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23.01.2002

19:10 Uhr

Risikomanagement ist wichtig

Investoren streuen ihr Vermögen nicht breit genug

Welche Risiken Aktien bergen, mussten Anleger schon bitter erfahren. Trotzdem haben viele nach massiven Verlusten ihre Strategie noch nicht ausreichend umgestellt.

qdt/tmo FRANKFURT/M. Welche Risiken Aktien bergen, mussten Anleger schon bitter erfahren. Trotzdem haben viele nach massiven Verlusten ihre Strategie noch nicht ausreichend umgestellt. Das jedenfalls meint Stefan Keitel, Leiter des Portfoliomanagements bei der Credit Suisse (Deutschland) AG.

Viele Investoren würden ihre Risiken im Depot nicht genug streuen, sagt Keitel. Manche Wertpapierberater würden die Kundendepots ebenfalls noch zu einseitig strukturieren. Wichtig sei eine effiziente Aufteilung des Vermögens in unterschiedliche Anlageklassen.

Breite Streuung kann Rendite kosten. "Aber die Kunden signalisieren uns, dass das Managen von Risiken wichtiger geworden ist", sagt Keitel, "wir müssen nicht Renditebringer Nummer eins sein". Die Schweizer setzten bereits im Boom auf Diversifkation und haben dies mit ihrem neuen Drei-Säulen-Konzept der Vermögensverwaltung verfeinert.

Das Zauberwort Diversifikation hat auch die Privatbank Reuschel in München im Blick. "Viele Kunden haben auf eigene Faust am Neuen Markt investiert und sich ein einseitiges, technologielastiges Depot aufgebaut, das gar nicht ihrer Risikoneigung entsprach", sagt Reuschel-Analyst André Will-Laudien. "Wir versuchen verstärkt zu vermitteln, dass Diversifikation nicht von der Zahl der Aktien abhängt, sondern über viele Branchen und Regionen hinweg erfolgen muss", sagt er.

Die Portfoliomanagement-Spezialisten der Credit Suisse bieten ab einer Mindestanlagesumme von einer halben Million Euro eine breit gefächerte Kombination von Produkten und Strategien zur Risikominimierung. So berücksichtigt die Bank bei der Beratung neben Aktien, Renten und Liquidität auch so genannte Alternative Investments wie Private-Equity-Engagements, Hedging-Strategien und strukturierte Produkte. Je höher das Anlagevolumen sei, desto mehr unterschiedliche Anlageklassen könnten berücksichtigt werden, sagt Portfolio-Chef Keitel. Auch Reuschel-Banker Will-Laudien registriert ein verstärktes Interesse der Kunden an Alternativen zur Aktie, die höhere Erträge als Anleihen versprechen.

Im Depot maximal 60 Prozent Aktien

Credit-Suisse-Experte Keitel rät selbst risikobereiten Anlegern derzeit zu einem Maximalanteil von 60 Prozent Aktien im Depot. Daneben sollten diese Investoren etwa zehn Prozent Cash, 15 Prozent Bonds (inklusive Wandelanleihen) sowie 15 Prozent an Alternativen Investments halten. Dem etwas vorsichtigeren Investor empfiehlt er folgendes Depot: 35 Prozent Aktien, 25 Prozent Bonds (Staats- und Unternehmensanleihen beziehungsweise Pfandbriefe), zehn Prozent Wandelanleihen, 15 Prozent Cash und 15 Prozent Alternative Investments.

Einen neuen Börsenboom erwartet Credit Suisse nicht. Mit acht bis zehn Prozent Rendite im Jahr 2002 wäre Keitel zufrieden. Er betont, die Alternativen Investments seien in der Regel nicht abhängig vom allgemeinen Börsentrend. In manchen Fällen profitierten sie von stagnierenden oder sogar nachgebenden Kursen. Manche Hedgefonds verkaufen zum Beispiel als überbewertet eingestufte, geliehene Aktien, um sie später billiger zurückzukaufen (der so genannte Leerverkauf). Damit profitieren sie von Kursverlusten.

Zwar verdienten Hedgefonds der Agentur Bloomberg zufolge 2001 im Schnitt nur vier Prozent. Doch im Vergleich zum Kursverlust von rund 20 Prozent des Deutschen Aktienindex (Dax) fuhren Anleger damit gar nicht schlecht.

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