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02.01.2002

19:00 Uhr

Regierung befürwortet die Euro-Einführung

Skeptische Briten

Der Euro löst in Großbritannien keine Euphorie aus. Zwar deutet die Regierung bereits an, eine Mitgliedschaft in der Euro-Zone sei unausweichlich.

fs LONDON. Doch noch immer ist die Zahl der Gegner groß: "The Sun" etwa, die größte Boulevard-Zeitung des Landes, begrüßte die neue Währung mit der markigen Überschrift: "Dawn of a new rror", was so viel heißt wie: "Der Anfang eines großen Fehlers".

Die Zeitung trifft damit die Stimmung im Lande: Erst im November ermittelte das britische Institut Barclays Capital in einer Umfrage, dass derzeit 60 % der Wähler gegen den Euro stimmen würden. Fast die Hälfte der Gegner, nämlich 44 %, werde sich auf keinen Fall überzeugen lassen. Eigentlich ist also auch nach dem 1. Januar auf der Insel alles beim Alten.

Dabei ist die europäische Währung längst angekommen. Schon jetzt werden 15 % der Käufe und Verkäufe von Firmen in Großbritannien in Euro verbucht. 65 000 Unternehmen besitzen ein Konto in Euro. Britische Banken haben zwischen 250 und 300 Mill. Pfund (gut 400 Mill. Euro) ausgegeben, um den Transfer zwischen Euro und Pfund zu ermöglichen. Den öffentlichen Sektor hat die Anpassung seiner Systeme insgesamt 13 Mill. Pfund gekostet. Und das britische Finanzministerium investierte 9,9 Mill. Pfund, um die Bürger über die neue Währung zu informieren. Auch die Einzelhändler haben sich in ihr Schicksal gefügt: Einer von drei führenden britischen Einzelhändlern wird in seinen Geschäften Euro-Münzen und-Scheine akzeptieren. Als Detail am Rande nahm eine interessierte Öffentlichkeit zur Kenntnis, dass sich unter den Befürwortern auch die Elektronik-Kette Dixons sowie die Pub-Kette TD Wetherspoon befanden. Deren Chairmen sind bis in den Dezember hinein als eloquente Gegner der Gemeinschaftswährung aufgetreten.

Die Regierung macht keinen Hehl daraus, dass sie einer Einführung positiv gegenübersteht. Offiziell hat Schatzkanzler Gordon Brown vor ein Referendum fünf ökonomische Tests gestellt. So soll zum Beispiel geprüft werden, ob ein Euro-Beitritt mehr Investoren auf die Insel ziehen würde oder ob sich die Zahl der Arbeitsplätze erhöht. Werden alle Fragen mit Ja beantwortet, werde das Referendum abgehalten. Wenn es nur so einfach wäre: "Die Frage nach dem Beitritt zum Euro-Raum dürfte eher in der Politik beantwortet werden", sagt Neil MacKinnon, Währungsstratege der US-Investment-Bank Merrill Lynch. Premierminister Tony Blair dürfte auch bei günstigsten ökonomischen Bedingungen kein Referendum wagen, wenn eine Niederlage absehbar wäre - wohl auch, weil ein Referendum zum Euro-Beitritt gefährlich nah an die nächste Wahl heranzurücken droht.

Sollte die Regierung grünes Licht für die Volksbefragung geben, steht der politische Zeitplan des Euro-Beitritts schon fest: 24 bis 30 Monate nach einem positiven Referendum würde Großbritannien der Euro-Zone beitreten. Weitere sechs Monate später wäre auch das Pfund Geschichte.

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