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15.01.2003

09:07 Uhr

Rothenbaum-Turnier

Chinesen planen Übernahme

Am Anfang verschwand der Grand-Slam-Cup. Dann verlor Deutschland nacheinander auch die ATP-Weltmeisterschaft, das Damen-Masters, den Hamburger "Betty Barclay Cup" und das Stuttgarter Mastersturnier von Impresario Ion Tiriac. Und noch während Boris Becker und Co. für dieses Jahr einen verzweifelten Versuch unternehmen, die krisengeschüttelten Internationalen Deutschen Meisterschaften von Hamburg erfolgreich zu vermarkten, steht ein überaus potenter und finanziell starker Kandidat drängend in den Startlöchern, um das Turnier vom Rothenbaum wegzulotsen.

all MELBOURNE. Die Stadtregierung von Schanghai, die für die gelungene Tennis-Show beim Masters-Cup 2002 weltweit Anerkennung und Lob einstrich, buhlt hinter den Kulissen des Wanderzirkus mit aller Macht um die Ausrichtung eines jährlichen Masters-Turniers. Erstes Ziel einer Dollarofferte in zweistelliger Millionenhöhe ist dabei Hamburg. "Wir haben den Willen und das Format, um ein solches Turnier zu veranstalten", sagt Charles Humphries Scott, einer der beiden Direktoren des zurückliegenden Masters-Cup, "sobald sich eine Chance bietet, können wir zupacken."

Angeblich haben die Chinesen als Vermittler auch den ehemals für den DTB arbeitenden Ion Tiriac eingeschaltet. Der gewiefte Rumäne war im vergangenen November auch für einige Tage bei der WM in der asiatischen Boomstadt zu Gast. Tiriac hatte jahrelang, noch als Veranstalter des Wettbewerbs in der Stuttgarter Schleyerhalle, von einem Umzug nach Asien geträumt.

Womöglich kann Bundeskanzler und Tennisfan Gerhard Schröder, der erst kürzlich zur Einweihung der Transrapid-Strecke in Schanghai weilte, so schon bei einer seiner nächsten Stippvisiten die internationalen Spitzenprofis im Mingdong-Distrikt in Augenschein nehmen. Dort wollen Schanghais Stadtentwickler und Sportfunktionäre ein neues, atemraubendes Prestigeprojekt bauen - die so genannte "Tennis City" mit einem 15 000 Zuschauer fassenden Centre Court und mit 30 weiteren Plätzen.

Bereits in der nächsten Woche wird eine hochkarätige Delegation aus Schanghai in Melbourne erwartet, um Gespräche mit der Spielergewerkschaft zu führen. Schon für die Austragung der WM hatten die Chinesen ohne größeres Zögern zehn Millionen US-Dollar hingeblättert. "Geld spielt für die keine Rolle", sagt ein Turnierdirektor aus Europa. Der Tennisstandort Hamburg ist mehr denn je in Gefahr.

Quelle: Handelsblatt

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