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01.02.2001

19:00 Uhr

Rennfahrer-Oldie Hans-Joachim Stuck will auch in Zeiten schwächelnder Technologie-Aktien ruhig schlafen können

Hans-Joachim Stuck: Fürs Stockpicking ist Rudi aus Westendorf zuständig

GOING. Ach ja, damals, als der Manta-Fanclub Wetzlar morgens um sieben unvermittelt vor der Tür stand. "Mit Fuchsschwanz, und allem was dazu gehört. Mit den Jungs hab ich dann gefrühstückt", erzählt Hans-Joachim Stuck. Der Mann ist ein Plauderer. Ein guter.

Warum er noch immer einen hohen Bekanntheitsgrad und einen positiven Ruf hat, ist für den Rennfahrer klar: "Ich war immer greifbar im Leben. Keine Geheimnummer, keine Geheimadresse." Und gut drauf ist er sowieso: "Ich war immer lustig." Und, nicht zu vergessen: An Öffentlichkeitsarbeit hat es nie gemangelt: "Ein Haufen Fernsehauftritte, in Game-Shows oder bei Harald Schmidt. Und in der Yellow-Press ist man ja auch immer wieder."

"Strietzel", wie Stuck gemeinhin genannt wird, ist zudem als Formel-1-Experte bei Premiere World, Bayern 3 und Antenne Niedersachsen sowie Kolumnist bei der Bild-Zeitung präsent - ein einträgliches Geschäft. Zusammen mit den Werbeverträgen (Fulda/Reifen, Tamiya/ferngesteuerte Autos) macht dieser Bereich rund die Hälfte seiner Einkünfte aus. Die restlichen 50 Prozent überweist ihm Autobauer BMW, bei dem er 1969 seine Karriere begann und bei dem er seit 1998 erneut unter Vertrag steht - als Fahrer in Langstrecken-Fahrzeugen und Marken-Botschafter.

So pendelt er regelmäßig zwischen den USA (wo er in erster Linie hinterm Steuer sitzt) und Europa. Dort ist er freitags und samstags an den Formel-1-Strecken beim Training zu Gast, um sich für seine Nebenjobs die Infos zu holen. Am Sonntag steht er dann im Zwei-Wochen-Takt am Nürburgring vor der Kamera, dort hat Premiere regelmäßig seine Zelte aufgeschlagen.

Mehr sehen, mehr hören, mehr wissen. Stuck nimmt seine Tätigkeit als rasender Reporter sehr ernst. "Ich habe mich stets auf die Dinge konzentriert, von denen ich etwas verstehe", sagt der Bayer. Eine Maxime, die er beim Thema Geldanlage ebenfalls verfolgt. "Im Grunde genommen bin ich stinkkonservativ", behauptet Stuck, wenngleich er in seinem Depot neben "50 Prozent festverzinslichen Papieren auch 50 Prozent Aktien" hält. Schwere, meist solide Werte. "Als zuletzt der Technologiebereich abstürzte, habe ich keinen großen Schaden erlitten. Ich konnte immer ruhig schlafen."

Stuck spart sich das persönliche Stockpicking und setzt in erster Linie auf seinen Bankberater. "Ich vertraue lieber meinem Rudi aus Westendorf, als dass ich selbst wild rumspekuliere", erklärt der 49-Jährige. Rudi, das ist sein Mann bei der Raiffeisenbank im österreichischen Örtchen Westendorf. Der habe zwar schon mal versucht, ihn auf eine etwas spekulativere Schiene zu führen. Doch dabei habe er sich "die Zähne ausgebissen". In Absprache mit Stucks Salzburger Wirtschaftsberater, der sich auch mit den Finanzen eines Franz Beckenbauer beschäftigt, strukturiert und bestückt der Banker das Rennfahrer-Depot.

