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18.01.2002

13:42 Uhr

Reaktionen auf Anschlag in Israel

Panzer schließen Ring um Jassir Arafat

Wenige Stunden nach einem neuen blutigen Anschlag palästinensischer Extremisten hat Israel den militärischen Druck auf die Palästinenser massiv verstärkt. Kampfflugzeuge zerstörten den Sitz der palästinensischen Autonomieverwaltung in der Stadt Talkarem im Westjordanland.

ap JERUSALEM. Außerdem schlossen israelische Panzer am Freitag einen engen Ring um Ramallah, wo der palästinensische Präsident Jassir Arafat am Verlassen der Stadt gehindert wird.

Die Woche der Gewalt im Nahen Osten begann mit einem Mordanschlag auf den Anführer der palästinensischen Al-Aksa-Brigade, Raid Karmi. Eine Serie von Racheakten kulminierte am Donnerstagabend mit dem Anschlag eines Selbstmordattentäters auf eine Familienfeier in der israelischen Stadt Hadera. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 30 verletzt. Zu dem Anschlag bekannte sich in einem Anruf bei der Nachrichtenagentur AP die Al-Aksa-Brigade, die der Fatah-Organisation Arafats nahe steht.

Im Unterschied zu früheren Anschlägen erfolgte die militärische Reaktion Israels sehr schnell. Bei dem Raketenangriff in Tulkarem kam ein palästinensischer Polizist ums Leben, etwa 20 wurden verletzt. Das zweigeschossige Gebäude wurde völlig zerstört. In Ramallah rückten Panzer vor und näherten sich dem Sitz Arafats auf etwa 50 Meter. Insgesamt bezogen etwa 20 Panzer Stellung an verschiedenen Plätzen in Ramallah. Israelische Soldaten besetzten das Haus des palästinensischen Geheimdienstchefs für das Westjordanland, Taufik Tirawi, und bezogen Stellung auf dem Dach. Tirawi selbst hatte das Haus zuvor verlassen.

Der palästinensische Attentäter in der nordisraelischen Stadt Hadera kam durch den Haupteingang und feuerte mit einem Sturmgewehr auf die Festgesellschaft, wie Augenzeugen berichteten. Einige griffen den Mann mit Stühlen an oder bewarfen ihn mit Flaschen. Schließlich wurde er von Polizisten erschossen. In einer Erklärung der Al-Aksa-Brigade hieß es, der Mann namens Abed Hassuna aus einem Dorf bei Nablus habe mit der Tat den Tod von Raid Karmi rächen wollen. Karmi war am Montag bei der Explosion eines Sprengsatzes ums Leben gekommen. Die Al-Aksa-Brigade machte Israel für Karmis Tod verantwortlich.

Der außenpolitische EU-Beauftragte Javier Solana verurteilte den Anschlag «in schärfster Form». Erneut sei die israelische Zivilbevölkerung von einem terroristischen Anschlag getroffen worden, erklärte Solana in Brüssel. Die Gewalt untergrabe die Bemühungen, aus der Krise herauszufinden. Solana forderte Arafat auf, alles zu unternehmen, um terroristische Akte zu verhindern. Die Eskalation der Gewalt veranlasste den US-Vermittler Anthony Zinni, seine für diese Woche geplante Rückkehr in die Krisenregion zu verschieben. Die diplomatischen Bemühungen sollten den Waffenstillstand festigen, der am 16. Dezember vergangenen Jahres von Arafat ausgerufen worden war.

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