Marcel Koller das Training zu hart gestalte und die Hierarchie in der Mannschaft längst zerbröckelt sei, sind damit nicht erledigt. Während die Kölner auf Cullmann und Sichone (beide fünfte Gelbe Karte) verzichten müssen, wäre bei den Wolfsburgern Fernando Baiano nach seinem Kapseleinriss im Sprunggelenk und vierwöchiger Pause wieder einsatzbereit.

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