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28.06.2000

12:26 Uhr

Reformen auf den Arbeitsmärkten kommen nicht voran

Studie: Deutschland in der Beschäftigungspolitik nur auf Rang 15

Die Bundesrepublik zählt durch Reformstau bei der Steuerpolitik und der Neuordnung der Sozialversicherungssysteme nur noch zur "zweiten Liga" der Industrienationen.

dpa GÜTERSLOH. Trotz leichter Entspannung auf dem Arbeitsmarkt belegt Deutschland in der Beschäftigungspolitik unter den 21 wichtigsten Industrienationen nur Rang 15. Das ist das Ergebnis einer internationalen Analyse, die von der Bertelsmann-Stiftung am Mittwoch in Gütersloh vorgestellt wurde. Deutschland habe den vergleichsweise größten Positionsverlust unter den untersuchten Ländern erlitten, sagten die Projektleiter Ulrich van Suntum und Martin Kröger am Stammsitz der Bertelsmann AG.

In der Beschäftigungspolitik sei die Bundesrepublik, die zu Beginn der neunziger Jahre noch zu den erfolgreichen Ländern gezählt habe, nur noch "zweite Liga", hieß es. Anders als in anderen Staaten seien in Deutschland die notwendigen Reformen auf den Arbeitsmärkten, in der Steuerpolitik und der Neuordnung der Sozialversicherungssysteme noch nicht vorangekommen, hieß es zur Begründung. Die leichte Belebung auf dem Arbeitsmarkt sei überwiegend konjunkturell bedingt.

Sechs der sieben letzten Plätze werden laut Stiftung von Ländern der Europäischen Währungsunion belegt. An der Spitze des Beschäftigungs-Rankings lägen unverändert Japan, die Schweiz und Norwegen, das obere Mittelfeld bildeten die Niederlande mit dem größten Sprung nach vorn, die USA, Österreich, Neuseeland, Portugal, Australien und Großbritannien. Zum unteren Mittelfeld gehörten neben Deutschland auch Dänemark, das deutlich verbesserte Irland, Kanada und Schweden. Auf den hinteren Plätzen rangieren den Angaben zufolge Belgien, Frankreich, Italien und Finnland vor den abgeschlagenen Ländern Griechenland und Spanien.

Als Hauptprobleme für die Entwicklung in Deutschland bezeichneten die beiden Projektleiter die hohe Langzeitarbeitslosigkeit und den schwächsten mittelfristigen Beschäftigungszuwachs im Vergleich aller untersuchten Länder. In den beiden vergangenen Jahren sei die Zahl der Erwerbstätigen nur um 0,4 und 0,2 % gestiegen. Die Niederlande hätten dagegen Werte von drei und 2,5 % erreicht. Auch die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik sei mit 9,1 % immer noch die sechsthöchste aller Industrienationen. Zudem hielten sich die Unternehmen mit Investitionen zurück.

Die Bertelsmann-Stiftung, eine gemeinnützige Einrichtung des Medienkonzerns Bertelsmann AG, veröffentlichte ihr Beschäftigungs- Ranking schon zum vierten Mal. Es wird alle zwei Jahre wiederholt.

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