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06.01.2003

09:45 Uhr

Rede zum Tag der Armee

Saddam: Irak ist auf Krieg vorbereitet

Iraks Präsident Saddam Hussein hat Kriegsdrohungen der USA am Montag als "Geschrei, Lärm und Hysterie" abgetan. "Wir sind hier auf alles vorbereitet", sagte Saddam in einer Fernsehansprache zum Tag der Armee. Die Arbeit der Waffeninspektoren der Vereinten Nationen kritisierte Saddam als "reine Spionagetätigkeit".

Reuters BAGDAD. Der britische Außenminister Jack Straw bekräftigte, ein Krieg gegen Irak sei alles andere als eine beschlossene Sache und unwahrscheinlicher als viele glaubten. Mit Blick auf eine Nachkriegsordnung in Irak beanspruchte die Türkei ein Mitspracherecht über die Ölfelder im angrenzenden Nordirak.

Die Irak-Krise bewegte am Montag weiter die Weltmärkte. Gold stieg kurzfristig auf den höchsten Stand seit sechs Jahren, der Ölpreis hielt sich in der Nähe seines Zwei-Jahres-Hochs. Der Dollar geriet weiter unter Druck.

"Zischen von Schlangen und Bellen von Hunden"



In seiner Fernsehansprache bezeichnete Saddam die Drohung der USA, Irak mit Gewalt zu entwaffnen, als "das Zischen von Schlangen und das Bellen von Hunden". Die USA werfen Irak den Besitz von Massenvernichtungswaffen vor und haben gedroht, das Land gewaltsam zu entwaffnen, wenn Irak den UNO-Abrüstungsforderungen nicht nachkommt. Derzeit kontrollieren Waffeninspektoren der Vereinten Nationen in Irak, ob das Land Massenvernichtungswaffen besitzt oder zu entwickeln versucht. Iraks Regierung hat dies verneint.

"Statt nach so genannten Massenvernichtungswaffen zu suchen, um die Lügen der Lügner zu entlarven (...) haben die Inspektionsteams Interesse daran gewonnen, Listen irakischer Wissenschaftler aufzustellen, (sie) stellen Arbeitern Fragen, die nicht das sind, was sie zu sein scheinen, und sammeln Informationen über Militärlager und legitime Rüstungsproduktion", sagte Saddam.

Der britische Außenminister Straw sagte zu Berichten, wonach ein nicht namentlich genannter britischer Minister die Wahrscheinlichkeit als 60:40 gegen einen Krieg eingestuft hatte: "Das ist eine ziemlich zutreffende Einschätzung, aber die Situation ändert sich von Tag zu Tag." Ein Krieg sei nicht unausweichlich, bekräftigte Straw im Rundfunk der BBC. "Es wurde in den Zeitungen so viel vom Krieg geredet, Vermutungen, dass die Kriegswahrscheinlichkeit bei 100 % liege, dass es wichtig ist den Versuch zu machen, diesen Eindruck zu korrigieren."

Türkei: Öl soll allen Irakern dienen

Mit Blick auf eine irakische Nachkriegsordnung sagte der türkische Außenminister Yasar Yakis, historische Verträge und ethnische Bindungen gäben der Türkei ein Mitspracherecht über nordirakische Ölfelder. Sein Land habe nicht die Absicht, die Ölfelder für sich zu beanspruchen, Yakis der Tageszeitung "Hürriyet" (Montagausgabe). Das Öl solle von einer irakischen Zentralverwaltung zum Wohle aller Iraker eingesetzt werden.

Die Türkei prüfe zudem, ob sich aus Verträgen aus den 20er Jahren nach dem Untergang des Osmanischen Reichs auch ein rechtlicher Anspruch auf die Ölfelder in der Nähe der nordirakischen Städte Mosul und Kirkuk ableiten lasse. "Wenn wir tatsächlich Rechte haben ... müssen wir das der internationalen Gemeinschaft und unseren Partnern erläutern und diese Rechte sichern", sagte Yakis der Zeitung. Irak verfügt nach Saudi Arabien über die zweitgrößten Ölreserven der Welt.

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