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18.02.2002

19:00 Uhr

Rigides Kostenmanagement nach Fusion – Insider vermissen eine klare Strategie für das genossenschaftliche Spitzeninstitut

Brixner regiert die DZ Bank mit dem Rotstift

VonPHILIPP OTTO

Der Generationswechsel an der Spitze des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank steht noch aus. Ein halbes Jahr nach der Fusion von GZ-Bank und DG Bank hat der 61jährige Chef Ulrich Brixner alle Mühe, aus beiden Banken eine Einheit zu formen und eine klare Strategie zu entwickeln.

FRANKFURT/M. Wenn Ulrich Brixner am Wochenende mit Freunden und Geschäftspartnern über den Golfplatz geht und an seinem ohnehin guten Handicap arbeitet, müßte er ganz zufrieden sein. Schließlich hat er sein großes Ziel erreicht: Er führt seit 18. September des vergangenen Jahres das Spitzeninstituts der deutschen Kreditgenossenschaften, die DZ Bank. Damals wurde die von Brixner geführte GZ-Bank mit der DG Bank seines langjährigen Widersachers Bernd Thiemann fusioniert. Diese war in eine arge Schieflage geraten und allein kaum noch überlebensfähig.

Arbeitsgericht mit Bankern gut beschäftigt

Von einer Zufriedenheit des gerade 61jährigen spürt man in der Bank allerdings wenig. "Die Stimmung ist sehr sehr kompliziert, dass hat sich seit der Fusion nicht geändert", heißt es von einem DZ Banker. Das Verhältnis von Geschäftsführung zu Mitarbeitern und Betriebsrat sei sehr konfliktträchtig, fügt er hinzu. Allein heute werden vor dem Frankfurter Arbeitsgericht sieben Prozesse geführt. Brixner betont zwar, man rede nicht mehr über die Vergangenheit und es gebe keinen Streit im Vorstand: Doch ganz lassen ihn die Altlasten nicht los. Allein 550 Mill. Risikovorsorge muss er aus der verfehlten Kreditvergabepolitik der beiden Vorgängerinstitute schultern. Primäres Ziel des Schwaben ist daher das Erreichen eines angemessenen Produktivitätsniveaus sowie eine Begrenzung des Kostenanstiegs. Dafür nimmt er auch unliebsame Massnahmen in Kauf. Rund ein Fünftel aller Mitarbeiter muss gehen.

Allerdings verursacht die Personalpolitik einiges Kopfschüteln und sorgt für erhebliche Unruhe. Es herrsche die Stimmung wie nach einer Übernahme, kritisieren Mitarbeiter. Intern wird Brixner "Uli, der Eroberer" genannt. "Wer von der DG Bank kommt, fliegt. Man kommt sich vor, als wäre man gezeichnet," schimpft ein DZ-Banker. Das zeigt sich vor allem in den oberen Führungsgremien: Mit Uwe Flach sitzt künftig nur noch ein ehemaliger DG Banker im Vorstand, da Bedo Panner, Friedrich-Leopold von Stechow und Berthold Eichwald ihren Hut nehmen werden. Auch auf der zweiten Führungsebene seien DG Banker die Ausnahme, verlautete aus Bankkreisen. Unabhängig von möglichen Altlasten sei das das falsche Signal für die Belegschaft.

Kein Generationswechsel im echten Sinne

Ein Generationswechsel an der Spitze der noch jungen DZ Bank im echten Sinne ist es nicht. Der Quereinsteiger Bernd Thiemann, der 1991 von der NordLB zur DG Bank stieß, hat den Weg vielmehr aus einer Position der Schwäche heraus freigemacht. Der promovierte Kaufmann Brixner empfiehlt sich dagegen mit Erfolgen für die schwere Integrationsaufgabe: Er führte die SGZ-Bank und die GZB-Bank 2000 schnell und nahezu geräuschlos zur GZ-Bank zusammen. Aber die Komplexität der nun zu bewältigenden Aufgabe hat er offensichtlich unterschätzt. Es sei vieles neu entdeckt worden, was das Ganze umfangreicher mache, sagte er Anfang Dezember. "Diese Führung ist absolut überfordert", urteilt ein DZ-Bank-Manager kritisch. Sie sei sicherlich kenntnisreich und fleissig, aber nicht an solch große Institutionen gewöhnt.

Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen schickte mit Albrecht Merz und Peter Dieckmann gleich zwei ehemalige Führungskräfte der GZ-Bank zum Nachsitzen. Insgesamt sechs Monate lang noch bis Ende Februar 2002 müssten diese beiden Erfahrungen sammeln und dürften "nur" als stellvertretende Vorstandsmitglieder agieren. "Die alte DG Bank hat am unteren Ende der Bundesliga gespielt, der Käufer hat das Niveau einer Regionalligamannschaft, will jetzt Bundesliga spielen, hat aber sein Training nicht angepasst", so ein DZ-Banker.

"Das Wasser muss selbst mitgebracht werden"

Mit Kostensenkung alleine ist es zudem nicht getan. Um die Produktivität zu erhöhen, müssen auch Ertragspotenziale aufgedeckt werden. "Ich muss mir meine eigene Flasche Wasser zu Sitzungen mitnehmen, weil die Bewirtung gestrichen wurde", ärgert sich ein Manager. Aber klare Aussagen, wo künftig Geld verdient werden soll, gebe es nicht. Mitarbeitern, Verbundpartnern und Kunden fehle eine klare Strategie. "Keiner weiß, ob die DZ Bank die größte Volksbank Deutschlands oder eine Zentralbank mit internationalem Anspruch sein will", sagt ein Genossenschaftsbanker.

Das originäre Geschäft mit den rund 1 400 betreuten Volks- und Raiffeisenbanken liegt dem Genossenschaftsbanker Brixner, der seine Laufbahn 1969 bei der DG Bank begann, sicherlich näher als die internationalen Aktivitäten und das Investment-Banking der ehmaligen DG Bank: "Große Euphorie hat Uwe Flach auch nicht mehr", sagt ein Insider. Der Brixner-Vize habe bereits viele gute Leute verloren.

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