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29.04.2003

21:00 Uhr

Rote Zahlen im ersten Quartal

Neuer Allianz-Chef tritt schweres Erbe an

Allianz-Chef Schulte-Noelle musste vor den Aktionären zum Ende seiner Karriere harte Kritik einstecken. Nachfolger Diekmann steht unter hohem Erfolgsdruck. Schnelle Sanie- rungsergebnisse sind gefragt.

Henning Schulte-Noelle und Michael Diekmann, Foto: dpa

Henning Schulte-Noelle und Michael Diekmann, Foto: dpa

HB/mwb MÜNCHEN. Der größte deutsche Finanzkonzern Allianz erwartet wegen der anhaltenden Börsenschwäche auch im ersten Quartal dieses Jahres ein negatives Ergebnis. "Die Fortschritte der operativen Ergebnisentwicklung werden durch Wertpapierabschreibungen von 800 Mill. Euro überlagert", sagte der scheidende Vorstandschef Henning Schulte-Noelle auf der Hauptversammlung. Die konkreten Zahlen will der Konzern am 16. Mai vorlegen. Analysten hoben allerdings die erfreuliche Entwicklung im reinen Versicherungsgeschäft hervor. Wie schon am Vortag legte der Aktienkurs der Allianz weiter zu.

Trotz des Rekordverlusts von 1,2 Mrd. Euro im vergangenen Jahr und dem schwachen Auftaktquartal 2003 stellte Schulte-Noelle den Aktionären eine deutliche Ergebnisverbesserung im Gesamtjahr in Aussicht. "Das Schlimmste dürfte hinter uns liegen", sagte er.

Scharfe Kritik an Schulte-Noelle

Dennoch kritisierten Aktionärsschützer und Anteilseigner den Vorstand scharf: Bei der defizitären Dresdner Bank sei zu spät eingegriffen worden, auch im verlustreichen Amerika-Geschäft habe das Riskomanagement versagt. Der Börsenwert des Unternehmens sei innerhalb eines Jahres um rund 70 % gesunken. Ebenfalls hart kritisiert wurde der geplante Wechsel von Schulte-Noelle an Stelle von Klaus Liesen an die Spitze des Aufsichtsrats. Mehrere Kleinaktionärssprecher verweigerten dem Vorstand die Entlastung für 2002.

Der neue Chef Michael Diekmann, der mit Ablauf der Hauptversammlung den Vorstandsvorsitz von Schulte-Noelle übernahm, tritt ein schweres Erbe an. Er werde die Strategie des Konzerns ohne Tabus und ohne Rücksicht auf falsche Eitelkeiten überprüfen, kündigte Diekmann an. "Wir müssen nicht übermorgen, sondern so schnell wie möglich profitabel werden." Gleichzeitig verteidigte er die Übernahme der Dresdner Bank. "Ich halte sie für richtig." Diekmann will an den harten Vorgaben für die verlustreiche Banktochter festhalten und fordert, dass sie noch in diesem Jahr wieder die Gewinnschwelle erreicht. Allerdings seien die notwendigen Synergien zwischen Bank und Versicherung noch "nicht annähernd" verwirklicht worden. "Es kann nicht ausreichen, dass die Dresdner Bank nur als Vertriebsplattform für die Allianz dient."

Investment-Banking steht zum Verkauf

Immerhin seien beim Investment-Banking der Dresdner Kosten erfolgreich gesenkt worden, sagte Diekmann. Die Sparte zählt aber nicht mehr zum Kerngeschäft. "Wir können da mittelfristig Kapital freisetzen", stellte der neue Allianz-Chef Diekmann den Verkauf der Sparte in Aussicht. Darüber hinaus muss er bald entscheiden, was mit der US-Tochter Fireman?s Fund geschehen soll, die zuletzt 660 Mill. Euro minus machte. Außerdem muss er die Probleme der einstigen französischen Vorzeigetochter AGF lösen und das Industriegeschäft wieder in die schwarzen Zahlen bringen.

Diekmann versicherte den Aktionären, er werde den Erlös von 4,4 Mrd. Euro aus der jüngsten Aktienemission nicht zum Stopfen von Löchern verwenden, sondern in die Ausweitung des Kerngeschäfts investieren. Die Emission konnte gestern zum letzten Mal gezeichnet werden. Es gebe noch viele Möglichkeiten für eine Expansion vor allem bei der Altersversorgung und bei der Vermögensverwaltung, sagte Diekmann. Von den Aktionären ließ sich die Allianz gestern auf Vorrat eine weitere Kapitalerhöhung von 300 Mill. Euro genehmigen.

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