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06.08.2000

19:00 Uhr

Regulierungsbehörde FCC verschiebt UMTS-Auktion auf März 2001

Zu großzügige Frequenzverteilung behindert US-Mobilfunk der Zukunft

Regierung und Kongress in der US-Bundeshauptstadt Washington sitzen in einer Kommunikationsfalle, die sich die führende Industrienation der Welt selbst gebaut hat.

ruk PALO ALTO. Regierung und Kongress in der US-Bundeshauptstadt Washington sitzen in einer Kommunikationsfalle, die sich die führende Industrienation der Welt selbst gebaut hat. Während die einzelnen Staaten der Europäischen Gemeinschaft sich derzeit bemühen, in Auktionen die Grundlagen für die nächste Mobilfunk-Generation aufzubauen, mussten der Chef der Federal Communications Commission (FCC), William Kennard, vergangene Woche unter dem Druck der US Telekom-Konzernen eine für den 6. September dieses Jahres geplante Auktion von Frequenzbändern auf März 2001 Jahres verschieben.

Als Grund für die Vertagung wurde angegeben, die beteiligten Parteien bräuchten mehr Zeit für die Vorbereitung. Doch das ist nur ein vor geschobenes Argument: In Wirklichkeit sind der Nation, die der Welt in den letzen Jahren das Internet und die "New Economy" beschert hat, schlicht die für den Ausbau des Mobilfunknetzes benötigten Frequenzen ausgegangen.

Im aktuellen Fall der geplanten Versteigerung von Frequenzen im Bereich vom 700 Megahertz (MHz) wollte die FCC den möglichen Bietern, unter ihnen AT&T, Worldcom SBC oder Voicestream, eventuell auch AOL-Time Microsoft oder Cisco, zumuten, Frequenzen für teueres Geld zu ersteigern, die sie in den nächsten Jahren nicht oder nur schwer nutzen können.

Der Frequenzbereich um 700 MHz ist derzeit von etwa 100 Fernsehstationen in meist ländlichen Gebieten besetzt, die in diesem Bereich die UHF-Kanäle 60 bis 69 ausstrahlen. UHF steht für Ultra High Frequency und kann in Frequenzbereichen zwischen 300 MHz und 3 Gigahertz arbeiten. Der Frequenzbereich von 700 MHz ist für die Mobilfunker besonders interessant, da bei dieser Wellenlänge die Funkenwellen leicht durch Mauern von Gebäuden dringen können.

Das Dilemma ist die Folge einer bisher zu großzügig gehandhabten Vergabepolitik von Funkfrequenzen sowie einer politischen Bevorzugung des Fernsehens. Da in der Vergangenheit Funktechnik in vielen Fällen die Frequenzkanäle nicht so sauber einhalten konnte wie heute, wurden viele Frequenzen an nationale Nutzer wie Militär, Polizei sowie Rettungs- und Sicherheitsdienste in einer größeren Bandbreite vergeben als man es heute tun würde.

Mit den Plänen für den Ausbau des Digitalen Fernsehens erhielten zudem die genannten etwa 100 terrestrischen TV-Stationen für einen Übergangszeit bis 2006 den gefragten 700 MHz-Bereich. Hätte nach den bisherigen Plänen der Septemberauktion ein Bieter eine Lizenz ersteigert, müsste er sich (finanziell) mit den TV-Stationen auseinander setzen, damit diese vorzeitig das Feld räumen. Die Situation wird zusätzlich durch komplizierte Werberegelungen um lokale Ausstrahlungen zwischen Antenne und Kabel erschwert.

Diese Unsicherheit hat neun der führenden US-Telekomfirmen Ende Juli veranlasst, den FCC-Chef zu einer Verschiebung der Auktion zu drängen. Nach Ansicht von Experten gerät die USA damit im Wettbewerb um den Mobilfunk der nächsten, dritten Generation (3G) noch stärker ins Hintertreffen als sie heute bereits sind. Zudem ist von UMTS-Lizenzen in den Vereinigten Staaten nicht die Rede, nur von 3G.

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