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14.01.2002

17:50 Uhr

Rückendeckung für Opel

GM gibt auch künftig Rabatt

VonStefan Menzel und Katharina Kort

Der US-Autokonzern General Motors erwartet die Wiederbelebung des Absatzes auf dem Heimatmarkt. An den umstrittenen Rabatten auf dem US-Markt hält der weltweit größte Fahrzeughersteller fest.

DETROIT. Im 39. Stock der Konzernzentrale von General Motors (GM) gibt es keine Spur von Zweifel: "Wir setzen weiterhin auf eine aggressive Rabatt- und Nachlasspolitik", kündigt GM-Konzernchef Rick Wagoner im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Bis zum 28. Februar läuft ein Programm, das jedem GM-Kunden beim Erwerb eines Neuwagens einen Rabatt von 2002 $ einräumt. "Eine Fortsetzung würde ich nicht ausschließen", lässt Wagoner durchblicken.

Die US-Konkurrenten setzen sich vom Marktführer GM ab und äußern unterschwellig Kritik. "Wir haben unsere Rabatte zurückgenommen", betonte am Wochenende Ford-Präsident Nick Scheele. Die Nummer zwei in der US-Autobranche sei "GM nicht gefolgt". Ähnlich äußerte sich auch Chrysler-Chef Dieter Zetsche: "Bei den Rabatten bewegen wir uns jetzt am unteren Ende der Skala." Die GM-Konkurrenten beklagen dabei vor allem, dass die jüngste Rabattpraxis an die Substanz der Erträge gehe.

Der größte der drei US-Autokonzerne hingegen sonnt sich im Erfolg. Dank der Rabatte ist der Marktanteil zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder gestiegen. Nach Angaben des Prognose-Instituts Autodata kletterte der GM-Wert im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Punkte auf 27,3 %. Nach dem 11. September hatte der Konzern aus Detroit zum ersten Mal aggressiv mit Rabatten reagiert und ein Kreditprogramm mit null Prozent Verzinsung aufgelegt.

Wagoner hält die Verkaufsförderung für unverzichtbar: "Der US-Kunde will immer ein Geschäft machen, das ist Teil des Lebens." Es wäre daher "riskant" anzunehmen, dass es auf dem US-Automarkt zu radikalen Änderungen im Verkauf komme. Das in dieser Woche auslaufende Programm mit null Prozent Finanzierungskosten hat GM einen aus Konzernsicht angenehmen Nebeneffekt beschert. Statt - wie in den USA üblich - den Neuwagen zu leasen, haben sich die Kunden häufiger für Kauf entschieden. Wagoner: "Wir konnten Leasing drastisch zurücknehmen." Im Jahr 2000 seien noch mehr als 20 % aller GM-Verkäufe in den USA mit einem Leasing-Vertrag abgeschlossen worden. 2001 sei der Anteil auf gut 15 % geschrumpft.

Wagoner glaubt, das Leasing-Geschäft sei in den vergangenen Jahren übertrieben worden. Für GM habe sich das Risiko ständig erhöht. Denn man habe nie genau wissen können, mit welchen Restwerten Leasing-Autos tatsächlich zurückgegeben werden.

Erste Anzeichen für Aufwärtstrend

Der GM-Konzernchef sieht erste Anzeichen für eine Verbesserung des US-Autogeschäfts. Zwar sei das wirtschaftliche Umfeld nach wie vor schwach. Das größere Verbrauchervertrauen und eine gute Stimmung auf dem US-Immobilienmarkt könnten jedoch auf einen Aufwärtstrend hindeuten. Wagoner will es "grundsätzlich nicht ausschließen", dass die Erwartungen für den US-Fahrzeugabsatz in diesem Jahr von gegenwärtig etwa 15,5 auf 16 Millionen Autos hochgesetzt werden müssen. Entscheidend würden die kommenden zwei bis drei Monate. Möglicherweise sei dann eine dauerhafte Erholung erkennbar.

Obwohl GM in diesem Jahr extrem genau auf die Kosten achten müsse, sei eine weitere Steigerung des Marktanteils gut möglich. Wagoner: "Dazu haben wir eine große Chance." Der Konzern will das vor allem mit einer Reihe neuer Modelle erreichen.

GM sieht sich gegenüber den US-Konkurrenten Ford und Chrysler im Vorteil. Während die Wettbewerber Werke schließen und zu Zehntausenden Mitarbeiter nach Hause schicken, glaubt Wagoner, dass sein Unternehmen glimpflich davonkommt. "Ich hoffe, dass es bei uns keine großen Einschnitte geben wird", sagt er. Hilfreich sei dabei natürlich die Wiederbelebung der Konjunktur. GM hat noch einen weiteren Vorteil: Stimmen die US-Kartellbehörden im Herbst dem Verkauf der Medientochter Hughes Electronics zu, kann General Motors bis zu 5,7 Mrd. $ extra verbuchen.

Der Führung der angeschlagenen deutschen Tochter Opel gibt Wagoner Rückendeckung für ihr hartes Sanierungsprogramm. Er glaube, dass Opel die Kehrtwende schaffen werde. Dabei vertraut Wagoner dem neuen Opel-Chef Forster. Der ehemalige BMW-Manager besitze einen besonders guten "Produktinstinkt".

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