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06.04.2003

14:08 Uhr

Reform gefordert

Kritik an Bahnpreissystem will nicht verstummen

Der Streit um das Preissystem und den Umgang der Bahn mit ihren Kritikern gewinnt an Schärfe. "Die Bahn muss aufhören, ihre Kunden zu beschimpfen. Mit Rundumschlägen gewinnt man keinen einzigen Fahrgast zurück", sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, dem "Tagesspiegel am Sonntag".

HB/dpa BERLIN. Die Bahn solle akzeptieren, dass die Kunden an den Fahrkartenschaltern über das neue Preissystem abgestimmt hätten, und nun die Konsequenzen daraus ziehen. "Mit der Wiedereinführung einer Bahncard mit 50 % Rabatt würde man viele Kunden zurückgewinnen", sagte Schmidt.

Der Verkehrsforscher Gerd Aberle von Universität Gießen sagte, "so lange die momentane Anti-Stimmung anhält und die Kunden die Tarife nicht akzeptieren, wird das System erfolglos bleiben." Bahnfahren müsse vor allem einfacher werden.

Vor einem Treffen von Verbraucherverbänden zum umstrittenen Preissystem der Bahn am kommenden Freitag hat der Verkehrsclub Deutschland schnelle Nachbesserungen gefordert. "Es ist an der Bahn, jetzt zu handeln", sagte Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) der "Berliner Zeitung" (Samstag). Damit könne man nicht ein Jahr warten, wie es Bahnchef Hartmut Mehdorn wünsche.

Das von der Parlamentarischen Staatssekretärin Margareta Wolf (Grüne) organisierte Treffen soll Konzepte für "realistische kurzfristige Veränderungen des Preissystems zu entwickeln". Sie werde versuchen, zwischen den Kritikern und der Bahn zu moderieren, sagte sie der "Welt am Sonntag" (WamS).

Nach Berichten der "WamS" und der "Berliner Zeitung" ist die Bahn bereit sein, die BahnCard mit 25 % Rabatt künftig bundesweit in allen deutschen Nahverkehrsverbunden gelten zu lassen. Diese Forderung vieler Kunden werde jetzt auch von Bahnchef Hartmut Mehdorn akzeptiert, sagte Wolf.

Die unerfreuliche Lage der Bahn war nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) am vergangenen Montag auch Gegenstand eines Treffens von Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD). Nicht einmal jeder zehnte Fahrgast im Fernverkehr nutze bislang die Frühbucher-Rabatte. Außerdem würden weniger BahnCards als früher verkauft, das bedeute, die Zahl der Stammkunden drohe zu sinken, schrieb die Zeitung.

Hauptkritikpunkt am Preissystem sind die geringeren Rabatte mit der neuen Bahncard sowie die hohen Stornogebühren. Die Bahn ist in den ersten Monaten angesichts gesunkener Fahrgastzahlen weit unter ihren Planungen für den Fernverkehr geblieben. Sie führt die Rückgänge jedoch nicht auf das Preissystem zurück.

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