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21.01.2003

11:10 Uhr

Risiken belasten

ZEW-Konjunkturbarometer steigt überraschend

Die Konjunkturaussichten für Deutschland haben sich im Januar einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge erstmals seit sieben Monaten verbessert. Der vom ZEW ermittelte Saldo der Konjunkturerwartungen der befragten Analysten und institutionellen Anleger sei auf 14,0 von 0,6 Punkten im Dezember geklettert, teilte das ZEW am Dienstag in Mannheim mit.

Reuters BERLIN. Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Anstieg auf 0,7 Punkte gerechnet. "Es zeigt sich wohl ein erster Silberstreif am Horizont. Freilich bleiben erhebliche Risiken über den Ausgang der Irak-Krise und über den wirtschaftspolitischen Kurs in Deutschland bestehen", erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.

Analysten sagten, der Anstieg sei ein weiterer Hoffnungsschimmer, nachdem in den vergangenen Wochen bereits die Auftragseingänge sowie die Industrieproduktion gestiegen waren. Allerdings bezweifelten einige die Prognosequalität des Indikators. Euro und Aktienmärkte legten in Folge der Veröffentlichung zu, während die Kurse am Rentenmarkt fielen.

Analysten dämpfen Konjunkturhoffnungen

Analysten nahmen den Anstieg des Indikators gelassen auf und dämpften die Hoffnungen auf eine schnelle Konjunkturwende. "Der angezeigte Trend muss sich erst einmal zwei bis drei Monate bestätigen", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank. Uwe Angenendt von der ING BHF-Bank sprach von einer Bodenbildung des Indikators. Grund für den Anstieg könnten die überraschenden Anstiege bei Industrieproduktion- und-aufträgen gewesen sein, vermuteten die Analysten. "Außerdem ist der ZEW relativ nahe an den Finanzmärkten und wir hatten eine freundliche Aktienmarktentwicklung zu Jahresbeginn", sagte Angenendt.

Elwin de Groot von der Fortis Bank sagte, die jüngst veröffentlichten Daten zeigten, dass Rezessionsängste derzeit nicht gedeckt seien. Er fügte aber hinzu: "Wir brauchen eine viel höhere ZEW-Umfrage oder ein viel höheres Geschäftsvertrauen, bevor wir den Punkt erreichen, wo Unternehmen wieder anfangen zu investieren." Das Stimmungsbarometer für die Euro-Zone stieg den ZEW-Angaben zufolge auf 29,9 Zähler nach 27,1 Zählern im Dezember.

Das ZEW befragt monatlich gut 300 Analysten und institutionelle Anleger zu ihren mittelfristigen Erwartungen hinsichtlich Konjunktur, Zinsen, Aktien- und Wechselkursen. Der Saldo der Konjunkturerwartungen gibt die Differenz der positiven und der negativen Einschätzungen für die Wirtschaftsentwicklung auf Sicht von sechs Monaten wieder.

Konjunkturhoffnungen drücken Rentenkurse

Der Deutsche Aktienindex (DAX) legte nach der Veröffentlichung zu. Gegen 11.40 Uhr notierte der Dax 1,8 % im Plus. "Das ist genau das, was die Börse braucht", sagte der Händler Frank Albrecht von MM Warburg in einer ersten Reaktion auf die ZEW-Zahlen. Es lasse sich derzeit aber noch nicht abschätzen, ob die Kursgewinne von Dauer sein werden. Das hänge davon ab, wie sich die US-Börsen, die am Montag wegen eines Feiertages geschlossen geblieben waren, entwickelten. Auch der Euro legte etwas zu, während die Kurse am Rentenmarkt nachgaben.

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