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17.01.2001

10:13 Uhr

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Rentenmarkt hat Appetit auf große Neuemissionen

Mit einer Fülle von Neuemissionen hat das Jahr 2001 am europäischen Rentenmarkt begonnen. Unternehmen und Banken, aber auch Staaten begaben in den ersten Wochen Papiere mit verschiedensten Ausstattungsmerkmalen aber durchweg mit großen Volumina. Analysten sagten, die Emittenten nutzten das niedrige Renditeniveau bei festverzinslichen Wertpapieren, um sich günstig zu refinanzieren.

Reuters FRANKFURT. Dadurch werde die traditionelle Emissionsflut zu Jahresbeginn verstärkt. Der Markt, der bereits Ende vergangenen Jahres auf Grund der Aktienschwäche viel Investorenkapital auf sich gezogen hatte, zeige sich weiter aufnahmefähig, so dass die Papiere nicht auf die Kurse drückten.

Die Flut neuer Anleihen zu Jahresbeginn führten Analysten mehrerer Großbanken vor allem auf zwei Ursachen zurück. Zum einen sei das Umfeld zur Refinanzierung am Rentenmarkt nach den deutlichen Kursgewinnen Ende vergangenen Jahres günstig. Steigende Kurse bedingen sinkende Renditen, was die Mittelaufnahme für die Anleiheemittenten verbilligt. Sinken die Renditen von Staatsanleihen, profitieren davon auch Banken und Unternehmen, da diese die Marktkonditionen ihrer Papiere an den richtungweisenden Staatspapieren (Benchmarks) ausrichten.

Auf eine mögliche Leitzinssenkung in der Euro-Zone würden die meisten Anleiheemittenten nicht warten wollen, hieß es am Markt weiter. Zu ungewiss sei derzeit, ob und wann die Europäische Zentralbank (EZB) der Zinssenkung der US-Notenbank Fed folgen werde. Die EZB sei nicht unter Zugzwang.

Auch ohne die derzeit herrschenden günstigen Refinanzierungsbedingungen gebe es zu Jahresanfang aber traditionell eine große Zahl von Neuemissionen. Im Januar komme viel neues Anlegergeld in den Markt. Neben privaten Emittenten werden daher auch viele Staatsanleihen zu Anfang des Jahres begeben. So ist auch die Mittelaufnahme des Bundes im ersten Quartal eines Jahres traditionell recht hoch. Neben Deutschland haben auch Österreich, Belgien und Griechenland bereits richtungweisende Anleihen begeben oder angekündigt.



Kapitalzuflüsse erhöhen sich

Der Trend von Anleger-Mittelzuflüssen zum Jahresbeginn verstärke sich durch die deutliche Abkühlung der US-Wirtschaft noch, sagte Christoph Rieger von der Commerzbank in Frankfurt. Dadurch würden sich die Kapitalzuflüsse in den Euro-Raum erhöhen, wovon der bereits seit der Euro-Einführung sehr attraktive Euro-Rentenmarkt besonders profitiere.

Trotz Anleihevolumen von bis zu fünf Mrd. Euro, wie kürzlich bei einem Pfandbrief der Hypothekenbank in Essen, nimmt der Markt auch das große Angebot nichtstaatlicher Emittenten bislang problemlos auf. Nachgebende Kurse auf Grund eines zu hohen Angebotes sind sowohl in der Kasse als auch am Futures-Markt nicht zu verzeichnen, der Markt bewegt sich Mitte Januar weiter auf hohem Niveau.

Rieger erklärt diese Entwicklung unter anderem mit rückläufigen Staatsdefiziten. Im Zuge von Haushaltskonsolidierungen müssen die Staaten der Euro-Zone weniger Geldmittel am Anleihemarkt aufnehmen. Der Finanzierungsbedarf sinkt. Vor allem Pfandbriefe versuchten nun, in die Angebotslücke zu stoßen. Und da deutsche Hypothekenbanken als Emittenten über ausgezeichnete Kreditratings verfügten und Pfandbriefe dazu einen attraktiven Renditevorsprung (Spread) vor Staatspapieren bieten würden, seien die Angebote für Anleger interessant. Die hohen Volumina würden von Investoren sogar positiv gesehen, da sie eine hohe Liquidität der Papiere garantieren würden, hieß es auch von einer anderen Bank.



Gute Perspektiven für Unternehmensanleihen

Auch für Unternehmensanleihen sieht Commerzbank-Analyst Rieger insgesamt gute Perspektiven. Das Marktsegment sei in Europa im Gegensatz zu den USA noch unterentwickelt und habe Potenzial. Die Masse von Anleihen aus dem Telekommunikationssektor, die zur Finanzierung der deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen begeben wurden, habe die Entwicklung zwischenzeitlich aber gebremst. Trotz üppiger Renditeaufschläge der Konzerne habe die Nachfrage mit dem hohen Angebot aus einem einzigen Industriebereich nicht mithalten können. Wenn sich das Angebot aber auf verschiedene Sektoren verteile, steige auch die Nachfrage, sagten Analysten weiter. In jüngster Zeit hatten aber auch Konzerne anderer Branchen wie DaimlerChrysler und Volkswagen Anleihen begeben.

DaimlerChrysler teilte seinen Bond im Gesamtvolumen von umgerechnet sieben Mrd. $ allerdings in mehrere Teile auf, die in unterschiedlichen Währungen begeben wurden. Der Hauptteil lautete auf $. Je größer und je internationaler die Unternehmen seien, desto wahrscheinlicher seien solche Aufteilungen, hieß es. Auch wenn ein solches Anleihedesign teilweise taktische Gründe habe, um die Vorteile unterschiedlicher Märkte optimal nutzen zu können, sorge es auch dafür, dass die Kapazitäten der Märkte nicht überfordert würden.

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