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18.01.2002

11:40 Uhr

Reaktion "auf die neuesten terroristischen Angriffe"

Israel übt Vergeltung für Anschlag in Hadera

Israel hat am Freitag mit einem Angriff auf ein Hauptquartier palästinensischer Sicherheitskräfte Vergeltung für einen palästinensischen Anschlag auf eine Festgesellschaft in Nordisrael geübt.

Reuters JERUSALEM. Bei dem Angriff israelischer F-16 Kampfflugzeuge in Tulkarem im Westjordanland seien mindestens ein Mensch getötet und 40 weitere verletzt worden, verlautete aus palästinensischen Krankenhauskreisen. Am Donnerstagabend hatte ein palästinensischer Attentäter sechs Gäste einer Familienfeier in Hadera erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Zu dem Anschlag bekannte sich die Brigade der El-Aksa-Märtyrer. Die USA, Deutschland und die EU verurteilten das Attentat.

Der israelische Rundfunk berichtete, in der Nähe des Hauptquartiers von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah im Westjordanland seien israelische Einheiten zusammengezogen worden. Acht gepanzerte Fahrzeuge, darunter auch Panzer, seien bis auf 30 Meter an Arafats Amtssitz herangerückt, berichteten Augenzeugen. Die israelische Armee bestätigte dies zunächst nicht. Den Angriff in Tulkarm bezeichnete ein Militärsprecher als Reaktion "auf die neuesten terroristischen Angriffe". Nach dem Anschlag am Donnerstag hatte Israel bereits angekündigt, der Palästinenser-Regierung "eine Lektion zu erteilen, die sie nicht vergessen wird".

Sieben Tote, 33 Verletzte

Bei dem Attentat wurden nach Polizeiangaben auch mindestens 33 Menschen verletzt. Der Attentäter stürmte Augenzeugen zufolge mit einem Sturmgewehr in den dicht besetzten Festsaal und schoss auf die Gäste der Geburtstagfeier einer Zwölfjährigen. "Ein Terrorist in dunkler Kleidung kam von der Straße...nach einer Minute rannte er in die Halle und begann auf die sitzenden Menschen zu schießen, nicht auf die, die auf der Tanzfläche tanzten", sagte ein Augenzeuge dem israelischen Fernsehsender Channel Two. "Mehrere junge Männer, die ihn gesehen hatten, rannten auf ihn zu und bewarfen ihn mit Dosen und Flaschen ... dann kam ein Polizist und schoss ihm fünf Mal in den Kopf." Der Vater des Mädchens, deren Geburtstag gefeiert wurde, sagte, sein Vater, Bruder und sein Cousin seien getroffen worden.

In einer Erklärung der Brigade der EL-Aksa-Märtyrer, einer Militärorganisation von Arafats Fatah-Bewegung, hieß es, mit dem Attentat werde der Mord an Brigaden-Chef Raed El Karmi gerächt. Am Montag war El Karmi bei einer Explosion getötet worden. Die Palästinenser machen Israel für den Tod verantwortlich. Die Brigade kündigte weitere Attentate an.

US-Außenminister Colin Powell verurteilte in Neu-Delhi den Anschlag als sinnlose Gewalt, die unschuldige Menschen töte und niemandem nutze. Der stellvertretende US-Außenamtssprecher Philip Reeker sagte in Waashington, Arafat müsse als Chef der Palästinenser-Regierung, der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der Fatah unverzüglich gegen die Verantwortlichen für diese Tat vorgehen. Die Fatah ist die stärkste Gruppe in der PLO.

Kritik an Arafat

Auch Bundesaußenminister Joschka Fischer forderte Arafat auf, "mit aller Entschiedenheit gegen die Täter vorzugehen". Arafat müsse seine Bemühungen verstärken, weitere Gewalttaten zu verhindern, teilte Fischer mit.

Der außenpolitische Koordinator der Europäischen Union (EU), Javier Solana im "ARD-Morgenmagazin", die EU könne derartige kriminelle Handlungen nicht akzeptieren. Dennoch halte er eine Umsetzung des Mitchell-Friedensplanes für keine Utopie. Die internationalen Vermittlungsbemühungen müssten fortgesetzt werden, damit die Konfliktparteien zurück an den Verhandlungstisch gebracht würden. Der nach dem US-Senator George Mitchell benannte Plan sieht vor, dass über eine Waffenruhe und vertrauensbildende Maßnahmen neue Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern ermöglicht werden.

Arafat hatte vor rund einem Monat nach einer Reihe von palästinensischen Selbstmord-Anschlägen unter internationalem Druck eine Waffenruhe verkündet. Der Anschlag in Hadera folgte einer Reihe von Überfällen in der vergangenen Woche, mit der eine drei Wochen dauernde Phase relativer Ruhe zu Ende ging. In dem seit 15 Monaten andauernden Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung starben mehr als 1000 Menschen, die meisten von ihnen Palästinenser.

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