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05.06.2000

11:15 Uhr

ap WELLINGTON Im Südsee-Staat der Salomoninseln haben Putschisten den Ministerpräsidenten unter Hausarrest gestellt und Straßensperren in der Hauptstadt Honiara errichtet. Das meldete das neuseeländische Außenministerium in Wellington am Montag unter Berufung auf seine diplomatische Vertretung in Honiara, der Hauptstadt der Salomonen.

Der Staatsstreich folgt offenbar dem Beispiel des Coups auf den Fidschi-Inseln, wo sieben Geiselnehmer sich seit dem 19. Mai im Parlament mit der inzwischen abgesetzten Regierung des indischstämmigen Ministerpräsidenten Mahendra Chaudhry als Geiseln verschanzt haben.

Die übrige Regierung der Salomonen blieb offenbar an der Macht und wollte bei einem Treffen über das Schicksal von Ministerpräsident Bartholemew Ulufa'alu diskutieren, der in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angeboten hatte, wie die Behörden erklärten. Rebellensprecher Andrew Nori sagte einem Radiosender, sechs seiner Männer hätten den Ministerpräsidenten gefangen genommen und seinen Rücktritt gefordert. Berichte, auch andere Regierungsmitglieder seien als Geiseln genommen worden, seien nicht richtig, erklärte der Sprecher des neuseeländischen Außenministeriums, Brad Tattersfield.

Nori sagte, die Rebellen hätten Honiara eingenommen, um den Friedensprozess zu beschleunigen und den Ausbruch von Gewalt zwischen den ethnischen Gruppen zu verhindern. Das australische Außenministerium erklärte, die Rebellen hätten in der Nacht Polizeistationen und Kommunikationseinrichtungen in Honiara überrannt.

Der neuseeländische Außenminister Phil Goff verurteilte den Putschversuch. "Ulufa'alu wurde durch einen legitimen und demokratischen Prozess zum Ministerpräsidenten und solle sein Amt nur auf dieselbe Art verlieren", erklärte er in einer Stellungnahme. Die Rebellen riskierten mit ihrem Putschversuch eine Ausweitung der Gewalt, die in einem Bürgerkrieg enden könne.

Nori traf sich am Montag mit australischen und neuseeländischen Diplomaten. Auf den Salomon-Inseln ist es in den vergangenen 18 Monaten zu einer bewaffneten Konfrontation zwischen den Milizen der Freiheitsbewegung Isatabu und der Malaita Adler-Streitmacht gekommen ist. Ulufa'alu ist nach neuseeländischen Informationen von der Malaita-Miliz als Geisel genommen worden. Die Freiheitsbewegung Isatabu will von der Hauptinsel Guadalcanal Tausende von Einwanderern von der Nachbarinsel Malaita vertreiben. Die Malaita Adler-Streitmacht widersetzt sich dem.

Honiara liegt auf der Insel Guadalcanal. Bisher wurden in dem Konflikt 50 Menschen getötet und 20.000 aus ihren Häusern vertrieben. In der vergangenen Woche wurden Friedensgespräche zwischen den Milizen unmittelbar vor ihren vereinbarten Beginn abgesagt. Das australische Außenministerium bekräftigte seine Warnung vor Reisen in den Südsee-Staat.

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