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30.01.2001

14:28 Uhr

ap SANTIAGO. Der chilenische Exdiktator Augusto Pinochet ist in Vorbereitung eines Prozesses über das Schicksal politischer Gefangener unter Hausarrest gestellt worden. Anwälte des 85-jährigen Generals legten am Montag in Santiago umgehend Berufung gegen die Entscheidung von Richter Juan Guzman an. Sie hätten Pinochet aus Sorge um dessen Gesundheitszustand nicht sofort über die jüngste Entwicklung informiert, erklärten sie.

Pinochet befindet sich in seinem Sommerhaus in Los Boldos 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt. Von Guzman angeordnete ärztliche Untersuchungen haben in diesem Monat ergeben, dass der 85-Jährige unter mehreren Krankheiten und "moderatem Schwachsinn" leide. Am Sonntag wurde er nach viertägiger Behandlung aus einem Militärkrankenhaus entlassen, nachdem die Blutzufuhr zu seinem Gehirn kurz unterbrochen gewesen sei. Pinochets älteste Tochter Lucia sagte, sie fürchte um die Gesundheit ihres Vaters. "Von nun an mache ich Richter Guzman für das Leben meines Vaters verantwortlich", sagte sie.

Guzman erneuerte am Montag die Anklage gegen den pensionierten General wegen Mordes und Entführung, die zuvor aus formalen Gründen vom Obersten Gerichtshof aufgehoben worden war. Der Richter ermittelt gegen Pinochet wegen der so genannten Todeskarawane, einem militärischen Rollkommando, das unmittelbar nach dem Militärputsch vom Herbst 1973 75 Oppositionelle ermordet hatte.

Pinochet hatte während seiner Vernehmung in der letzten Woche jede Verantwortung für die Morde abgelehnt, die unter die Befehlsgewalt der Militärbezirkskommandeure gefallen seien. Dies hatte der damalige Befehlshaber des Militärbezirks Nord, General Joaquin Lagos, im Fernsehen öffentlich bestritten und erklärt, Pinochet trage die alleinige Verantwortung für die Bluttaten. Der Chef der Karawane, General Sergio Arellano, habe sich ihm damals als persönlicher Gesandter Pinochets vorgestellt. Als Bezirkskommandeur habe er keine Möglichkeit gehabt, einem persönlichen Gesandten des Oberbefehlshabers den Gehorsam zu verweigern.

Der Oberste Gerichtshof hatte die ursprüngliche Klage aufgehoben, weil Guzman eine vom Gesetz vorgeschriebene Anhörung Pinochets versäumt habe. Diese hatte Guzman in der vergangenen Woche nachgeholt. "Wir sind sehr erfreut zu hören, dass Pinochet sich für diese Morde doch noch dem Gericht stellen soll", sagte der Anwalt Hugo Gutierrez, der als einer der Hauptnebenkläger die Familien mehrerer Opfer im Prozess gegen den Exdiktator vertritt.



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