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28.07.2000

17:27 Uhr

Rom will Schuldenberg abbauen

Harter Wettbewerb bei der Versteigerung in Italien

In Italien liegt das Anfangsgebot bei mindestens 4 Mrd. Euro je Lizenz. Italiens Finanzminister hofft auf 20 Mrd. Euro.

mab MAILAND. Mindestens 20 Mrd. EUR werden durch die Versteigerung von fünf UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk der dritten Generation in den italienischen Haushalt fließen. Das Kabinett unter Ministerpräsident Giuliano Amato hat das Anfangsgebot je Lizenz auf 4 Mrd. EUR festgelegt. Das ist deutlich mehr als die geforderten 400 Mill. DM in Deutschland.



Das Geld soll zum größten Teil dazu dienen, die exzessive Staatsverschuldung Italiens zu reduzieren, die in diesem Jahr 111 % des Bruttoinlandsproduktes beträgt. Mit einem Zehntel der Summe soll die Verbreitung neuer Technologien gefördert werden. Derzeit nutzen nur 14 % der Italiener das Internet, was in erster Linie auf die im europäischen Vergleich unterdurchschnittliche Aus- und Weiterbildung zurückzuführen ist.





Sollte es zu einem baldigen Regierungswechsel kommen, dann wäre dieser Plan jedoch obsolet: Oppositionschef Silvio Berlusconi hat bereits angekündigt, alle außerordentlichen Einnahmen ausschließlich zur Schuldentilgung einzusetzen.



Die Versteigerung wird sich in zwei Phasen abspielen: Ähnlich wie in Deutschland wird zunächst festgelegt, welche Bewerber die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten besitzen, um die erforderliche Infrastruktur schaffen und entsprechende Dienstleistungen anbieten zu können. Jene Firmen, die diese Anforderungen erfüllen, werden zu einer Auktion zugelassen. Wie in Großbritannien wird auch in Italien kein Höchstgebot festgelegt. "Ich vertraue den Kräften des Marktes, niemand weiß besser als der Unternehmer, wie viel ihm eine solche Lizenz wert ist", so Premier Amato.



Unklar sind bislang die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Wettbewerb. In den letzten Tagen hat der Präsident des italienischen Kartellamtes, Giuseppe Tesauro, angeregt, die Mobilfunkbetreiber zu zwingen, ihre künftigen UMTS-Netze für Dritte zu öffnen. Dies wird von den Telekommunikationsfirmen scharf kritisiert. Sie argumentieren, dass eine Lizenz in diesem Fall nicht mehr viel wert wäre.



Außerdem verweisen die Kritiker auf die hohen Investitionen: Zusätzlich zu den Kosten für den Erwerb der Lizenz wird nach einer Studie der Investmentbank Schroder Salamon Smith Barney jeder UMTS-Betreiber in Italien fast 6 Mrd. EUR für den Aufbau seines Netzes bezahlen müssen. Bei zu harten Wettbewerbsbedingungen würde sich dies trotz der Attraktivität des italienischen Marktes nicht mehr rechnen, meinen die Firmen. Zurzeit besitzen bereits 33 Millionen Italiener ein Mobiltelefon, das sind 60 % der Bevölkerung.



Bislang haben sieben Firmen, bzw. Konsortien, angekündigt, an der Versteigerung teilzunehmen. Die besten Chancen, eine Lizenz zu erhalten, haben jene Unternehmen, die bereits Mobilfunknetze in Italien betreiben. Neben der Telecom Italia sind dies Omnitel (Vodafone), Blu (u.a. Autostrade und British Telecom) und Wind (Enel, France Telecom, Deutsche Telekom).



Telekom

-Chef Ron Sommer hat bereits angekündigt, wegen des Streits innerhalb des Joint Ventures mit Wind nicht an der Auktion teilnehmen zu wollen. Daher möchte er aus dem Joint Venture aussteigen. Sollte dies nicht gelingen, wäre der Weg für die Telekom versperrt, sich einzeln oder in einer neuen Allianz um eine UMTS-Lizenz in Italien zu bewerben.

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