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22.01.2003

07:37 Uhr

Roland Berger in heikler Lage – Endgültige Entscheidung fällt am Freitag

Entsorgungstochter von RWE gibt beim Dosenpfand nicht auf

VonChristoph Schlautmann

Die RWE-Tochter Deutsche Pfand AG gibt beim Milliardenauftrag Dosen-Rücknahme nicht klein bei. Ihr System hat trotz angeblicher Unterstützung durch Roland Berger kaum Freunde.

DÜSSELDORF. Zwei Tage vor der Entscheidung über ein bundesweites Sicherheitssystem für das Dosenpfand drängt sich die Deutsche Pfand AG noch einmal ins Rampenlicht. Im Berliner Willy-Brandt-Haus will sie am Mittwoch Vormittag Medienvertreter davon überzeugen, dass ihre Rücknahmelösung besser ist als die der Konkurrenten. Die Tochter der Viersener RWE Umwelt AG unternimmt den Rettungsversuch in letzter Minute: Vor anderthalb Wochen bereits hat sich der Technikausschuss der Arbeitsgemeinschaft Verpackung und Umwelt (AGVU) gegen das System des Entsorgungskonzerns ausgesprochen. Das mit Handels- und Industriemanagern besetzte Gremium zog eine Lösung vor, mit der die norwegische Automatenfirma Tomra Systems ASA schon seit mehreren Jahren auf dem Markt ist.

Klein beigeben will RWE aber keinesfalls. Schließlich hängen an dieser Entscheidung Entsorgungsdienstleistungen von jährlich 500 Mill. Euro. Und das letzte Wort über den Auftrag fällt erst am kommenden Freitag im mächtigen AGVU- Exekutivausschuss.

Der neuerliche Vorstoß der Deutschen Pfand AG hat die Branche alarmiert. Weil das RWE - System Wettbewerbern verschlossen bleibt, fürchten viele ein weiteres Monopol nach dem Vorbild des Dualen Systems Deutschland (DSD). Hier hat die RWE Umwelt AG bereits ein gewichtiges Wort mitzureden. Ihr Vorstandschef Bernard M. Kemper sitzt im Aufsichtsrat des Grüne- Punkt-Lizensierers und entscheidet dort über die bundesweite Entsorgung von Verpackungsmüll mit.

Eine zweifelhafte, weil offenbar parteiische Rolle spielt beim Wettlauf um die Einweg-Entsorgung die Münchener Unternehmensberatung Roland Berger, die bei der Berliner AGVU die Endausscheidung der Systemanbieter begleitet. Die Beratungsfirma habe die RWE-Lösung "sehr vorteilhaft dargestellt", berichtet ein AGVU-Manager. Die im Arbeitskreis versammelten Handels- und Industrievertreter seien aber anschließend von dem Modell abgerückt. In ihrer Presseeinladung bezeichnete die RWE-Tochter ihre Lösung gestern weiterhin als das "von Roland Berger favorisierte Rücknahmesystem". Doch das weist die Beratungsfirma zurück.

"Diese von RWE zitierte Empfehlung stammt nicht aus dem Hause Roland Berger und ist auch nicht mit uns abgestimmt", sagt Roland- Berger-Partner Andreas Bauer. Rechtliche Schritte gegen die Behauptung plant er aber nicht.

Kein Wunder. Denn mit dem Auftrag, eine neue Unternehmensstruktur für den gesamten Essener Konzern auszuarbeiten, zählt RWE zu den Großkunden von Roland Berger. Eine Sprecherin der Münchener Beratungsfirma wollte sich zu einem möglichen Interessenkonflikt zunächst nicht äußern.

Bei Handel und Industrie findet das RWE-System kaum Freunde. Während die übrigen Lösungen wie gewohnt Rücknahmeautomaten in Supermärkten vorsehen, will die Deutsche Pfand Sammelcontainer an der Straße aufstellen. Wenn ein Kunde Dosen einwirft, soll ihm das Pfand automatisch aufs Konto gutgeschrieben werden - was bei manchen Banken Gebühren kostet.

Wer keine EC-Karte besitzt, der soll eigens mit einer Pfandkarte ausgestattet werden - doch die müsste erst aufwendig produziert werden. Zudem ist weder die Stromversorgung der Sammelbehälter geklärt noch die Sicherheit bei der mobilen Datenübertragung.

Ein prominenter EC-Kartenverrechner hat deshalb Branchenkreisen zufolge der Deutschen Pfand schon abgesagt. Vertriebsmanager Michael Roß dementiert dies: "Einen Clearingpartner brauchen wir nicht. Das machen wir selbst."

Quelle: Handelsblatt

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