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25.05.2000

16:26 Uhr

osl MÜNCHEN. Die richtige Ware zur rechten Zeit in der richtigen Menge am rechten Ort - das verspricht die SAF Simulation, Analysis and Forcasting AG, ansässig im schweizerischen Tägerwilen bei Konstanz. Die SAF schafft das mit einer wissenschaftlichen Prognosetechnik.

Stand der Technik heutzutage ist ein mehr oder weniger automatisierter Warennachschub auf der Basis der Verkaufsdaten, die an den Ladenkassen erfasst werden. Die SAF ergänzt das mit einer Vorhersage, die den zu erwartenden Bedarf in 16 Wochen errechnet und dann wöchentlich justiert. Dazu sind tausende von Berechnungen notwendig, bei denen sowohl exogene Variablen wie Feiertage, Ferien und Wetter als auch Erfahrungswerte, geplante Aktionen oder Produkteinführungen berücksichtigt werden. Das System findet auch die ärgerlichen Präsenzlücken, die beim einfachen Verarbeiten der Kassendaten gar nicht auffallen; denn was nicht im Regel ist, wird auch nicht verkauft und an keiner Kasse registriert. Vor allem aber werden die Lieferanten und Hersteller mit der Prognose auf den kommenden Bedarf aufmerksam, können also Fertigung und Nachschub rechtzeitig disponieren.

Das SAF-System ist "lernfähig", es verbessert sich selbst von Prognose zu Prognose. Andreas von Beringe, Gründer und Chef der SAF: "Wir optimieren die betriebswirtschaftlichen Prozesse mit wissenschaftlichen Methoden." Diese steuert Gerhard Arminger, Professor für angewandte Statistik an der Universität Wuppertal, bei.

Die SAF setzt ihre Prognosetechnik für den Nachschub in Einzelhandelsläden (Superstore) und für die Optimierung der Bestellmengen (Superorder) sowie demnächst bei der Planung des Lagernachschubs (SuperWarehouse) und für den Strombedarf (SuperPower) ein. Erste praktische Erfahrungen in rund 700 Filialen (darunter der dm-drogeriemarkt) zeigen, dass damit die Umsätze anziehen und die Kunden zufriedener werden. Oster- oder Ferienartikel sind rechtzeitig in der richtigen Menge im Laden. Außerdem werden Regale, Lager und Transportkapazitäten besser genutzt. Die Planung wird zuverlässiger, die Organisationsabläufe werden standardisiert.

Inzwischen haben auch die Metro-Gruppe, ein Baumarkt, eine Parfümeriekette und jetzt auch der Energieversorger EnBW Interesse bekundet. "Mit der Liberalisierung des Strommarktes wird die Sache für die Energieversorger interessant", sagt Beringe, "denn sie können kräftig an Durchleitungsgebühren sparen, wenn sie rechtzeitig genau wissen, wieviel Kilowatt ihre Kunden wann brauchen."

Die SAF wurde 1992 gegründet und beschäftigt heute 20 Mitarbeiter. Beim Aufbau halfen die Venture-Capital-Gesellschaften Innotech, Karlsruhe, und Wellington Finanz, München, mit zusammen 4 Mill. DM sowie inzwischen auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit 1,5 Mill. Euro.

Im laufenden Jahr will die SAF an die 2 Mill. DM umsetzen, für 2000 sind 7 Mill. DM und für 2001 rund 20 Mill. DM Umsatz und schwarze Zahlen geplant. Dann, so Beringe, wird es auch Zeit, um an den Neuen Markt zu gehen.

Der Markt ist vielversprechend, denn nach einer Studie von Fauser, Leger & Morlock gehen 74 % alle im Handel geplanten Investitionen in Richtung Bestelloptimierung.





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