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23.01.2003

18:45 Uhr

Risikovorsorge belastet

BayernLB nur dank Firmenverkäufen profitabel

Die vom Zusammenbruch des Kirch-Imperiums betroffene Bayerische Landesbank (BayernLB) hat 2002 nur mit Hilfe von Veräußerungsgewinnen schwarze Zahlen geschrieben. Operativ steht angesichts einer hohen Risikovorsorge ein Verlust zu Buche.

Reuters MÜNCHEN. "Die Bank selber wird vor und nach Steuern schwarze Zahlen ausweisen", sagte Vorstandschef Werner Schmidt am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters in München. Hierfür werde das Bewertungsergebnis sorgen, in dem das halbstaatliche Institut Wertänderungen bei Finanzanlagen und Beteiligungen sowie Erlöse aus Verkäufen erfasst. "Das Jahr 2002 ist für alle deutschen Großbanken ein ganz schwieriges gewesen", sagte Schmidt. "2003 wird noch schlimmer werden", fügte er hinzu. Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) hatte zuvor im bayerischen Landtag gesagt, die Landesbank werde einen operativen Verlust einfahren.

Vorstandschef Schmidt bekräftigte, dass die Risikovorsorge für 2002 sich aller Voraussicht nach gegenüber dem Vorjahr in etwa verdoppeln werde. "Die Zahl liegt mit Sicherheit über zwei Milliarden Euro", sagte er. 2001 waren es noch 1,25 Milliarden Euro gewesen.

Faltlhauser habe in seine Rechnung zwar die Risikovorsorge, aber nicht das Bewertungsergebnis einbezogen, stellte Schmidt klar. Mit Blick auf Veräußerungserlöse verwies der Vorstandschef unter anderem auf den Verkauf des 25,1-prozentigen Anteils an der Münchener Versorger-Holding Thüga an Eon. Angaben zum Ergebnis macht er nicht. 2001 hatte die BayernLB vor Steuern - also nach Risikovorsorge und Bewertungsergebnis - noch einen Gewinn von 287 Millionen Euro verbucht.

Die zweitgrößte deutsche Landesbank ist mit mehr als zwei Milliarden Euro der bei weitem größte Gläubiger der mittlerweile insolventen Kirch-Gruppe. Zudem leidet das Institut wie die Konkurrenz unter dem Einbruch der Aktienmärkte, der hohen Zahl von Insolvenzen und den Strukturproblemen im deutschen Bankensystem.

Das massive Kreditengagement der BayernLB bei Kirch war seit langem heftig von der Opposition im Freistaat kritisiert worden, die politische Einflussnahme der CSU zu Gunsten Kirchs vermutet. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) hatte der BayernLB im Sommer in einem Brief Versäumnisse bei der Kreditvergabe an den Medienkonzern vorgeworfen. Neben Faltlhauser sitzen weitere Kabinettsmitglieder im Verwaltungsrat der Bank.

Faltlhauser sagte mit Blick auf die erhöhte Risikovorsorge, die unter anderem aus dem Kirch-Engagement resultiert, diese sei keineswegs mit einem Ausfall der Kredite gleichzusetzen. "Abgerechnet wird am Schluss, wenn alle Sicherheiten verwertet sind." Die BayernLB werde vor allem versuchen, den Wert des an sie verpfändeten Formel 1-Anteils zu sichern und diesen veräußerbar zu machen. Dazu würden intensive Gespräche mit den in der Rennserie vertretenen Teams, den Autobauern und Formel 1-Gründer Bernie Ecclestone geführt. Schmidt sagte lediglich, die Gespräche liefen positiv.

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