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24.07.2000

19:54 Uhr

Roman wird ausschließlich im Web und nicht mehr über einen Verleger veröffentlicht

King bietet Story häppchenweise zum Download an

Bezahlen lässt sich vor oder nach dem Lesen bei Amazon.com Inc. Aber nur wenn drei von vier Lesern bezahlen, wird der Roman fortgesetzt.

Reuters PORTLAND. Der amerikanische Bestseller-Autor Stephen King bietet seit Montag das erste Kapitel seines Horror-Romans "The Plant" im Internet an. Für einen Dollar (rund 2,10 Mark) sind 20 Seiten unter www.stephenking.com abrufbar, bezahlen lässt sich vor oder nach dem Lesen per Kreditkarte beim Online-Buchhändler Amazon.com Inc.. Doch nur wenn drei von vier Lesern auch wirklich bezahlen, wird der Roman fortgesetzt. King ist damit der erste weltbekannte Autor, der ein Werk ausschließlich im Web und nicht mehr über einen Verleger veröffentlicht.

Das erste Kapitel von "The Plant" besteht aus einem fiktiven Briefwechsel zwischen einem Autor namens Carlos Detweiller, seinem Lektor und dessen Chef. Im Paket mit dem Manuskript findet der Lektor erschreckende Fotos: Einige davon zeigen möglicherweise eine Schwarze Messe und einen Ritualmord.

Die zweite Episode des Buches soll erst ab 21. August heruntergeladen werden können. King hat angekündigt, dass das zweite auch das letzte Kapitel wird, falls nicht mindestens 75 % der Leser den geforderten Dollar pro Abruf bezahlen. "Wenn ihr zahlt, läuft die Geschichte. Wenn ihr es nicht tut, wird die Geschichte verschwinden", heißt es auf seiner Web-Site.

Für das Einsammeln der Lesegebühr im Netz hat sich King das Buchversand-Unternehmen Amazon.com ausgesucht. Wer sich bereit findet, vor dem ersten Download zu bezahlen, findet sich auf der Webseite von Amazon.com wieder, wo ihm verschiedene Zahlungswege angeboten werden. Wer nicht zahlen will, wird direkt auf eine Seite mit Hinweisen zum Herunterladen geleitet. Nach Angaben von Professor Goshgarian, der sich seit Jahrzehnten mit dem Genre Horror-Fiction beschäftigt und der an der Northeastern Universität lehrt, existiert "The Plant" zumindest als Entwurf schon seit Jahren. King habe ihm 1984 zwei Kapitel der Story geschickt, sie dann aber nicht publiziert, weil er fand, die Geschichte ähnele doch zu sehr dem Broadway-Musical "The Little Shop of Horrors". "Die Story war hübsch", befand Goshgarian, "wenn auch etwas unter Kings Niveau, etwas blöde und albern". Die jetzt veröffentlichte Story könne natürlich ganz anders sein, fügte der Professor hinzu.

Bereits im März hatte King für Aufsehen gesorgt, als er den Thriller "Riding the Bullet" ausschließlich im Internet veröffentlichen ließ, damals jedoch noch über den Verlag Simon & Schuster. Der Schriftsteller hat etwa 30 Bestseller verfasst, darunter "Friedhof der Kuscheltiere", "Es" und "Carrie".

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