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21.03.2003

06:03 Uhr

Renditen der Staatsanleihen ziehen deutlich an

Die sicheren Häfen werden leerer

VonAndrea Cünnen

Professionelle Anleger am Anleihemarkt kommen in diesen Tagen richtig ins Zittern. Denn die Hoffnung auf einen schnell beendeten Krieg gegen den Irak hat die Kurse so schnell und deutlich fallen lassen wie schon lange nicht mehr. Dementsprechend sind die Renditen, die sich aus Nominalzins und Kurs berechnen, in die Höhe geschnellt.

FRANKFURT/M. Die zehnjährige Bundesanleihe bringt inzwischen wieder eine Rendite von 4,17 %, das sind beinahe 40 Basis- oder 0,40 Prozentpunkte mehr als Anfang vergangener Woche. Der Bund-Future - ein Terminkontrakt auf langlaufende Bundesanleihen und die wichtigste Messlatte für die Entwicklung der Anleihen in der Euro-Zone - brach um mehr als 300 Basispunkte auf rund 113,30 % ein. Dabei gelten Schwankungen von 100 Basispunkten innerhalb einer Woche schon als hoch. In den USA sieht das Bild ähnlich aus. Dort ist die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen inzwischen wieder auf fast 4 % gestiegen. Die rasche Entwicklung der vergangenen Tage zeigt, dass Investoren auch mit als sicher geltenden Anleihen Geld verlieren können, wenn sie die Papiere aktiv handeln und nicht nur einfach bis zum Ende der Laufzeit halten.

Ihren Status als relativ sicherer Hafen haben die Anleihen trotzdem noch, nur steuern sie in diesen Tagen nicht mehr so viele Anleger an wie zuletzt. Der Grund ist, dass auch die Investoren an den Bondmärkten darauf setzen, dass die USA einen schnellen militärischen Erfolg im Irak erzielen. Deshalb schichten sie ihr Kapital in risikoreichere Aktien um, von denen sie sich größere Gewinne erhoffen.

Falls der Irakkrieg tatsächlich schnell beendet wird und die Weltwirtschaft an Fahrt gewinnt, werden die Renditen an den Anleihemärkten noch weiter steigen. Allzu groß dürfte der Anstieg Prognosen zufolge jedoch nicht ausfallen: Zehnjährige Anleihen diesseits und jenseits des Atlantiks werden auch Ende des Jahres noch deutlich weniger als 5 % Rendite bringen, heißt es unisono.

Anleihen rentieren weiter auf historischem Niveau

Wenn der Krieg jedoch länger dauern sollte und es zudem zu Terroranschlägen in der westlichen Welt kommt, dürften die Anleger wieder vermehrt in die sicheren Häfen der Anleihen fliehen. Schon gestern sanken die Renditen wieder etwas, und der Bund-Future legte deutlich zu, nachdem US-Präsident George W. Bush erklärt hatte, dass ein Krieg länger dauern und schwieriger werden könnte als einige vorhersagen.

Derzeit rentieren die Anleihen zudem noch weiter auf historisch niedrigen Niveaus, vor allem in den USA. Außerdem sind die Renditen bislang noch geringer als am Jahresanfang. Insgesamt haben Staatsanleihen in der Euro-Zone und den USA Gesamterträge - also Kursgewinne plus Zinserträge - von mehr als einem Prozent erzielt. Die Aktienmärkte liegen dagegen trotz des rasanten Kursanstiegs in den vergangenen Tagen immer noch im Minus. Der Euro-Stoxx-50 Index für die Standardwerte in der Euro-Zone hat in diesem Jahr gut 7 % verloren, der Dow-Jones-Index für die 30 wichtigsten Industriewerte in den USA hat 0,9 % eingebüßt.

Anders als bei Aktien können Privatanlegern aber die Kursbewegungen der Anleihen im Prinzip egal sein. Denn Verluste werden sie mit Staatsbonds der Industrienationen gar nicht machen, wenn sie nach der Strategie "Kaufen und Halten" verfahren. Dann bekommen sie regelmäßig ihre Zinsen und am Ende der Laufzeit der Anleihen ihr eingesetztes Kapital zum Nennwert von 100 % zurück. Dabei wäre es natürlich besser, wenn man schon im April 2002 Staatsanleihen gekauft hätte. Damals gab es nämlich für eine zehnjährige Bundes- und eine zehnjährige Staatsanleihen noch eine Rendite von 5,4 %. Doch mehr als ärgerlich ist das für Privatanleger, die Anleihen bis zur Endfälligkeit halten und später eingestiegen sind, nicht. Denn ihr einziges wirkliches Risiko besteht darin, dass der Anleiheschuldner pleite geht und deshalb seine Schulden nicht zurückzahlen kann. Diese Gefahr kann bei Staatsbonds aus Europa und den USA aber ausgeschlossen werden. Genau diese Sicherheit ist es, welche die Anleihen - egal in welchem Umfeld - immer zu sicheren Häfen macht.

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