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30.05.2000

17:33 Uhr

Röhrenwerke gehen mit Finanzpaket an Salzgitter AG

Grundstein des Mannesmann-Konzerns verkauft

Auch das letzte große Industriegeschäft des Mannesmann-Konzerns ist nun veräußert. MIt der Röhrenproduktion hatte das Unternehmen einst seinen Aufstieg eingeleitet.

dpa SALZGITTER/DÜSSELDORF. Im Zuge der Neuordnung des Düsseldorfer Mannesmann-Konzerns übernimmt der Stahlhersteller Salzgitter AG die Mannesmannröhren-Werke zu einem symbolischen Preis. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird der "Kauf" von 99,3 Prozent der Anteile dem Salzgitter-Konzern mit einem Finanzpaket in Höhe mehrerer hundert Mill. DM versüßt. Der Aufsichtsrat der Mannesmann AG stimmte der Transaktion bereits am Montagabend zu. Der Aufsichtsrat der Salzgitter AG entscheidet am 9. Juni. Auch die Kartellbehörden müssen den Kauf noch billigen.



Mit den traditionsreichen Röhrenwerken gibt die Düsseldorfer Mannesmann AG nach ihrem Wechsel unter das Dach des britischen Vodafone-Konzerns ihr letztes großes Industriegeschäft ab. Der Salzgitter Konzern als zweigrößter deutscher Stahlhersteller (nach ThyssenKrupp) weitet sein Geschäft erheblich aus. Der Jahresumsatz steigt damit von 5,3 Mrd. auf knapp acht Mrd. DM; die Zahl der Beschäftigten wächst von 12 000 auf 22 000.



Übernahmedetails bleiben Verschluss-Sache Zu den Einzelheiten des Geschäfts sei Stillschweigen vereinbart worden, hieß es bei beiden Unternehmen am Dienstag. Die Salzgitter AG sprach auf Nachfrage von einem "akzeptablen Kaufpreis" und einer guten Finanzausstattung. Die Mannesmannröhren-Werke hatten in den vergangenen Jahren Verluste ausgewiesen. Im vorigen Jahr waren es bei einem Umsatz von knapp 3,4 Mrd. DM (1,7 Mrd. Euro) insgesamt 504 Mill. DM, davon allerdings ein Großteil beim Finanzergebnis.



Für den Verkauf an die Salzgitter AG hat Mannesmann offensichtlich das Eigenkapital der Mannesmannröhren-Werke AG um mehrere hundert Mill. DM aufgestockt. Somit stieg der eigene Anteil von knapp 80 auf die jetzt veräußerten 99,3 Prozent. Thyssen-Krupp, bisher mit 21 Prozent, bleibt nur noch mit 0,7 Prozent an den Röhrenwerken beteiligt. Darüber hinaus stehen 2000 ein weiterer Verlust sowie Investitionen zur Restrukturierung der Röhrenwerke ins Haus. Auch diese Kosten dürften von Mannesmann getragen werden.



Die Salzgitter AG werde die Mannesmannröhren-Werke AG komplett erhalten, sagte ein Salzgitter-Sprecher. Ursprünglich habe man nur über Teilbereiche gesprochen. Doch im Laufe der Verhandlungen habe sich die komplette Übernahme als günstiger herausgestellt. Die Einigung vollzog sich wegen der bevorstehenden Hauptversammlung der Mannesmann AG innerhalb weniger Tage. Das Land Niedersachsen als wichtiger Anteilseigner (25,5 Prozent) der Salzgitter AG begrüßte die Übernahme als richtigen Schritt zum Erhalt der Selbstständigkeit.



Bei den Mannesmannröhren-Werken stieß der Verkauf ebenso auf ein positives Echo. Stahlprodukte seien bei Salzgitter ein Kerngeschäft, während die Röhren zuletzt im Mannesmann-Konzern ein Nebengeschäft gewesen seien, sagte ein Unternehmenssprecher. Mannesmann sucht jetzt nur noch für die profitable Luxusuhren-Sparte einen neuen Eigner.
Die Röhren waren einst der Grundbaustein des Mannesmann-Konzerns. Den Brüdern Reinhard und Max Mannesmann gelang es im Jahre 1886 erstmals, einen nahtlosen Hohlkörper aus einem Stahlblock herzustellen. Das Gewicht der Röhren im Konzern ging mit dem Ausbau der Telekommunikation zurück. Der neue Mannesmann-Eigentümer Vodafone AirTouch hat bereits die Industrietochter Mannesmann Atecs an Bosch und Siemens für 18 Mrd. DM verkauft. Der am Montag besiegelte Verkauf der britischen Mobilfunktochter Orange bringt einen weiteren hohen zweistelligen Milliardenbetrag.

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