Darin enthalten ist zum Beispiel Steyr-Daimler-Puch, nicht aber BMW - obwohl Stuck bei den Bayern angestellt ist. Auch von einem Wert wie T-Online will der Laptop-Nutzer ("Habe ich immer dabei") nichts wissen. So gefährlich sein Beruf, so vorsichtig agiert Stuck mit Geld. Bei Angeboten vermeintlicher "Finanzexperten" blockt er ab: "Vor allem in den USA sind diese Leute aggressiv, man wird sie kaum wieder los." Mit angeblich hohen Renditen kann man ihn nicht ködern. Denn: Viele, die einst mit der Limousine vorfuhren, "kommen nun mit dem Radl daher". Das soll dem Autofreak nicht passieren.

Stucks Zurückhaltung bei verlockenden und daher risikoreichen Geschäften scheint seinen Grund auch in einer Negativerfahrung zu haben. 1991 musste der in den 70er Jahren in 74 Formel-1-Rennen aktive Motorsportler eine saftige Steuernachzahlung leisten. "Damals habe ich zwei Leuten und deren Steuerkonstruktionen vertraut." Ziemlich blauäugig, wie er heute zugibt. Obwohl Stuck seinen Lebensmittelpunkt noch in Deutschland hatte, wollte er sein Einkommen in den günstigeren USA versteuern. Welche Größenordnung nachgezahlt werden musste? "Das waren zehn Jahre Arbeit", stöhnt Stuck.

Längst ist der Berufsbleifuß nach Tirol übergesiedelt. Nur bedingt aus steuerlichen Gründen, sagt er. Kostenbewusst muss er gleichwohl allein schon wegen der "Verpflichtungen gegenüber der Ex-Frau" sein. Und die Kinder und die Mutter sind schließlich auch noch da. Mit der 16,1-prozentigen Nettorendite im vergangenen Jahr, die ihm Bankberater Rudi im vergangenen Jahr bescherte, ist Stuck sehr zufrieden.

Vom Basisinvestment aller Konservativen hat sich der Wahl-Österreicher, der in Ellmau wohnt und immer mal wieder im benachbarten Going im Promi-Lokal Stanglwirt vorbeischaut, allerdings weitgehend getrennt. Seine Immobilien in München und Marbella hat er verkauft. "Ist mir einfach zu blöd, die Mieteinnahmen zu versteuern. Und dann die Renovierungen. Unterm Strich bleibt nix wie Ärger."

Für einen Spaßtypen wie ihn nicht das richtige Terrain. Lieber freut er sich über den Formel-1- Boom hier zu Lande, der zwar für den Fahrer Stuck viel zu spät kam, nicht aber für den Zweitverwerter Stuck: "Die zweite Garde kann davon super leben." Ex-Fahrer der so genannten Königsklasse wie er oder Christian Danner (RTL) verdienen nicht nur beim Fernsehen gutes Geld, sondern sind auch als Stargäste bei diversen Veranstaltungen noch immer gefragt. 20 000 Mark Tagesgage sind schon mal drin.

Einer wie Stuck ("Als ich in der Formel 1 gefahren bin, befand sich der Sport noch am Rande der Gesellschaftsfähigkeit") ist als Experte und Unterhalter mit glänzenden Kontakten zur Szene prädestiniert für solche Aufgaben. Mit seinem jetzigen BMW-Chef Gerhard Berger bildete er früher ein Team, für den heutigen PS-Oberimpresario und einstigen Brabham-Teambesitzer Bernie Ecclestone hat der Routinier am Lenkrad einst Rennen gefahren. Inzwischen absolviert er seine 30. Saison in den Asphalt-Kreiseln dieser Welt. Wenn Ecclestone seinen Traum verwirklicht und die Formula-One-Holding SLEC an die Börse bringt, geht Stuck mit. "Bedingt, nicht mit vollem Einsatz."

Schließlich genießt der vorsichtige Gedanke Vorrang. Als besagter Rudi von seinem Kunden einmal zu Reifentests mitgenommen wurde, stellte sich heraus, "dass die konservative Wahl der Pneus die bessere war". Der Rennfahrer stieg aus seiner Karosse und teilte dem Banker trocken mit: "Siehste Rudi, genauso ist es auch bei der Geldanlage."

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