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04.02.2001

13:01 Uhr

Ringen um "Jeanne d'Arc"

Inzwischen 27 BSE-Fälle in Deutschland

Die Zahl der BSE-Fälle in Deutschland ist inzwischen auf 27 gestiegen: In Schleswig-Holstein bestätigte sich der Verdacht auf Rinderwahnsinn am Wochenende bei einem fünften Rind. Die knapp fünf Jahre alte Kuh stammt aus einem Bestand mit 168 Rindern im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Diese Tiere müssen nun getötet werden. Bundesweit wurden inzwischen ungeachtet der Proteste vieler Bauern weit mehr als 4000 Rinder nach BSE-Fällen gekeult.

dpa KIEL/MÜCHELN. Von den bundesweit 27 bestätigten BSE-Fällen wurden neun in Bayern gemeldet, fünf in Schleswig-Holstein, jeweils vier in Niedersachsen und Baden-Württemberg, zwei in Mecklenburg-Vorpommern und einer in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

Am Sonntagmorgen wurden die letzten von insgesamt rund 1000 Rindern aus einer Großherde in Mücheln in Sachsen-Anhalt gekeult. In der Herde waren ein bestätigter BSE-Fall und ein BSE-Verdachtsfall aufgetreten. Nur drei Tiere seien für wissenschaftliche Zwecke am Leben gelassen worden, teilte der Landrat des Kreises Merseburg- Querfurt mit. Nennenswerte Zwischenfälle habe es nicht gegeben.

Im Tauziehen um das von schleswig-holsteinischen Landwirten versteckte Kälbchen "Jeanne d'Arc", das aus einem Bestand mit einem BSE-Fall stammt, war am Sonntag noch immer keine Einigung in Sicht. Aufgebrachte Bauern hatten am vergangenen Montag das nur wenige Stunden alte Tier vor dem Abtransport zum Töten bewahrt und danach versteckt. Inzwischen ist das Kälbchen zum Symbol des Bauernprotestes gegen das Töten ganzer Herden wegen BSE geworden.

"Letztlich guckt der Verbraucher aufs Geld"

Bauer Jürgen Rühmann sagte am Sonntag, die Landwirte wollten das Kälbchen zunächst nicht herausgeben. Das Tier soll nach den Vorstellungen des Landwirtschaftsministeriums in Kiel auf die Ostseeinsel Riems in Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden, wo bereits mehrere Kälber aus Herden mit einem BSE-Fall unter Quarantäne für wissenschaftliche Zwecke beobachtet werden. Ein BSE- Test bei der Kuh, von der "Jeanne d'Arc" abstammt, verlief negativ.

Bauer Peter Lorenzen, auf dessen Hof im schleswig-holsteinischen Hörsten im November 2000 die erste deutsche BSE-Kuh entdeckt worden war, hat inzwischen mit 58 Rindern wieder einen neuen Viehbestand aufgebaut. Lorenzen sagte dem Magazin "Focus", er wolle kein Biobauer werden sondern konventionell weiter machen. "Letztlich guckt der Verbraucher aufs Geld. Und wenn sich der Wirbel um BSE gelegt hat, wollen alle wieder billiges Fleisch", sagte Lorenzen.

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