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04.01.2002

12:45 Uhr

Restrukturierung

Carrier-1 macht Rückkaufangebot für Anleihen

Der in der Restrukturierung steckende Telekommunikationsdienstleister Carrier 1 International unternimmt einen weiteren Versuch zum Rückkauf seiner ausstehenden hochverzinslichen Anleihen. Die Gesellschaft kündigte am Freitag ein Bar- und Aktienangebot sowie die Änderung der Anleihebedingungen an.

Reuters LUXEMBURG. Bei Erfolg der Transaktion würden sich die Verschuldung von Carrier 1 und die Zinslast signifikant verringern, teilte die Firma mit. Das Angebot sei unter anderem an den Erhalt von jeweils mehr als 50 % des Nennwertes der ausstehenden Euro- und Dollar-Anleihen gebunden. Die im Auswahlindex Nemax 50 notierte Aktie stieg zeitweise über 22 % auf 1,90 Euro.

Carrier 1 verfügt derzeit nach eigenen Angaben über unwiderrufliche Zusagen der Mehrheit der Anleihebesitzer und ist daher zuversichtlich, dass die Mindestwerte erreicht werden und das Angebot akzeptiert wird. Die finanzielle und operative Flexibilität der Gesellschaft werde sich durch diese Maßnahmen erhöhen. Entsprechend den Bedingungen des Angebots werde den Anteilseignern zusätzlich zu einer Barsumme ein bestimmter Prozentanteil an neu emittierten Aktien in Höhe von bis zu 40 % des dann "neuen" Aktienkapitals geboten. Anleihebesitzer, deren Anteile zum Kauf angenommen würden, erhielten außerdem aufgelaufene und bisher noch nicht gezahlte Zinsen bis zum 5. Dezember 2001. Das Angebote verliere seine Gültigkeit am 1. Februar 2002, wenn es nicht verlängert werde.

Carrier 1 war Anfang November beim geplanten Rückkauf der zwei ausstehenden hochverzinslichen Anleihen seiner hundertprozentigen Tochter Carrier1 Finance Limited gescheitert. Damit sollten vor allem die anstehenden Zinszahlungen reduziert werden, die von der Gesellschaft derzeit schwer aufzubringen seien. Die Anleihegläubiger sollten gegen Rückgabe ihrer Wertpapiere und bei Zustimmung zu den geänderten Anleihebedingungen eine Barzahlung von 18,25 % des Nominalwertes der Anleihen erhalten. Das mit einer Frist bis zum 5. Dezember laufende Angebot war jedoch nicht wirksam geworden, weil nach Angaben von Carrier 1 der für die Änderungen der Vertragsbedingungen notwendige Anteil nicht angeboten worden sei. Carrier 1 hatte daraufhin angekündigt, erneut mit den Haltern der Anleihen verhandeln zu wollen.

Bei den beiden Anleihen handelt es sich um ein mit 13,25 % verzinstes Papier mit einem Volumen von 85 Mill. Euro sowie einer ebenso hoch verzinsten Schuldverschreibung über 160 Mill. $. Beide Anleihen laufen bis 2009.

Die Analysten von SES Research bewerten die Carrier-1-Aktie indes unverändert mit "Underperformer". Die Analysten teilten mit, sie hätten bereits im Zusammenhang mit dem ersten Angebot im November darauf verwiesen, dass der geplante Rückkauf von Anleihen zu Buchgewinnen, einer Entlastung beim Zinsaufwand und einer erheblichen Reduktion der notwendigen Tilgungszahlugen führen sollte. Die Rückführung der liquiden Mittel in diesem Zusammenhang könnte jedoch durchaus negativ beurteilt werden. Jegliche derartige Maßnahmen seien vor dem Hintergrund der operativen Situation der Gesellschaft nachrangig relevant.

Für das dritte Quartal hatte Carrier 1 einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 45,7 Mill. $ und liquide Mittel von 133,7 Mill. $ ausgewiesen.

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