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10.01.2002

19:00 Uhr

Regierung will Mobilfunker zum Aufbau von Festnetzen zwingen

China will vier Telekomkonzerne schaffen

VonOliver Müller

Chinas Führung hat Pläne für die Liberalisierung des Telekommunikationsmarkts präzisiert. Mehr Wettbewerb soll das rapide Wachstum in Schwung halten. Doch die Ankündigung, vier integrierte Großkonzerne zu schaffen, die sich sowohl im Festnetz als auch beim Mobilfunk Konkurrenz machen, ließ die Kurse der Mobilfunker China Mobile und Unicom in den Keller stürzen.

HONGKONG. Die Pläne des mächtigen Ministeriums für die Informationsindustrie (MII) führen erneut das Regulierungsrisiko in Chinas Telekombranche vor Augen. Zwar hatte das MII bereits im vergangenen Jahr angekündigt, den Festnetz-Riesen und Quasi-Monopolisten China Telecom in eine Nordhälfte namens Netcom und eine Südhälfte aufzuspalten, die den alten Namen behält. Erwartet wurde auch, dass die beiden Mobilfunklizenzen erhalten.

Für Überraschung sorgt jedoch der Plan des MII-Ministers Wu Jichuan, die vier Telekomkonzerne des Landes zu integrierten Anbietern von Festnetz-, Mobilfunk und Datendiensten zu machen. Neue Zahlen, nach denen sich das rapide Wachstum auf Chinas Telekom-Markt abflacht, machten Anleger zusätzlich nervös. Wu zufolge hat China Telecom im vergangenen Jahr den Umsatz um lediglich 5 % gesteigert. Das ist das schlechteste Ergebnis seit Beginn von Chinas Öffnungspolitik 1979. Auch im Mobilfunk verlangsamt sich das Wachstum. Lange Zeit kamen in China jeden Monat 5 Millionen neue Kunden hinzu. Im November waren es nur noch 3,9 Millionen. Diese Größenordnung erwartet Wu auch für das monatliche Wachstum in diesem Jahr.

Chinas Mobilfunkmarkt dürfte nur dann weiter kräftig expandieren, wenn das Duopol von China Mobile und Unicom fällt, die Preise sinken und sich untere Einkommensschichten Handys leisten können. "Vier Konkurrenten, die vielfältige Dienste anbieten, sorgen für besseren Service und niedrigere Preise", verspricht Wu. Mehr Konkurrenz soll aber nicht nur die Dynamik des Marktes bewahren, sondern auch Chinas heimische Telekomunternehmen auf den Wettbewerb mit internationalen Konzernen vorbereiten.

Dass diese nach dem WTO-Beitritt schrittweise ins Land gelassen werden und sich bei lokalen Unternehmen einkaufen dürfen, könnte ein weiterer Grund sein für die Konzentration des Markts in der Hand von vier integrierten Großkonzernen. Westliche Konzerne würden lieber große Anteile an kleinen, fokussierten Unternehmen übernehmen. Vodafone musste vor zwei Jahren für gerade einmal 2 % an China Mobile 2,5 Mrd. $ hinblättern.

Der absehbare Verlust von Duopolgewinnen verstört Fondsmanager ebenso wie die Möglichkeit, dass ein fokussiertes Unternehmen wie China Mobile künftig gezwungen sein könnte, Festnetzdienste anzubieten. Institutionelle Anleger haben die Aktie in den vergangenen zwei Tagen massiv abgestoßen. Seit Mittwoch fiel sie um 12 % auf 24,30 HK$. Beim Gedanken, ins Festnetzgeschäft einzusteigen, ist den China-Mobile-Managern selbst nicht wohl: "Unsere Entwicklungsstrategie konzentriert sich seit Jahren auf den Mobilfunk", heißt es in einer Presseerklärung. "Im Festnetz bleiben wir sehr vorsichtig."

Analysten spielen das Risiko herunter. So ist Jasmin Koh von UBS-Warburg überzeugt, dass Chinas Regierung kein Unternehmen zu etwas zwingen werde, dass wirtschaftlich keinen Sinn mache.

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