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25.01.2002

10:30 Uhr

Regenpause brachte Hamburger aus dem Konzept

Haas verpasst das Finale in Melbourne

Tennisprofi Thomas Haas hat das erste Grand-Slam-Endspiel seiner Karriere erneut verpasst. Der 23 Jahre alte Hamburger verlor am Freitag das Halbfinale der Australian Open 7:6 (7:5), 6:7 (4:7), 6:3, 0:6, 2:6 gegen den Russen Marat Safin.

Thomas Haas am Boden: Erneut verpasste der Deutsche den ersten Einzug in ein Grand-Slam-Finale. Foto: ap

Thomas Haas am Boden: Erneut verpasste der Deutsche den ersten Einzug in ein Grand-Slam-Finale. Foto: ap

dpa MELBOURNE. Ein hochsommerlicher Regenschauer wurde für Thomas Haas zur kalten Dusche und spülte alle Hoffnungen auf das erste Grand-Slam-Endspiel weg. Nach einer einstündigen Zwangspause zu Beginn des vierten Satzes verlor der Hamburger im Australian-Open- Halbfinale völlig seinen Rhythmus und das Match gegen den Russen Marat Safin mit 7:6 (7:5), 6:7 (4:7), 6:3, 0:6, 2:6.

Der US-Open-Sieger von 2000 spielt damit in der Nacht zum Sonntag gegen den schwedischen Außenseiter Thomas Johansson um seinen zweiten Grand-Slam-Titel. Für Haas erwies sich einmal mehr ein Russe als Spielverderber. 1999 war der 23-Jährige bei seinem ersten Halbfinale in Melbourne an Jewgeni Kafelnikow gescheitert, der ihn 2000 auch im Olympia-Finale von Sydney bezwang. Das Preisgeld von umgerechnet knapp 150 000 Euro war nur ein schwacher Trost für die erneute Enttäuschung.

Haas und Safin boten ein Match mit zwei Gesichtern. Über drei Sätze sahen 15 000 Zuschauer eine äußerst enge Partie, die zunächst unter der Hitze von 35 Grad litt, nach 2:45 Stunden aber wegen eines heftigen Regengusses unterbrochen werden musste. Als es weiterging, verlor Haas beim Stand von 0:1 und inzwischen geschlossenem Dach in der Rod-Laver-Arena prompt seinen Aufschlag und den vierten Satz in nur 18 Minuten. Auch im entscheidenden Durchgang war die Nummer elf der Weltrangliste der Bessere und legte mit einem Break zum 3:1 die Basis zum zweiten Erfolg über Haas im vierten Aufeinandertreffen. Die deutsche Nummer eins verpasste zuvor eine Breakmöglichkeit zum 2:1 gegen den immer stärker auftrumpfenden Favoriten.

Der am Sonntag 22 Jahre alt werdende Moskauer konnte zuvor lange nicht an seine zeitweilige Glanzleistung aus dem Achtelfinale gegen Pete Sampras anknüpfen. Haas zeigte nur wenige Schwächeperioden, wurde dafür jedoch mehrmals bestraft. Während er gegen Rios drei Mal Aufschlagverluste aufholen konnte, gab er in den ersten beiden Durchgängen gegen Safin jeweils einen Vorsprung aus der Hand.

Vor allem eine Szene im zweiten Satz erregte die Gemüter. Nachdem der schwächelnde Safin auf 2:3 verkürzen konnte, ließ er sich am Oberschenkel behandeln, obwohl er nicht unbedingt verletzt wirkte. Haas verlor bei Vogelgezwitscher in der Rod-Laver-Arena danach seinen Aufschlag und schimpfte "Du Sch...drecksvogel!" Im Tiebreak gab er eine 3:0-Führung noch ab, verpasste die mögliche Entscheidung und damit letztlich die große Chance, als erster Deutscher nach Boris Becker 1996 wieder ein Australian-Open-Finale zu erreichen.

Doch es gab noch keinen Bruch im Spiel des Weltranglistenneunten. Beim Stand von 2:2 erarbeitete sich Safin nach bis dahin dem besten Ballwechsel des Spiels eine Breakchance. Haas wehrte sie am Netz mit einem Hecht-Volley in Boris-Becker-Manier ab, ging danach 4:2 in Führung und holte sich den dritten Satz. Erst als er aus der Kabine zurückkam, wendete sich das Blatt. Haas fand nicht mehr die Kraft, wie gegen Todd Martin und Roger Federer das Spiel noch zu wenden. Nach über dreieinhalb Stunden Spielzeit produzierte er bei Safins erstem Matchball einen Doppelfehler.

Martina Hingis hat ihren ersten Titel dagegen bereits sicher. Die Schweizerin gewann gemeinsam mit der Russin Anna Kurnikowa die Doppel-Konkurrenz. Das Duo siegte im Finale 6:2, 6:7 (4:7), 6:1 über Daniela Hantuchova aus der Slowakei und die Spanierin Arantxa Sanchez Vicario. Für Martina Hingis war es bereits der vierte Doppel-Titel bei den Australian Open und der zweite gemeinsame mit Anna Kurnikowa nach 1999. Im Einzelfinale trifft die ehemalige Nummer eins in der Nacht zum Samstag wie im Vorjahr auf Titelverteidigerin Jennifer Capriati aus den USA.

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