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15.01.2001

13:45 Uhr

Restrukturierungsprogramm angekündigt

Analysten beurteilen Intershop-Pläne unterschiedlich

Das angekündigte Restrukturierungsprogramm und der Stellenabbau bei dem Software-Anbieter ist mit Zurückhaltung aufgenommen worden.

Reuters FRANKFURT. Das angekündigte Restrukturierungsprogramm und der Stellenabbau bei dem Software- Anbieter Intershop ist zum Teil mit Zurückhaltung aufgenommen worden. Während etwa bei der GZ-Bank die Ankündigung der Intershop, in den USA annähernd jede dritte Stelle zu streichen, als richtig bewertet wurde, hieß es bei der BW-Bank, eine notwendige Stärkung des Vertriebs werde durch den Schritt nicht erkennbar. Nach Einschätzung der ABN Amro deuten die Pläne der am Neuen Markt notierten Intershop darauf hin, dass es zu einem Schwächung der Position des Konzerns in den USA kommen könne. Der Kurs der Intershop-Aktie stieg am Montag in einem freundlichen Umfeld um bis zu 15 %.

Intershop hatte am Freitag nach Börsenschluss angekündigt, 30 % des Personalbestands in der US-Organisation abzubauen. Gleichzeitig würden weltweite Funktionen zusammengelegt, um das Unternehmen effizienter zu machen und Intershops US-Organisation stärker auf Vertrieb, Consulting und weitere umsatzbringende Aktivitäten zu konzentrieren, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Anfang Januar war der Intershop-Kurs um mehr als zwei Drittel eingebrochen, nachdem das Unternehmen seine Umsatz- und Ertragserwartungen für das vierte Quartal gesenkt hatte. Finanzvorstand Beeck hatte dies mit verschobenen Aufträgen, insbesondere aus den USA, begründet. "Ich habe mit nichts anderem gerechnet", sagte Axel Herlinghaus, Analyst der GZ-Bank, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters zu den Intershop-Plänen. Die Ankündigung des Unternehmens, die Kosten an den Umsatz anpassen zu wollen und den Vertrieb in den USA zu verbreitern, sei grundsätzlich ein richtiger Schritt. Jetzt bleibe abzuwarten, ob sich dieser auch auszahle. "Intershop holt im Grunde Versäumtes jetzt nach."

Keine weltweite Umstrukturierung

Bei einem Abbau von 80 Stellen könne nicht von einer weltweiten Umstrukturierung die Rede sein, sagte ein anderer Analyst. "Ich hätte mehr erwartet." Die Anleger seien durch die Ergebnis- und Umsatzwarnung Anfang Januar verschreckt worden. "Intershop muss nun nachhaltig mit guten Zahlen überzeugen." "Der Vertrieb in den USA muss schlagkräftiger organisiert werden", sagte Helmut Bartsch, Analyst der BW-Bank. Eine Restrukturierung und eine Stärkung des Vertriebs seien derzeit noch nicht zu erkennen. Es werde eher die Kosten- an die Umsatzstruktur angepaßt. "Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagte Bartsch. Die Einstellungen hätten bei Intershop in der Vergangenheit stark zugenommen und der Umsatz habe nicht Schritt halten können. Die Entlassungen deuteten darauf hin, dass das erste Quartal 2001 nicht unbedingt eine Verbesserung beim Umsatz in den USA bringen werde.

Entscheidend sei, dass der US-Vertrieb schlagkräftig organisiert werde und Intershop die Kosten in den Griff bekomme, hieß es bei den Branchenexperten weiter. Nun müsse zunächst das erste Quartal abgewartet werden. Es werde sich zeigen, ob auch andere Konzerne in den USA Verkaufsprobleme hätten. Felix Ellmann, Analyst von SES Research, sagte, der Stellenabbau und die angekündigte Restrukturierung seien an sich in Ordnung. "Ich mache mir Sorgen über das Signal an die Kapitalmärkte." Anleger fragten sich nun, was sie machen sollen, wenn Intershop nicht mehr wachse. Trotz des deutlich gesunkenen Kursniveaus bleibe halte er die Bewertung "Marketperformer" für die Akrtie aufrecht. SES Research hatte die Aktie nach der Umsatz- und Gewinnwarnung von "Outperformer" herabgestuft. Bei der ABN Amro hieß es, die angekündigten Pläne deuteten auf eine Schwächung der Positiuon in den USA und auf einen Ausbau der stärkeren Position in Europa hin. Derzeit bleibe Intershop kaum anderes übrig, als sich auf einem geringeren Niveau zu stabilisieren.

Die Aktie der Intershop gehörte am Montag zu den deutlichsten Gewinnern am Neuen Markt und stieg um 13,4 % auf 10,15 Euro. Anfang Januar war das Papier nach der Gewinnwarnung um mehr als zwei Drittel bis auf 7,16 Euro eingebrochen. Für rund zehn Monaten hatten die Papiere noch für 140 Euro den Besitzer gewechselt.

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