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23.01.2007

10:29 Uhr

Roachs Weltsicht

Warten auf die Pause

VonStephen Roach (Chefvolkswirt Morgan Stanley)

Nach vier Boomjahren sollte die Weltwirtschaft eine Pause einlegen – zumindest sollte sie sich nach dem stärksten Wachstumsanstieg seit Anfang der siebziger Jahre verlangsamen. So hatte ich bisher argumentiert. Doch ich könnte mich getäuscht haben.

Mein Argument war bisher immer, dass ständig steigende Ungleichgewichte am Ende das kräftige Wachstum der Weltwirtschaft abschwächen. Die Ungleichgewichte einer auf die USA ausgerichteten Welt sind nicht zu verkennen, doch die globale Wachstumsmaschine zeigt außerordentliche Widerstandskraft. Zeit für einen neuen Denkansatz?

Noch nicht. Die Risiken der globalen Ungleichgewichte bestehen weiter. Die von Kapitalvermögen abhängige US-Wirtschaft ist anfällig für Spekulationsblasen – zuerst bei Wertpapieren und jetzt im Immobiliensektor. Nach dem Platzen der Blase können Verbraucher ihre Wertpapiere kaum Gewinn bringend verkaufen. Einkommensschwächere müssen ihre Ausgaben kürzen und wieder mehr sparen. In China dagegen ist das Überangebot an Waren weitgehend durch ein relativ undiszipliniertes System der politisch gesteuerten Kreditvergabe der Banken finanziert worden. Solch eine verfehlte Kapitalverteilung kann zu einem Angebotsüberschuss und somit zu Deflation führen. Denn der schwache Privatverbrauch in anderen Teilen der Welt kann das Angebot nicht mehr aufnehmen. Daraus schloss ich, dass ein Abschwung für eine von zwei Wachstumsmotoren angetriebene Weltwirtschaft zwangsläufig ist.

Ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, wann sich eine groß angelegte makroökonomische Einschätzung nicht mehr halten lässt. Ich gebe zu, dass meine Geduld langsam zu Ende geht. Ich habe den fortgesetzten Boom lange auf die hohe globale Liquidität zurückgeführt, besonders auf das Ausbleiben des Zinsdrucks im gesamten Risikospektrum. Ohne einen größeren Ruck bei den Zinsen kann die auf Kapitalvermögen basierende Wirtschaft die Realwirtschaft weiterhin gegen Schocks abschirmen. Doch der Moment der Wahrheit steht vermutlich nahe bevor. Wenn die große globale Wachstumsmaschine ihr Tempo bis zum Jahresende nicht einmal ansatzweise drosselt, wird es höchste Zeit, dem Phantom „Abschwung“ nicht länger hinterher zu jagen.

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