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18.06.2000

18:54 Uhr

Die T-Aktie ist ein Phänomen. Die Börsenzeiten mögen noch so schwierig sein, der Kurs sich noch so schwach entwickeln - die Anleger halten dem magentaroten Riesen unverbrüchlich die Treue. Mit dem dritten Börsengang hat Ron Sommer alle Skeptiker Lügen gestraft. Als die Mammutemission mit einem Volumen von rund 13 Milliarden Euro vor drei Wochen in die heiße Phase ging, hätte wohl niemand mit einer dreieinhalbfachen Überzeichnung gerechnet.

Ein Spaziergang war die Platzierung der dritten Tranche allerdings nicht. Im Gegenteil: Sommer und Bundesfinanzminister Hans Eichel mussten alle Räder in Bewegung setzen, um die Papiere aus dem Bestand der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau unter die Anleger zu bringen. Satte 25 Millionen Euro hat sich die Telekom die Werbekampagne für den Börsengang kosten lassen. Dazu kommen noch einmal über 200 Millionen Euro für die Anstrengungen der Banken bei der Platzierung der Papiere. Erstmals sprachen Sommer & Co. Privatanleger in aller Welt an - ein echter Kraftakt. Denn die Emission musste den juristischen Vorschriften von 18 Ländern standhalten, was wiederum eine kleine Armee von Rechtsanwälten in Lohn und Brot brachte.

Den Erfolg verdankt die Telekom aber nicht allein der gigantischen Marketingmaschinerie. Dass die Privatanleger Sommer und Eichel nicht im Stich lassen würden, zeichnete sich schon früh ab. Überraschend kommt dagegen das starke Interesse der Investmentfonds. Die standen der Emission zunächst skeptisch gegenüber - kein Wunder nach dem Kursrutsch, den die T-Aktie hinter sich hat. Doch allmählich scheint sich das Bild etwas aufzuhellen. Vereinzelt nennen Analysten schon wieder Kursziele von 100 Euro.

Vor allem die Fusionsphantasie könnte der Aktie schnell wieder Leben einhauchen. Die Kriegskasse des Konzerns ist prall gefüllt. Ron Sommer hat den Anlegern einen Zukauf in den USA versprochen - der ist auch bitter nötig, will die Telekom den Internationalisierungsrückstand gegenüber der Konkurrenz verkürzen. Zudem hat Sommer trotz eines bereits gescheiterten Übernahmeversuchs seine Fühler erneut vorsichtig in Richtung Telecom Italia ausgestreckt. Während des Börsengangs hat sich die Telekom beim Thema Übernahmen zwar ein Schweigegelübde auferlegt. Doch sobald die Stillhaltezeit abgelaufen ist, werden die Anleger auf Taten drängen. Für Zuversicht sorgen neben der Fusionsphantasie auch die hübschen Töchter des Konzerns. Als Mehrheitsaktionär des Internetdienstes T-Online und des ab Herbst gelisteten Mobilfunkablegers T-Mobil profitiert die Mutter vom Kurspotenzial der beiden Perlen.

Aber - trotz aller Pluspunkte - die T-Aktie birgt erhebliche Risiken für die Anleger. Der Ex-Monopolist steckt mitten in einem teuren Umbau. Am Ende soll der Konzern auf vier Wachstumssäulen ruhen. Doch bis die Renovierung geschafft ist, bleiben die Erträge unter Druck. In diesem Jahr müsste die Telekom sogar rote Zahlen schreiben, würden nicht Beteiligungsverkäufe dafür sorgen, dass am Ende des Jahres wohl doch noch ein ordentliches Plus unter dem Strich stehen wird. Auch der noch immer hohe Staatsanteil könnte für den Ex-Monopolisten schon bald gravierende Probleme aufwerfen. Die Betreiber der wichtigsten europäischen Aktienindizes denken zurzeit darüber nach, bei der Berechnung der Börsenbarometer nicht mehr die gesamte Marktkapitalisierung zu berücksichtigen, sondern nur noch den Streubesitz. Sollten den Überlegungen Taten folgen, würde die T-Aktie drastisch an Gewicht verlieren. Schwergewichtige Fonds, die ihre Investments an den großen Indizes ausrichten, müssten massiv Telekom-Papiere abstoßen. Ein Kursrutsch wäre die unausweichliche Folge.

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