Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.01.2003

13:30 Uhr

Rekordmeister bastelt am Team der Zukunft

Der FC Bayern will jünger werden

VonDaniel Pontzen (Handelsblatt)

Rekordmeister bastelt am Team der Zukunft: Eine Jugendoffensive soll offenbar schon bald den Bayern-Kader kennzeichnen. Die Verantwortlichen wollen die Zahl der Nachwuchskräfte weiter erhöhen.

MARBELLA. Es sind wohl nur vage Vorstellungen, die ein junger Fußballer wie Sebastian Schweinsteiger vom sportlichen Paradies hat, aber ungefähr so dürften sie aussehen: fünf Rasenplätze im Trainingszentrum im südspanischen Nobelort Marbella, in das der Nachwuchsspieler des FC Bayern seine prominenten Kollegen begleitet hat. Dazu zwei Felder zum Fußballtennis, Flächen zum Torschusstraining und ein Umkleidetrakt, der mit lachsfarbenem Marmor vertäfelt und mit Holzornamenten verziert ist.

Und doch muss Schweinsteiger schuften zwischen den Palmen im "Marbella Paraiso de futbol", bei 18 Grad, denn für den 19-Jährigen geht es darum, den Sprung zu schaffen. Den Sprung in eine Mannschaft, die spätestens 2006 in die Fußstapfen der Effenbergs & Co. treten soll; um diejenigen zu beerben, die den deutschen Rekordmeister zwischen 1999 und 2001 zurück in Europas Spitze geführt haben. Emsig bastelt der FC Bayern an einer neuen Ära.

Eine Jugendoffensive soll offenbar schon bald den Bayern-Kader kennzeichnen. Die Verantwortlichen wollen die Zahl der Nachwuchskräfte weiter erhöhen. Die Youngster Santa Cruz (21) und Owen Hargreaves (21), die schon zu den Etablierten zählen, haben die Bayern jüngst bis 2006 an sich gebunden, mit Schweinsteiger und Markus Feulner (20) sind zwei weitere Jungspunde in Marbella dabei.

"Ich bin hier mit beiden sehr zufrieden, sie sind voll integriert. Sie haben beide das Zeug, den Sprung in die Stammmannschaft zu schaffen", lobt Trainer Ottmar Hitzfeld, der zudem auf die Entwicklung der A-Jugendlichen Lahm und Trochowski hofft und mit Nachwuchskeeper Rensing einen Mann zur Verfügung hat, dem viele eine große Karriere zutrauen."Wir geben sehr viel Geld für den Jugendbereich aus", sagt Manager Uli Hoeneß, "und es wäre sehr schön, wenn unsere Profimannschaft künftig noch mehr davon profitieren könnte als in der Vergangenheit."

Bei der Suche nach Leistungsträgern für die Zukunft schweift der Blick der Verantwortlichen natürlich weit über das eigene Trainingsgelände hinaus. "In dem Moment, wo man aufhört, sich international umzusehen und den Bestmöglichen woanders zu holen, dann hört man auf, international wettbewerbsfähig zu sein", glaubt Hoeneß. "Du musst für jede Position den Bestmöglichen holen. Wenn der nicht im eigenen Kader zu finden ist, dann muss man eben auch mal nach Buenos Aires reisen."

So geschehen kurz vor Weihnachten, als Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nicht aus Argentinien zurückkehrte, ehe er eine Zusage des Verteidigers Martin Demichelis hatte. Der 21-Jährige zählt, so heißt es, wegen seiner abgeklärten Spielweise und überragenden Technik schon jetzt zu den wertvollsten Abwehrspielern des Kontinents. Zudem wird spekuliert, ob die Bayern in das Wettbieten um den 18-jährigen Brasilianer Robinho einsteigen. In Südamerika treiben sie den Spielmacher schon jetzt zum spielerischen Erben Peles hoch. Sein Verkaufswert soll nicht unter 25 Millionen Euro liegen.

Viel Geld. Billiger ist es zweifellos, selbst ein perfektes System für den Nachwuchs anzubieten. "Während unserer Ausbildung", hat Hoeneß kürzlich der "Frankfurter Rundschau" gesagt, "wird irgendwann die Frage gestellt: Wird er ein Bundesliga-Spieler? Oft lautet die Antwort: ja. Die nächste Frage ist dann: Wird er ein Bayern-Spieler? Antwort: Wissen wir nicht. Es ist ein Unterschied, ob ich Bundesliga-Spieler werden möchte oder Bayern-Spieler."

Roque Santa Cruz etwa, der nach längerer Anlaufphase zuletzt als beständiger Stürmer seine Qualitäten bewies, verspricht bereits vollmundig neue Taten, wonach "ein bis zwei Tore pro Spiel" demnächst schon drin wären. Bis man derlei von Sebastian Schweinsteiger hört, wird es noch ein Weilchen dauern. Allein schon deshalb, weil ihm in Marbella vorsichtshalber Interviewverbot erteilt wurde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×