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14.02.2002

09:03 Uhr

Rekordergebnis im Privat- und Finanzkundengeschäft

UBS über den Erwartungen

Der Schweizer Finanzkonzern UBS hat im Jahr 2001 in einem schwierigen Marktumfeld die Kosten unter Kontrolle halten können und grosse internationale Pleitefälle wie etwa Enron erfolgreich umschifft.

rtr ZÜRICH. Der Reingewinn für 2002 sank nach UBS-Angaben vom Donnerstag um 36 % auf 4,973 Mrd. sfr. Das Ergebnis lag aber über den Analystenerwartungen und die Börse reagierte positiv.

Dass sich der Gewinnrückgang im Rahmen halte, sei auch darauf zurückzuführen, dass die UBS in der Vergangenheit eine "vorsichtige Expansion" gepflegt habe. "Wir haben einen Teil des des Finanzbooms, des booms of the bubble verpasst, das war nicht immer gut, aber jetzt erweist sich das als positiv", sagte Konzernleitungspräsident Peter Wuffli.

Während sich die Profitabilität der Kerngeschäfte solide entwickelte, war der Gewinnrückgang den UBS-Angaben zufolge im wesentlichen auf Verluste im Private Equity-Geschäft und die Refinanzierung der PaineWebber-Übernahme vom November 2000 zurückzuführen. Das Schweizer Geschäft mit Privaten und Firmenkunden erwies sich als wichtiger Ertragspfeiler und im vierten Quartal fiel dort sogar ein Rekordergebnis an. Für 2002 zeigte sich der Konzern vorsichtig; das Jahr werde nicht leicht, sagte Wuffli. Das Marktumfeld bleibe von Unsicherheiten geprägt und das Potential für eine Ergebnissteigerung sei begrenzt. Die UBS wolle im laufenden Jahr aber weitere Marktanteile gewinnen und ein substanzieller Stellenabbau sollte dank des vorsichtigen Personalmanagements der letzten Jahre vermieden werden können. Dies setzte aber voraus, dass die gegenwärtige Stagnation der Finanzmärkte nicht wesentlich länger als bis zum nächsten Jahr anhalte, sagte Wuffli weiter.

Das vierte Quartal fiel für die UBS besser aus als erwartet. Der Gewinn lag mit 1,106 Mrd. sfr über den Erwartungen der Analysten und auch 22 % über den 903 Mill. sfr des Vorquartals. Die international tätige Investmentbank UBS Warburg habe in keinem der infolge von Zahlungsunfähigkeit in die Schlagzeilen gekommenen internationalen Unternehmen materielle, ungesicherte Kreditengagements, erklärte UBS weiter. Das Schweizer Privat- und Firmenkundengeschäft habe im letzten Jahresviertel ein Rekordergebnis abgeliefert, hiess es weiter. Die gute Entwicklung widerspiegele die Restrukturierungen der Vergangenheit, die auf der Umsetzung des bei der Fusion von UBS und dem damaligen Bankverein gefassten Plan basiere.

Christoph Ritschard, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), nannte das Ergebnis Ausdruck stabiler Erträge, strikter Kostenkontrolle und tiefer Kreditrisiken. Negativ sei die zusätzliche Abschreibung von 190 Mill. sfr im Private Equity-Bereich. Für Derek Chambers von HSBC lag das Ergebnis am oberen Ende der Erwartungen. Positiv seien die Wertberichtigungen für Kreditrisiken; dies zeige, dass es UBS ernst mit der Kontrolle im Kreditgeschäft sei. Bei Merrill Lynch hiess es, das Ergebnis sei solide, der vorsichtige Ausblick wie ihn Wuffli vorlegte, sei normal.

An der Börse stiegen die UBS-aktien bis gegen 13.00 Uhr um fünf Prozent auf knapp 81 sfr. Der DJ StoxxBank-Index tendierte 1,7 % fester.

Den Geschäftsertrag steigerte UBS im Berichtsjahr dank UBS PaineWebber um zwei Prozent auf 37,114 Mrd. sfr. Der Geschäftsaufwand lag bei 30,496 Mrd. nach 26,203 Mrd. sfr im Jahr 2000. Die Wertberichtigungen für Kreditrisiken betrugen 498 Mill. sfr, nachdem im Vorjahr noch 130 Mill. sfr Kreditrückstellung aufgelöst wurden. Die Bank habe eine bedeutende Abnahme der Bonuszahlungen erreicht; im Durchschnitt aller Mitarbeiter seien die variablen Lohnkomponenten um 23 % niedriger als im Vorjahr, hiess es weiter. Insgesamt nahm der Personalaufwand über das Jahr gerechnet auf 4,40 Mrd. von 4,31 Mrd. im Vorjahr zu.

UBS, die als der grösste Vermögensverwalter der Welt gilt, konnte im Berichtsjahr die verwalteten Vermögen auf 2457 Mrd. von 2452 Mrd. sfr Ende 2000 leicht steigern. Der Zufluss an Neugeldern für 2001 betrug 102 Mrd. sfr. Im vierten Quartal allein betrug der Nettozufluss 21,7 Mrd. sfr; das war weniger als die 34,9 Mrd. sfr im Quartal davor und auch etwas weniger als einige Analysten erwartet hatten. Die europäische Vermögensverwaltungsstrategie mit Kernmärkten in den fünf wichtigsten europäischen Ländern zahle sich aus. Mit 370 Kundenberatern sei im Berichtsjahr ein Nettozufluss an Vermögen von 5,6 Mrd. sfr erzielt worden.

Die Abflüsse von Vermögen nach Italien, wo die Regierung eine Amnestie für Schwarzgeld erlassen hat, hielten sich in Grenzen, sagte Wuffli weiter. Etwa zehn Prozent der italienischen Kunden hätten sich nach weiteren Einzelheiten für eine Repatriierung erkundigt. In deutlich weniger Fällen sei es aber zu tatsächlichen Transaktionen gekommen. Der Abfluss sei bisher auch geringer als erwartet ausgefallen. Zudem habe UBS "lokale Alternativen bieten können".

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