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19.02.2003

08:08 Uhr

Rohstoff unter der Lupe

Knappes Angebot stützt Kupferpreis

VonUdo Rettberg

Kupfer gilt als äußerst konjunktursensibel. Daher müssen Anleger mit starken Preisschwankungen rechnen. Allerdings erwarten Fachleute nun eine deutliche Verteuerung des Buntmetalls.

FRANKFURT/M. Der Kupferpreis blieb 2002 trotz großer Schwankungen im Jahresdurchschnitt stabil. Für das Jahr 2003 sehen Experten jedoch einen beträchtlichen Spielraum für Preissteigerungen. Führende Rohstoff-Analysten erwarten für 2003 einen durchschnittlichen Kupferpreis von 77 Cent je Pfund (454 Gramm, c/lb). Dieser Preis liegt zwar nur geringfügig über dem derzeitigen Niveau von rund 75 c/lb, jedoch deutlich über dem 2002er Durchschnittspreis von 70,7 c/lb. Für 2004 wird von Analysten als Folge des erhofften kräftigen Aufschwung der Weltwirtschaft sogar ein Preisanstieg auf über 84 c/lb prognostiziert.

Dabei erwarten die Fachleute wegen der noch immer unklaren geopolitischen und konjunkturellen Situation anhaltend starke Preisschwankungen. Mit dem Phänomen starker Preisfluktuationen müssen sich Anleger am Kupfermarkt seit Jahrzehnten auseinandersetzen. Während der vergangenen zweieinhalb Jahre schwankte der Preis des roten Metalls in einer weiten Spanne zwischen 62 c/lb und 95 c/lb. Denn allgemein gilt Kupfer als das konjunktursensibelste aller Buntmetalle.

Unterstützung fanden die Kupferpreise in jüngster Zeit dadurch, dass die Produzenten in aller Welt auf die weltweit schrumpfende Nachfrage mit einer Reduzierung ihrer Produktion und einer Kürzung der Raffineriekapazität reagierten. Das nationale Statistikamt Chiles - des weltgrößten Kupferproduzentenlandes - teilte jetzt mit, die Kupferproduktion des Landes sei im Jahr 2002 um 2,9 % auf 4,628 Mill. t gefallen. In Chile befinden sich rund 38 % der weltweit bekannten Kupfervorkommen.

Darüber hinaus erklärte die International Copper Study Group (ICSG), die Branchenorganisation der Kupferproduzenten, in ihrem Januar-Bericht, der in den Vorjahren für Baissestimmung sorgende Überschuss sei in jüngster Zeit deutlich geschrumpft.

Diese Entwicklung kann nach Auffassung von Kamal Naqvi, Rohstoff-Analyst des australischen Finanzhauses Macquarie, auch an einem deutlichen Rückgang der Kupferbestände in den Lagerhäusern der Metall-Terminbörsen in New York und London abgelesen werden. An diesen Börsen können Anleger durch den Kauf und Verkauf von Futures und Optionen auf steigende und sinkenden Kupferpreise setzen. "Käufe staatlicher chinesischer Stellen trugen dazu bei, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage weitgehend auszugleichen", sagt Naqvi.

Um einen vollständigen Ausgleich des Marktes herbeiführen zu können, müsse die weltweite Kupfernachfrage in diesem Jahr um rund 5 % steigen, prognostizieren die Fachleute von UBS Warburg. Dies sei wegen der Rezession in den westlichen Industrieländern nur dann zu erreichen, wenn die jährliche Steigerung des Kupferverbrauchs Chinas von 13 % auf 26 % steige. Eine solche Entwicklung halten Analysten jedoch für wenig wahrscheinlich. Das staatliche Copper Development Center in Peking prognostiziert, dass die chinesische Kupfer-Eigenproduktion im Jahr 2003 um 12,2 % auf 1,56 Mill. t schrumpfen wird, die Gesamtnachfrage des Landes mit 2,7 Mill. t jedoch um mindestens 8 % steigen dürfte. Seit vielen Jahren sorgt die China wegen seiner hohen Bevölkerungszahl und konstant hoher Wachstumsraten nicht nur bei Kupfer, sondern auch bei anderen Rohstoffen für eine Menge Kursphantasie unter den Anlegern.

Das Land auf dem Wege zur Industrienation habe seine Kupferimporte im Zeitraum von 1998 bis 2002 um 37 % pro Jahr gesteigert, sagt Peter Hickson von UBS Warburg. Das Reich der Mitte sei dadurch mit einer Menge von 2,45 Mill. t inzwischen zum zweitgrößten Kupferverbraucher nach den USA aufgestiegen, deren Jahresverbrauch 2,593 Mill. t betrage. "Der Kupferverbrauch Chinas dürfte in den nächsten Jahren um weit mehr als 10 % p.a. wachsen", prognostiziert Hickson. Ungeachtet dessen geht er davon aus, dass ein nachhaltiger Aufschwung der Kupferpreise heute mehr denn je von einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung in den USA abhängt. Einige Analysten schließen nicht aus, dass das Angebot auf dem Kupfermarkt im Jahr 2003 geringer als die Nachfrage sein wird. Global weist etwa als Folge der Produktionskürzungen durch die Minen auf eine Verknappung Kupferkonzentraten hinweist. Stephen Briggs von Société Générale macht das Entstehen eines Nachfrageüberhangs allerdings von der Disziplin der Produzenten abhängig.

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