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02.05.2003

07:55 Uhr

Rating-Agentur Moody’s stellt bessere Ratings für Pfandbriefe in Aussicht

Hoffnungen auf Hausse am Pfandbriefmarkt sind verfrüht

VonAndrea Cünnen

Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Sommer. Zwar hat die Rating-Agentur Moody?s Investoren und den entsprechenden Emittenten Hoffnungen auf bessere Ratings für Pfandbriefe gemacht, doch das löst nicht das Grundproblem: Die einzelnen Emittenten dieser Papiere werden von jeder Rating-Agentur anders bewertet.

FRANKFURT/M. Moody?s beispielsweise koppelt seine Bonitätsnote für Pfandbriefe eng an die des jeweiligen Emittenten. Bislang können öffentliche Pfandbriefe, die mit Kreditforderungen an den Staat besichert sind, laut Moody?s ein maximal vier Stufen besseres Rating haben als die emittierende Bank selbst. Bei mit Hypotheken gedeckten Pfandbriefen darf der Abstand drei Stufen betragen.

Standard & Poor?s (S&P) und Fitch legen dagegen vor allem Wert auf die Qualität der Kreditforderungen, die den Pfandbriefen zu Grunde liegen, den so genannten Deckungsstock. Deshalb haben Pfandbriefe bei S&P durchweg die Bestnote AAA - obwohl die Bonität einiger Banken, die diese Papiere ausgeben, jüngst herabgestuft wurde.

Bei Fitch gibt es für Pfandbriefe im schlechtesten Falle die Note AA+. Moody?s aber bewertet zum Beispiel die Hypothekenpfandbriefe der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) mit A1 - vier Noten schlechter als S&P. Solch krasse Unterschiede sind bei den Bewertungen von Staats- oder Unternehmensanleihen nahezu undenkbar.

Diese Diskrepanz belastet den Markt für Pfandbriefe, seit sich die Ratings für die Hypothekenbanken gravierend verschlechtert haben. Ihren guten Ruf als einheitlicher Markt mit den besten Bonitätsnoten haben diese Papiere verloren.

Jetzt will Moody?s die Koppelung von Emittenten- und Pfandbriefrating lockern. Öffentliche Pfandbriefe sollen danach als niedrigste Note "Aa2" und Hypothekenpfandbriefe die eine Stufe schlechtere Note "Aa3" bekommen. Davon könnten neben der AHBR auch die HVB Real Estate und die West Hyp profitieren. Dennoch wird es nach dem derzeitigen Stand immer noch Bonitätsunterschiede von bis zu drei Stufen zwischen Pfandbrief und Emittent geben.

Hintergrund der geänderten Einschätzung von Moody?s ist eine neue Verordnung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese wird festlegen, wie die zeit- oder barwertige Deckung bei Pfandbriefen genau zu berechnen ist. Weil das BaFin dabei hohe Stresstests fordert, wird es automatisch eine gesetzlich vorgeschriebene Überdeckung der Pfandbriefe gegen mögliche Zinsänderungen geben. Mit anderen Worten: ein zusätzlicher Sicherheitspuffer.

Die Hypothekenbanken sind zuversichtlich, dass sie die Anforderungen des BaFin erfüllen werden. Denn de facto haben die meisten Pfandbriefe schon jetzt eine Überdeckung. Moody?s bewertetet diese aber bislang jedoch als "zufällig".

Bis die Agentur ihre Ratings ändert, wird es aber noch dauern, denn die Verordnung wird erst in zwei Monaten erwartet. Und dann will Moody?s zunächst einmal abwarten, wie die Hypobanken die Änderungen umsetzen.

Bei so vielen offenen Fragen ist es kein Wunder, dass die Pfandbriefe auf die jüngste Entwicklung kaum reagiert haben. Nach den Turbulenzen um die Ratingherabstufungen im vergangenen Jahr haben sich die Pfandbriefe ohnehin schon wieder etwas erholt. Die Risikoaufschläge gegenüber Bundesanleihen sanken entsprechend. Kurzfristig sehen Analysten deshalb nur noch wenig Potenzial für Pfandbriefe.

Auch wenn die erwartete Verordnung des BaFin die Sicherheit der Pfandbriefe laut Moody?s stärken wird, müssen die Hypothekenbanken noch ihre Ratings verbessern. Erst dann wird der Pfandbrief-Markt wieder uneingeschränkt als Qualitätssegment gelten.

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