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10.04.2003

09:00 Uhr

Rechte für Übertragung im Internet erworben - Verhandlungen über Spielfilme

T-Online zeigt Bundesliga

VonThomas Nonnast (Handelsblatt)

T-Online hat die Rechte für Online-Videozusammenfassungen der Bundesliga-Spiele erworben und baut damit das Angebot an Bezahlinhalten aus. Parallel laufen Verhandlungen mit Hollywoodstudios für Kinofilme.

FRANKFURT/M. Der größte europäische Internetanbieter, die T-Online International AG, steigt in die Bundesligaberichterstattung ein. T-Online Vorstand Burkhard Graßmann bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass der Onlinedienst entsprechende Verwertungsrechte von der Schweizer Sportrechtefirma Infront (früher KirchSport) gekauft hat.

Branchenkreisen zufolge hat T-Online für die Verwertungsrechte für den Rest dieser sowie der kommenden Saison bis Sommer 2004 einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag bezahlt. An Infront ist neben dem früheren Adidas-Direktor Robert Louis-Dreyfus auch Ex-Fußballstar Günter Netzer beteiligt. Infront besitzt auch die Verwertungsrechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Bereits ab kommendem Samstag wird die Internettochter der Deutschen Telekom kostenpflichtige Zusammenfassungen aller Bundesligaspiele als "Video on demand" anbieten. Die Abrechnung des so genannten "Paid Content" (siehe Fachwort) erfolgt für die rund 10 Millionen deutschen Kunden von T-Online über die Telefonrechnung. Für eine dreiminütige Zusammenfassung eines Bundesligaspiels wird T-Online nach eigenen Angaben 50 Eurocent verlangen, ein 5-Minuten-Bericht über einen gesamten Spieltag soll zum Preis von 1,50 Euro angeboten werden.

Der bei T-Online für Marketing und Inhalte verantwortliche Graßmann betonte, dass T-Online durch den Abschluss "der einzige Anbieter von Bewegtbildern der Fußball-Bundesliga im Internet" werde. Allerdings seien die Verträge nicht exklusiv. Über die erwartete Zahl der Nutzer wollte sich Graßmann dagegen nicht äußern. Technologisch ist die Internet-Plattform der Deutschen Telekom und von T-Online dafür gerüstet, dass mehrere hunderttausend Nutzer zeitgleich zugreifen könnten. Bisherige Erfahrungen mit kostenpflichtigen Inhalten im Internet legen jedoch die Vermutung nahe, dass die Kundenzahlen weitaus niedriger ausfallen werden. Im vergangen Jahr setzte T-Online mit Bezahlinhalten 17 Mill. Euro um. Doch rechnet T-Online-Chef Thomas Holtrop künftig mit einem "signifikanten Anstieg" dieser Umsätze.

Grundsätzlich ist das Angebot mit allen Arten von Internetanschlüssen erreichbar, auf Grund der großen Datenmengen richtet es sich jedoch vornehmlich an DSL-Nutzer. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft will T-Online auch ein neues Internetportal auf den Fernsehschirm bringen. Ein entsprechendes Gerät des Computerbauers Fujitsu-Siemens mit DSL-Anschluss wurde auf der Cebit vorgestellt. Auch für dieses Portal mit dem sperrigen Arbeitstitel "T-Online-Vision on TV" werden die Bundelsligarechte eine wichtige Rolle spielen.

Darüber hinaus will die Telekom - Tochter über das TV-Portal auch kostenpflichtig Spielfilme zum Herunterladen anbieten. Ein bisher ungelöstes Problem sind dabei die Filmrechte, die für die meisten der attraktiven Kino-Kassenschlager bei den Vermarktungsgesellschaften der großen Hollywoodstudios wie Warner, MGM, Disney und Universal liegen. "Wir verhandeln derzeit mit allen großen Studios in den USA, um ein passendes Geschäftsmodell für den Internetmarkt zu entwickeln", sagt Grassmann. "Wir sind äußerst zuversichtlich, dass wir im Rahmen dieser Verhandlungen bis zum Start der Internet-TV-Plattform genügend attraktive Filme für Video on demand anbieten können", sagte Grassmann weiter. Bisher sei allerdings noch kein Vertrag abgeschlossen.

Obwohl die Umsätze mit Bezahlinhalten verglichen mit den Einnahmen aus dem Geschäft mit Internetzugängen noch verschwinden gering ausfallen, setzt die Branche große Hoffnungen auf kostenpflichtige Inhalte. Anfang April starte AOL Deutschland einen Musik-Channel, von dem sich Internetnutzer kostenpflichtig Titel herunterladen und auf CD brennen können. Der Download-Service soll nach und nach das Repertoire aller großen Plattenfirmen umfassen. AOL-Kunden haben auch die Möglichkeit sich aus den angebotenen Titeln gegen Bezahlung eine Individuelle CD brennen zu lassen. Allerdings ist der illegale Tausch von Musikdateien im Internet noch immer weit verbreitet.

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