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17.01.2002

12:15 Uhr

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Resistenz gegen den Terror

VonChristoph Rabe

Die Taliban sind vertrieben, eine neue Regierung bereitet Afghanistan auf eine neue Ära vor. Mit nichts in der Hand, mit nichts in der Tasche. Nach den vergleichsweise schnellen militärischen Erfolgen, beginnt jetzt eine kritische Phase, um das Land am Hindukusch resistent gegen den Terror zu machen.

HB DÜSSELDORF. Das ist ein ungleich schwierigerer Prozess, der ungleich viel mehr Zeit, Mittel und Energie verbrauchen wird, als die Militärschläge.

Sämtliche Grundlagen für den Aufbau demokratischer Strukturen fehlen in Afghanistan, die Regierung kontrolliert de facto nur einen Teil des Landes und ist bankrott. Auf mindestens 15 Mrd. Dollar in den nächsten zehn Jahren haben Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank und die Uno den Finanzbedarf für den Wiederaufbau des Landes geschätzt, zwei Drittel müsste in den ersten Jahren frei gegeben werden. Nähere Einzelheiten dazu werden Anfang kommender Woche auf einer Geberkonferenz in Japan festgelegt.

Schon jetzt aber steht fest, dass schnell gehandelt werden muss. Nicht einmal die Beamten im Land können aus der leeren Schatulle des Staates bezahlt werden. Ihre Zuverlässigkeit benötigt der neue Regierungschef Hamid Karsai aber umso dringender, will er nicht von Anfang an Gefahr laufen, einer Regierung ohne Apparat vorzustehen. Auf Steuereinnahmen wird Karsai auf absehbare Zeit nicht setzen können. Umso dringlicher ist, dass die ausländische Hilfe unbürokratisch und rasch fließt.

Das haben alle Beteiligten zwar versprochen, aber nicht einmal die im Ausland eingefrorenen Mittel von ca 200 Mill. Dollar aus der Taliban-Herrschaft sind bisher frei gegeben worden. Ohne diese Gelder und die anstehenden Finanzmittel aus dem Ausland können weder die Aufräumarbeiten bewältigt, noch ein Fundament für Afghanistans Zukunft gelegt werden. Glaubwürdigkeit im Kampf gegen Terror, Korruption und Clanwirtschaft gewinnt die neue Regierung in Kabul aber nur dann auf Dauer, wenn sie der Bevölkerung zeigen kann, wozu sie auserkoren worden ist: Stabilität und Frieden zu erhalten, neue Arbeitsplätze zu schaffen und das Land wirtschaftlich wieder zu beleben. Die USA haben Kabul zugesagt, sich langfristig für die Stabilität im Land zu engagieren. Das ist eine Voraussetzung für den Frieden. Die nächsten drei lauten Geld, Geld, und nochmals Geld.

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